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Vorschriften und Sicherheit • 5 Min. Lesezeit

Vegan-Zertifikate: V-Label und PETA Cruelty-Free — was steckt wirklich dahinter?

V-Label und PETA Cruelty-Free sehen ähnlich aus, prüfen aber Unterschiedliches. Kriterien, Unterschiede und Greenwashing-Fallen im Überblick.

Veröffentlicht: 2026-08-01 • Aktualisierung: 2026-08-01

Ein Hase-Symbol, ein grünes Blatt oder der große Schriftzug „vegan” auf der Verpackung — solche Zeichen tauchen auf Kosmetikprodukten immer häufiger auf, und Verbraucherinnen und Verbraucher behandeln sie oft als Synonyme. Dabei prüfen V-Label und PETA Cruelty-Free (auch bekannt als Beauty Without Bunnies) zwei völlig unterschiedliche Fragen, und keines der beiden deckt sich automatisch mit dem Begriff Naturkosmetik oder Bio-Kosmetik.

Dieser Ratgeber erklärt, was jedes dieser Siegel konkret zertifiziert, wo ihre Zuständigkeit endet, warum ein Produkt vollständig vegan sein kann, ohne ein offizielles Siegel auf der Verpackung zu tragen, und wie man eine seriöse Zertifizierung von einem Marketing-Missbrauch unterscheidet.

"Vegan" und "tierversuchsfrei" sind zwei verschiedene Fragen

Der häufigste Fehler beim Einkauf ist, „vegan” und „cruelty-free” als austauschbare Begriffe zu behandeln. Tatsächlich beantworten sie zwei unabhängige Fragen. „Vegan” betrifft die Zusammensetzung eines Produkts — es bedeutet, dass keinerlei tierische Rohstoffe enthalten sind, etwa Lanolin, Kollagen, Karmin, Honig, tierisches Keratin oder Squalen aus Haifischleber.

„Cruelty-free” bezieht sich dagegen auf den Herstellungsprozess, konkret darauf, ob das Produkt, seine Formel oder einzelne Inhaltsstoffe an Tieren getestet wurden — unabhängig davon, woraus das Produkt besteht. Ein Kosmetikprodukt kann also vollständig vegan sein und trotzdem formal nicht die Cruelty-free-Kriterien erfüllen, wenn der Hersteller oder ein Zulieferer irgendwo auf der Welt einen Tierversuch in Auftrag gegeben hat. Umgekehrt kann ein Produkt ohne Tierversuche entstanden sein, aber Honig oder Bienenwachs enthalten.

Was V-Label genau prüft

V-Label ist ein internationales Zeichen der European Vegetarian Union, das seit den 1990er-Jahren vergeben wird. Die Zertifizierung konzentriert sich auf Zusammensetzung und Herstellungsprozess im Hinblick auf tierische Rohstoffe — die Organisation prüft die vollständige INCI-Liste, kontrolliert aber auch, ob im Produktionsprozess Kontakt mit tierischen Substanzen bestand, etwa bei der Filtration über Knochenkohle oder bestimmten Trägerstoffen.

V-Label gibt es in zwei Varianten: vegetarisch (erlaubt z. B. Milchbestandteile oder Honig) und vegan (schließt alle tierischen Rohstoffe aus). Das Siegel bezieht sich nicht direkt auf Tierversuche — das ist ein separates Kriterium, das in den Richtlinien berücksichtigt werden kann, aber nicht das Hauptzertifizierungsziel ist. Es lohnt sich, auf der Seite des Lizenzgebers nachzuschauen, welche genaue Version des Siegels ein Produkt trägt.

PETA Cruelty-Free und Beauty Without Bunnies — Kriterien und die China-Ausnahme

Das PETA-Programm (People for the Ethical Treatment of Animals) läuft unter zwei Siegel-Namen: „Cruelty-Free” (mit optionalem Zusatz „Vegan”) und dem älteren „Beauty Without Bunnies”. Grundkriterium ist die Erklärung der Marke, dass weder sie noch ihre Rohstofflieferanten auf irgendeiner Entwicklungsstufe des Produkts Tierversuche in Auftrag geben oder durchführen, weder aktuell noch künftig.

Ein zentraler Vorbehalt betrifft den chinesischen Markt. China verlangte über Jahre Tierversuche für Kosmetik, die stationär im Land importiert und verkauft wird (Vorschriften für ausschließlich online verkaufte Kosmetik waren teils weniger streng). Eine Marke mit physischer Präsenz in China konnte also verpflichtenden, von den dortigen Behörden angeordneten Tests unterliegen, trotz erklärtem Cruelty-free-Status auf westlichen Märkten. PETA berücksichtigt diesen Vorbehalt in seiner Datenbank und verlangt von Marken Transparenz über eine Präsenz auf Märkten mit verpflichtenden Tests.

Ein Produkt kann vegan sein, ohne ein offizielles Siegel zu tragen

Fehlt ein Zertifikat auf der Verpackung, heißt das nicht, dass tierische Inhaltsstoffe enthalten sind. Zertifizierung ist ein kostenpflichtiger, freiwilliger Prozess — kleinere Marken, insbesondere Nischen- oder Manufakturmarken, verzichten aus Kostengründen oft darauf, obwohl ihre Formel zu 100 % vegane Kriterien erfüllt.

In diesem Fall bleibt nur die eigenständige Prüfung der INCI-Liste. Typische „versteckte” tierische Inhaltsstoffe sind: Lanolin, Collagen, Keratin (ohne Zusatz „hydrolyzed vegetable”), Carmine (ein Farbstoff aus Insekten, häufig in Lippenstiften und Rouges), Honey, Beeswax/Cera Alba, Squalane ohne Vermerk „vegetable” oder „olive-derived” sowie Glycerin tierischen Ursprungs (heute stammt der Großteil des kosmetischen Glycerins allerdings aus pflanzlicher oder synthetischer Herstellung).

Verwechslungsgefahr mit Naturkosmetik — COSMOS ist eine völlig andere Garantie

Ein grünes Blatt, eine ökologische Verpackung und das Wort „natural” auf dem Etikett wecken bei Verbraucherinnen und Verbrauchern eine Assoziation zum Vegan-Siegel — ein irreführender Zusammenhang. Zertifikate für Natur- und Bio-Kosmetik wie COSMOS (umfasst unter anderem die Standards Ecocert und BDIH) oder NATRUE prüfen völlig andere Parameter: Herkunft der Rohstoffe (natürlich oder natürlichen Ursprungs), Anteil biologischer Inhaltsstoffe, zulässige Verarbeitungsmethoden und Einschränkungen bei synthetischen Konservierungsstoffen oder Silikonen.

Ein als natürlich oder biologisch zertifiziertes Produkt muss keineswegs vegan sein — es kann Honig, Ziegenmilch, Lanolin oder Bienenwachs enthalten, die vollständig „natürlich”, aber nicht mit der veganen Definition vereinbar sind. Umgekehrt kann ein synthetisches, auf laborhergestellten Inhaltsstoffen basierendes Produkt völlig frei von tierischen Rohstoffen und formal vegan sein, ohne jeden Bezug zur Naturkosmetik.

Wie man Greenwashing und Siegel-Missbrauch erkennt

Missbrauch in diesem Bereich folgt meist einem von mehreren wiederkehrenden Mustern. Das erste ist eine Grafik, die einem offiziellen Siegel ähnelt (z. B. eine Hasen-Silhouette oder der Schriftzug „cruelty-free” in ähnlicher Schrift), die aber kein lizenziertes Logo einer Zertifizierungsorganisation ist, sondern eine eigene Kennzeichnung der Marke ohne externe Prüfung.

Das zweite Muster ist die Aussage „wir testen nicht an Tieren” ohne Bezug auf Rohstofflieferanten — die Marke testet das fertige Produkt vielleicht tatsächlich nicht, kauft aber Inhaltsstoffe von Firmen, die für andere regulatorische Zwecke Tierversuche durchführen. Das dritte Muster ist die selektive Zertifizierung einer einzelnen Produktlinie, während der Rest des Markenportfolios dieselben Kriterien nicht erfüllt, was oft so kommuniziert wird, als gelte es für die gesamte Marke.

Am zuverlässigsten lässt sich der Status über die Lizenznummer oder den Markennamen in der offiziellen Datenbank der Zertifizierungsorganisation prüfen (V-Label und PETA führen öffentlich zugängliche Suchmasken), statt sich allein auf die Grafik auf der Verpackung zu verlassen.

Praktische Checkliste vor dem Kauf

Um den tatsächlichen Status eines Produkts zu prüfen, lohnt sich eine feste Reihenfolge von Schritten. Erstens: prüfen, ob das Siegel auf der Verpackung dem echten Logo von V-Label oder PETA entspricht und nicht einer markeneigenen Grafik. Zweitens: Lizenznummer oder Markenname in der offiziellen Datenbank der Organisation verifizieren.

Drittens: Fehlt ein Siegel, die INCI-Liste selbst auf die oben genannten typischen tierischen Inhaltsstoffe prüfen. Viertens: bedenken, dass ein Vegan-Zertifikat nichts darüber aussagt, ob ein Produkt natürlich, biologisch oder hypoallergen ist — das sind eigenständige Bewertungskategorien, die unabhängig voneinander geprüft werden sollten, je nachdem, was beim eigenen Kosmetikkauf tatsächlich Priorität hat.

FAQ

Nein. Vegan betrifft die Zusammensetzung (keine tierischen Rohstoffe), cruelty-free betrifft Tierversuche. Ein Produkt kann vegan sein, während seine Inhaltsstoffe von einem Zulieferer an Tieren getestet wurden.

Weil chinesische Vorschriften über Jahre Tierversuche für stationär verkaufte Kosmetik verlangten. Eine im Westen als cruelty-free deklarierte Marke konnte solchen Tests unterliegen, wenn sie physisch in China verkauft.

Nein. Die Zertifizierung ist kostenpflichtig und freiwillig, daher tragen viele vollständig vegane Produkte, besonders von kleineren Marken, kein offizielles Siegel.

V-Label prüft ausschließlich das Fehlen tierischer Rohstoffe. COSMOS und ähnliche Zertifikate bewerten Herkunft und Anteil natürlicher oder biologischer Inhaltsstoffe sowie zulässige Verarbeitungsmethoden — eine völlig andere Kriterienkategorie.

Am sichersten ist die Suche nach Markenname oder Lizenznummer in der offiziellen Datenbank der Zertifizierungsorganisation, etwa auf der Website von V-Label oder PETA, statt sich nur auf die Grafik zu verlassen.

Am häufigsten sind Lanolin, Kollagen, tierisches Keratin, Karmin, Honig, Bienenwachs sowie Squalen ohne Vermerk zu pflanzlicher Herkunft.

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