Premium
Augen und Brauen • 7 min Min. Lesezeit

Lidschatten: Mica, Talkum, Karmin — welche Inhaltsstoffe sind sicher für deine Augen?

Mica, Talkum, Eisenoxide, Karmin — wir analysieren die Zusammensetzung von Lidschatten. Gepresst vs. lose, Inhalationsrisiko, vegane Aspekte.

Veröffentlicht: 2025-04-10 • Aktualisierung: 2025-12-24

Lidschatten gehört zu den ältesten Kosmetika der Geschichte — die alten Ägypter trugen schon vor 4000 Jahren Malachit und Bleiglanz auf die Lider auf. Moderne Formulierungen sind weitaus sicherer, doch die INCI-Liste eines Lidschattens kann mehrere Dutzend Positionen umfassen. In diesem Ratgeber erklären wir, was sich hinter den wichtigsten Inhaltsstoffen verbirgt und worauf du bei empfindlichen Augen achten solltest.

Mica (CI 77019): die Basis des Glanzes

Mica (Glimmer) ist ein Aluminium-Kalium-Silikat — ein Mineral mit natürlich plättchenförmiger Struktur, das Licht reflektiert und so einen Shimmer- und Satin-Effekt erzeugt. Es ist die Grundlage nahezu jedes glänzenden Lidschattens.

Sicherheit von Mica

Aus toxikologischer Sicht ist Mica einer der sichersten Inhaltsstoffe in der dekorativen Kosmetik. Es dringt nicht in die Haut ein, wird nicht verstoffwechselt und zeigt in klinischen Tests weder eine allergisierende noch eine reizende Wirkung. Die CIR (Cosmetic Ingredient Review) bestätigte seine Sicherheit 2003 (mit einer erneuten Bewertung 2015).

Das Problem mit Mica ist ethischer, nicht toxikologischer Natur — ein erheblicher Teil der weltweiten Mica-Produktion stammt aus Indien und Madagaskar, wo Kinderarbeit in den Minen dokumentiert wurde. Wähle Marken, die sich zur „Responsible Mica Initiative" bekennen, oder synthetischen Glimmer (Fluorphlogopite).

Talkum: sicher oder nicht?

Talkum (Talc, CI 77718) ist das weichste Mineral der Mohs-Skala — ein wasserhaltiges Magnesiumsilikat. Es bildet die Basis der meisten gepressten Lidschatten und verleiht ihnen Geschmeidigkeit und Haftung auf der Haut. Die Kontroversen um Talkum betreffen zwei Aspekte:

Talkum und Asbest

In der Natur können Talkumvorkommen an Asbestvorkommen (Chrysotil) angrenzen. Historisch gab es Fälle, in denen kosmetisches Talkum mit Asbestfasern verunreinigt war — der bekannteste Fall ist Johnson & Johnson und sein Babypuder. Allerdings:

  • Die Verordnung (EG) 1223/2009 verlangt, dass kosmetisches Talkum asbestfrei ist
  • Hersteller setzen Prüfverfahren (XRD, PLM, TEM) ein, um Verunreinigungen auszuschließen
  • Die IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung) stuft asbestfreies Talkum als „not classifiable as to carcinogenicity" (Gruppe 3) ein — es gibt also keine ausreichenden Belege für eine krebserregende Wirkung

Talkum in Lidschatten renommierter europäischer Hersteller ist sicher. Wenn du es dennoch meiden möchtest, suche nach Formulierungen auf Basis von Mica oder synthetischem Fluorphlogopit — finde sie in PurScore.

Eisenoxide: die Dreifaltigkeit der Farben

Eisenoxide sind die Arbeitspferde der dekorativen Kosmetik. Drei Varianten ergeben eine breite Palette an Farbtönen:

CI-NummerChemischer NameFarbeAnwendung
CI 77491Eisen(III)-oxid — Fe₂O₃RotWarme Brauntöne, Burgunder, Korallen
CI 77492Eisen(III)-oxid — FeO(OH)GelbGoldtöne, Beige, Hauttöne
CI 77499Eisen(II,III)-oxid — Fe₃O₄SchwarzSchwarztöne, dunkle Grautöne, Smoky Eyes

Eisenoxide werden synthetisiert (nicht abgebaut), was Reinheit und Farbkonsistenz garantiert. Sie sind außergewöhnlich stabil, dringen nicht ein und wirken nicht allergisierend. Sie gehören zu den am besten verträglichen Pigmenten — in der EU ohne Konzentrationsbeschränkung für Augenprodukte zugelassen.

Gepresst vs. lose: die Frage der Inhalation

Der Unterschied zwischen gepressten und losen Lidschatten ist nicht nur eine Frage der Anwendung, sondern auch der Sicherheit:

Gepresste Lidschatten (pressed)

Die Pigmente sind durch Bindemittel (Dimethicone, Octyldodecanol, Zinc Stearate) gebunden, die die Partikel zusammenhalten. Das Inhalationsrisiko ist minimal — das Pulver wirbelt beim Auftragen nicht in die Luft.

Lose Lidschatten (loose)

Lose Partikel wirbeln beim Auftragen mit dem Pinsel leicht auf. Das Problem betrifft vor allem Mica und Talkum — ihre feinen Fraktionen (unter 10 μm) können bis in die unteren Atemwege gelangen. Regelmäßiges, jahrelanges Einatmen von Mineralstaub ist für die Lunge nicht unbedenklich.

Praktische Empfehlungen:

  • Trage lose Lidschatten mit der Nasstechnik (angefeuchtetem Pinsel) auf — das reduziert das Stäuben drastisch
  • Vermeide es, auf den Pinsel zu pusten, um überschüssiges Produkt zu entfernen
  • Menschen mit Asthma sollten ausschließlich gepresste oder cremige Formulierungen wählen

Karmin (CI 75470): intensives Rot mit ethischem Problem

Karmin ist ein natürliches Pigment, das aus den Weibchen der Kaktusschildlaus (Dactylopius coccus) gewonnen wird — einem Insekt, das auf Feigenkakteen lebt. Für die Herstellung von 1 kg Karmin werden etwa 70.000 Insekten benötigt. Karmin liefert ein intensives, stabiles Rot, das synthetisch nur schwer nachzubilden ist.

Sicherheit

Karmin ist für die meisten Menschen sicher, kann jedoch allergische Reaktionen auslösen, in seltenen Fällen sogar eine Anaphylaxie. Menschen mit einer Insektenallergie sollten es meiden. In der INCI erscheint es als Carmine, CI 75470 oder manchmal als Cochineal Extract.

Veganer Aspekt

Karmin ist ein Inhaltsstoff tierischen Ursprungs — als vegan gekennzeichnete Lidschatten dürfen es nicht enthalten. Alternativen sind Red 40 (CI 16035, ein synthetischer Azofarbstoff) oder Red Iron Oxide (CI 77491). Prüfe in der PurScore-Datenbank, ob deine Lieblings-Lidschatten Karmin enthalten.

Worauf du beim Kauf von Lidschatten achten solltest

  1. Empfindliche Augen? — suche nach Formulierungen ohne Talkum, mit Mica und Eisenoxiden als Basis
  2. Veganerin? — prüfe die INCI-Liste auf CI 75470 (Karmin)
  3. Asthma? — wähle gepresste oder cremige Produkte, niemals lose
  4. Kontaktlinsen? — meide stark glitzernde Formulierungen mit großen Glitter-Partikeln, die die Linsen beschädigen können

Du musst dir nicht alle CI-Nummern merken — suche das Produkt in PurScore, und wir prüfen automatisch jeden Inhaltsstoff und warnen dich vor möglichen Problemen.

FAQ

Asbestfreies Talkum wird von der IARC in Gruppe 3 eingestuft — es gibt keine ausreichenden Belege für eine krebserregende Wirkung. Kosmetisches Talkum muss in der EU gemäß der Verordnung (EG) 1223/2009 asbestfrei sein.

Vegane Alternativen sind synthetische Farbstoffe (Red 40, CI 16035) oder rotes Eisenoxid (CI 77491). Prüfe die INCI-Liste auf Carmine oder CI 75470.

Das Risiko betrifft das Einatmen feiner Partikel von Mica und Talkum. Trage sie mit der Nasstechnik (angefeuchtetem Pinsel) auf und vermeide es, auf den Pinsel zu pusten — das reduziert das Stäuben drastisch.

Mehr solche Artikel?

Trage dich in unseren Newsletter ein — kostenlose Tipps zu Kosmetikinhaltsstoffen, wöchentlich.

Daten geschützt gemäß Datenschutzrichtlinie.

Produkte prüfen

Suchst du Kosmetik zu diesem Thema? Vergleiche Inhaltsstoffe und Preise auf PurScore.

0 Produkte