Premium
Inhaltsstoffe in der täglichen Pflege • 7 min Min. Lesezeit

Mandelsäure — die sanfteste der AHA-Säuren. Warum empfehlen Dermatologen sie für empfindliche Haut?

Mandelsäure (152 Da) dringt langsamer ein als Glykolsäure und eignet sich ideal bei Rosazea. Erfahren Sie mehr über wirksame Konzentrationen und pH-Werte.

Veröffentlicht: 2024-04-26 • Aktualisierung: 2025-03-17

Auf der INCI-Liste erscheint sie als Mandelic Acid — eine aus bitteren Mandeln gewonnene Alpha-Hydroxysäure, die sich in den letzten Jahren in dermatologischen Praxen den Ruf einer „sanften Revolutionärin" erworben hat. Was bringt Dermatologen dazu, sie selbst bei Patienten mit Rosazea einzusetzen, während Glykolsäure bei ihnen Rötungen und Brennen auslösen würde?

Die Molekülgröße — der Schlüssel zur Sanftheit

Mandelsäure hat eine Molekülmasse von 152,15 Da (Dalton). Zum Vergleich: Glykolsäure wiegt gerade einmal 76,05 Da und Milchsäure 90,08 Da. Diese auf den ersten Blick nüchterne Zahl hat eine grundlegende klinische Bedeutung. Das größere Molekül dringt langsamer in die Oberhaut ein, was eine gleichmäßigere Wirkungsverteilung und ein geringeres Risiko punktueller Reizungen bedeutet.

Eine im Indian Journal of Dermatology (2013) veröffentlichte Studie zeigte, dass ein Peeling mit 40 % Mandelsäure bei der Reduktion von Pigmentflecken vergleichbare Ergebnisse erzielte wie Peelings mit 30 % Glykolsäure — jedoch mit deutlich weniger Nebenwirkungen, darunter ein geringerer Anteil an Reizungen und postinflammatorischen Hyperpigmentierungen (PIH).

Optimaler pH-Wert und Konzentration — wann wirkt die Säure wirklich?

Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel sollten AHA-Säuren in Produkten für den Heimgebrauch einen pH-Wert von nicht unter 3,5 aufweisen. In der Praxis arbeiten wirksame Mandelsäure-Formulierungen im pH-Bereich von 3,0–4,0 — wobei Präparate für die professionelle Anwendung in der Praxis darunter liegen können.

Die Konzentrationen lassen sich in drei Kategorien einteilen:

  • 5–10 % — tägliche Pflege zu Hause; ideal für den Einstieg bei Personen, die noch nie Säuren angewendet haben.
  • 20–30 % — oberflächliche Peelings im Kosmetikstudio.
  • 40–50 % — professionelle dermatologische Peelings, die eine Neutralisierung erfordern.

Es ist wichtig zu bedenken, dass allein die Konzentration nicht über die Wirksamkeit entscheidet. Eine Formulierung mit pH 5,0 und 10 % Mandelsäure ist als Exfoliant praktisch wirkungslos, da bei höherem pH-Wert die meisten Moleküle in dissoziierter (ionisierter) Form vorliegen, die die Hornschicht der Oberhaut nicht durchdringt.

Mandelsäure vs. Glykolsäure vs. Milchsäure — Vergleichstabelle

ParameterMandelsäureGlykolsäureMilchsäure
Molekülmasse152 Da76 Da90 Da
PenetrationsgeschwindigkeitLangsamSchnellMäßig
Wirkung auf MelaninJa (Tyrosinase-Hemmung)BegrenztJa (schwächer)
Sicherheit bei CouperoseHochNiedrigMäßig
LipidlöslichkeitTeilweise (amphiphil)KeineKeine
Wirksamkeit bei AkneHoch (bakteriostatisch)MäßigMäßig

Eine einzigartige Eigenschaft: Amphiphilie

Mandelsäure ist die einzige AHA-Säure mit amphiphilen Eigenschaften — sie löst sich sowohl in Wasser als auch teilweise in Lipiden. Damit bildet sie eine Art Brücke zwischen den (hydrophilen) AHA-Säuren und den BHA, also der (lipophilen) Salicylsäure. Dadurch durchdringt sie nicht nur die wässrige Schicht der Oberhaut, sondern erreicht auch die Ausführungsgänge der Talgdrüsen, was ihre Wirksamkeit bei der Reduktion von Mitessern erklärt.

Hemmung der Melanogenese — nicht nur Peeling

Den wenigsten ist bewusst, dass Mandelsäure direkt in den Syntheseweg des Melanins eingreift. In-vitro-Studien (Zheng et al., 2015) zeigten, dass sie die Aktivität des Enzyms Tyrosinase hemmt — eines zentralen Katalysators im Prozess der Melanogenese. In der Praxis bedeutet dies, dass die regelmäßige Anwendung von Mandelsäure-Präparaten Sonnen- und postakneische Pigmentflecken reduzieren kann, ohne das Risiko von Depigmentierungen, das beispielsweise mit Hydrochinon einhergeht.

In der CosIng-Datenbank der Inhaltsstoffe ist Mandelsäure mit der Funktion „skin conditioning" gelistet — ihr tatsächliches Potenzial reicht jedoch weit über die einfache Pflege hinaus.

Die ideale Haut für Mandelsäure

Dieser Inhaltsstoff wird besonders Personen empfohlen, die:

  • An Rosazea leiden — Typ I und II, bei denen andere AHA-Säuren Schübe auslösen.
  • Dunklere Haut haben (Hauttyp III–VI nach Fitzpatrick), die anfällig für postinflammatorische Hyperpigmentierungen ist.
  • Zum ersten Mal AHA-Säuren anwenden und eine „Einsteiger-Säure" benötigen.
  • Mit melasmatischen Pigmentflecken zu kämpfen haben, die auf eine Standardtherapie nicht ansprechen.

Wie führt man Mandelsäure in die Routine ein?

Beginnen Sie mit einem Präparat mit einer Konzentration von 5 % und einem pH-Wert unter 4,0 — wenden Sie es abends an, zweimal pro Woche. Nach zwei Wochen ohne Reizungen steigern Sie die Anwendung auf jeden zweiten Abend. Kombinieren Sie es nicht in derselben Anwendung mit Retinoiden oder Vitamin C in Form von L-Ascorbinsäure (ein zu niedriger pH-Wert in Verbindung mit einer sauren AHA-Säure birgt die Gefahr einer Schädigung der Hautbarriere).

Prüfen Sie vor dem Kauf die vollständige Zusammensetzung des Produkts. Viele als „mit Mandelsäure" beworbene Präparate enthalten sie am Ende der INCI-Liste, also in einer Menge unter 1 % — zu wenig, um eine peelende Funktion zu erfüllen. Lesen Sie unseren Leitfaden zur INCI-Liste, um zu wissen, worauf Sie achten müssen.

Prüfen Sie die Inhaltsstoffe Ihres Kosmetikprodukts →

FAQ

Ja, aber mit obligatorischem Sonnenschutz LSF 50. Dank ihrer langsameren Penetration ist Mandelsäure im Sommer sicherer als Glykolsäure, dennoch erhöht sie weiterhin die Lichtempfindlichkeit der Haut. Wenden Sie sie abends an und tragen Sie morgens einen Sonnenschutzfilter auf.

Salicylsäure (BHA) ist vollständig lipophil und reinigt die Poren von innen besser. Mandelsäure ist amphiphil — sie wirkt sowohl an der Hautoberfläche als auch teilweise in den Poren, hemmt aber zusätzlich die Melanogenese, was bei der Reduktion von Aknenarben-Flecken hilft.

Sie ist eine der wenigen AHA-Säuren, die bei Rosazea Typ I und II empfohlen werden. Ihr großes Molekül (152 Da) minimiert Reizungen und löst keine plötzlichen Rötungen aus, wie sie für Glykolsäure typisch sind.

Der optimale pH-Wert liegt bei 3,0–4,0. Präparate mit einem pH-Wert über 4,5 haben eine deutlich eingeschränkte Peelingwirkung, da die Säure in die dissoziierte Form übergeht, die die Hornschicht der Oberhaut nicht durchdringt.

Mehr solche Artikel?

Trage dich in unseren Newsletter ein — kostenlose Tipps zu Kosmetikinhaltsstoffen, wöchentlich.

Daten geschützt gemäß Datenschutzrichtlinie.

Produkte prüfen

Suchst du Kosmetik zu diesem Thema? Vergleiche Inhaltsstoffe und Preise auf PurScore.

0 Produkte