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Spezialkosmetik • 7 min Min. Lesezeit

Fermentierte Inhaltsstoffe in Kosmetik — der koreanische Trend unter der Lupe der Wissenschaft

Galactomyces, Saccharomyces, Bifida Ferment Lysate — was bewirkt die Fermentation wirklich bei Kosmetik-Inhaltsstoffen? Der K-Beauty-Trend wissenschaftlich analysiert.

Veröffentlicht: 2026-04-18 • Aktualisierung: 2026-04-18

Fermentation — eine uralte Technik in der modernen Creme

Die Fermentation begleitet die Menschheit seit Tausenden von Jahren — vom Einlegen von Sauerkraut bis zum Bierbrauen. In der koreanischen Kosmetik (K-Beauty) tauchten fermentierte Inhaltsstoffe in den 1990er-Jahren in großem Stil auf, und einen wahren Popularitätsschub erlebten sie nach 2010, als die westlichen Märkte die asiatischen Pflegerituale für sich entdeckten.

Doch die kosmetische Fermentation ist nicht dasselbe wie das Einlegen von Gurken. Es handelt sich um einen kontrollierten biotechnologischen Prozess, bei dem Mikroorganismen (Hefen, Bakterien) organische Substrate abbauen und in neue bioaktive Verbindungen umwandeln. Die Frage lautet: Verbessern diese Umwandlungen die kosmetischen Eigenschaften tatsächlich?

Die Stars der Fermentation — wer ist wer in der INCI?

In den Inhaltsstofflisten von K-Beauty-Kosmetik begegnen dir am häufigsten drei Familien fermentierter Inhaltsstoffe:

Galactomyces Ferment Filtrate (GFF)

Dabei handelt es sich um das Filtrat nach der Fermentation mit Galactomyces-Hefen — denselben Mikroorganismen, die auch bei der Herstellung von Sake zum Einsatz kommen. Die Geschichte der kosmetischen Anwendung geht auf die Beobachtung zurück, dass die Arbeiterinnen in japanischen Sake-Brauereien trotz fortgeschrittenen Alters außergewöhnlich glatte Hände hatten.

GFF enthält Vitamine der B-Gruppe, Aminosäuren, Peptide, organische Säuren und Enzyme. Das Flaggschiffprodukt mit diesem Inhaltsstoff ist die SK-II Facial Treatment Essence, deren Kern eben Pitera ausmacht (der patentierte Name für GFF).

Saccharomyces Ferment Filtrate

Wird aus Bäckerhefe (Saccharomyces cerevisiae) gewonnen. Reich an Beta-Glucanen, Aminosäuren und Vitaminen. Wird von Marken wie Missha (Linie Time Revolution) eingesetzt. Der Wirkmechanismus ähnelt dem von GFF — Unterstützung der Hautbarriere und Feuchtigkeitsversorgung.

Bifida Ferment Lysate

Ein Lysat von Bifidus-Bakterien — denselben, die wir aus probiotischen Joghurts kennen. In der Kosmetik wird es seit den 1990er-Jahren von Estée Lauder (Advanced Night Repair) verwendet. Es zählt zu den am besten untersuchten fermentierten Inhaltsstoffen in der Kosmetik, mit Belegen für eine schützende Wirkung gegen oxidativen Stress und UV-Strahlung.

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Was bewirkt die Fermentation tatsächlich an einem Inhaltsstoff?

Das ist die entscheidende Frage, die das Marketing nur selten präzise erklärt. Die Fermentation führt mehrere wesentliche Veränderungen herbei:

  1. Abbau großer Moleküle in kleinere — Proteine werden in Peptide und Aminosäuren zerlegt, Polysaccharide in Oligosaccharide. Theoretisch dringen kleinere Moleküle leichter in die Haut ein.
  2. Bildung neuer bioaktiver Verbindungen — der Stoffwechsel der Mikroorganismen erzeugt organische Säuren, Enzyme, Vitamine und Antioxidantien, die im Ausgangssubstrat nicht vorhanden waren.
  3. Absenkung des pH-Werts — die Fermentation säuert das Produkt auf natürliche Weise an, was für die Haut vorteilhaft sein kann (der optimale pH-Wert der Haut liegt bei 4,5–5,5).
  4. Eliminierung reizender Substanzen — die Fermentation kann potenzielle Allergene und Reizstoffe abbauen, die im pflanzlichen Rohstoff enthalten sind.

Der Stand der wissenschaftlichen Belege — was wissen wir sicher?

Fermentierte Inhaltsstoffe verfügen über eine — gemessen an den Standards der Kosmetikbranche — verhältnismäßig gute wissenschaftliche Basis, doch man sollte die Verhältnisse wahren:

  • Bifida Ferment Lysate — am besten untersucht. Studien (darunter auch unabhängige) bestätigen eine schützende und regenerierende Wirkung. Evidenzgrad: mäßig bis hoch.
  • Galactomyces Ferment Filtrate — mehrere klinische Studien, finanziert von P&G (dem Eigentümer von SK-II), deuten auf eine Verbesserung der Hautausstrahlung und eine Reduzierung von Pigmentflecken hin. Evidenzgrad: mäßig, jedoch durch einen Interessenkonflikt belastet.
  • Saccharomyces — geringere Datenbasis. In-vitro-Studien bestätigen eine antioxidative Aktivität, doch klinische Daten sind spärlich.

Generell gilt: Fermentierte Inhaltsstoffe sind keine Wundermittel, doch sie verfügen über ein solideres wissenschaftliches Fundament als viele modische „Superfoods“ in der Kosmetik.

Ist fermentiert = besser als unfermentiert?

Eine Frage, auf welche die K-Beauty-Branche mit einem begeisterten „Ja!“ antwortet, während die Wissenschaft vorsichtiger ist. Die wichtigsten Einschränkungen:

  • Nicht jede Fermentation verbessert den Rohstoff — der Effekt hängt vom Mikroorganismenstamm, dem Substrat, den Bedingungen und der Fermentationsdauer ab. Derselbe Apfel, mit verschiedenen Stämmen fermentiert, liefert völlig unterschiedliche Ergebnisse.
  • Direkte Vergleiche sind selten — es fehlen Studien, die denselben Inhaltsstoff in fermentierter und unfermentierter Form an derselben Gruppe vergleichen.
  • Der Marketing-Effekt — das Wort „fermentiert“ klingt gleichzeitig wissenschaftlich und natürlich, was es zum idealen Marketinginstrument macht, unabhängig vom tatsächlichen Mehrwert.

Mehr darüber, wie man natürliche von synthetischen Inhaltsstoffen unterscheidet und ihren Wert beurteilt, liest du in unserem Ratgeber zu natürlichen und synthetischen Inhaltsstoffen.

Mögliche Probleme — bei wem könnten fermentierte Inhaltsstoffe nicht wirken?

  • Haut mit seborrhoischem Hefepilzbefall — hefereiche Produkte (Saccharomyces, Galactomyces) könnten Pilzerkrankungen theoretisch verschlimmern. Das ist eine verbreitete Theorie in der „Fungal-Acne“-Community, auch wenn die direkten Belege begrenzt sind.
  • Histaminempfindlichkeit — die Fermentation kann den Histamingehalt erhöhen, was bei Menschen mit Histaminintoleranz Rötungen auslösen kann.
  • Hefeallergien — Personen mit einer bestätigten Hefeallergie sollten Vorsicht walten lassen.

Wie wählt man klug aus?

Wenn du fermentierte Inhaltsstoffe in deine Pflegeroutine aufnehmen möchtest:

  1. Beginne mit Bifida Ferment Lysate — am besten untersucht, gut verträglich, in vielen Preisklassen erhältlich.
  2. Prüfe die Position in der INCI — der fermentierte Inhaltsstoff sollte in der ersten Hälfte der Inhaltsstoffliste stehen, andernfalls ist seine Konzentration wahrscheinlich unbedeutend. Nutze die PurScore-Inhaltsstoffdatenbank zur Analyse.
  3. Zahle nicht allein für „fermentiert“ als einzigen Verkaufsgrund — entscheidend ist die gesamte Formulierung, nicht ein einzelner Inhaltsstoff.
  4. Teste auf einer kleinen Fläche — besonders dann, wenn du zu Hautpilzerkrankungen neigst.

Fazit

Fermentierte Inhaltsstoffe in Kosmetik gehören zu den besser begründeten K-Beauty-Trends. Sie sind keine Wunderlösung, doch der Fermentationsprozess kann die Bioverfügbarkeit der Inhaltsstoffe tatsächlich erhöhen, neue aktive Verbindungen schaffen und die Verträglichkeit des Produkts verbessern. Der Schlüssel liegt in einer vernünftigen Herangehensweise — suche nach konkreten, gut untersuchten Inhaltsstoffen (Bifida Ferment Lysate, GFF) und nicht nach dem allgemeinen Schlagwort „fermentiert“ auf der Verpackung.

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FAQ

Theoretisch ja — Produkte, die reich an Hefefiltraten (Galactomyces, Saccharomyces) sind, können den Malassezia-Pilzen, die für die sogenannte Fungal Acne verantwortlich sind, Nahrung liefern. Wenn du eine pilzbedingte Ursache deiner Hautprobleme vermutest, meide diese Inhaltsstoffe und konsultiere einen Dermatologen.

Beides sind Filtrate nach einer Hefefermentation, stammen jedoch von unterschiedlichen Stämmen. Galactomyces verfügt über eine etwas bessere Datenbasis im Hinblick auf das Aufhellen von Pigmentflecken, während Saccharomyces häufiger auf seine antioxidative Aktivität untersucht wird. In der Praxis ist ihre Wirkung ähnlich.

Nein. Die fermentierten Inhaltsstoffe, die Kosmetika zugesetzt werden, sind bereits verarbeitete Filtrate oder Lysate — sie enthalten keine aktiven Mikroorganismen. Sie unterliegen der üblichen Konservierung und haben eine für Kosmetik typische Haltbarkeit (12–36 Monate).

Davon raten wir entschieden ab. Die professionelle kosmetische Fermentation findet unter kontrollierten Laborbedingungen mit reinen Kulturen von Mikroorganismen statt. Die Fermentation zu Hause birgt das Risiko einer Kontamination mit pathogenen Bakterien und Pilzen, was zu schweren Hautinfektionen führen kann.

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