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Nägel und Hände • 7 min Min. Lesezeit

Nagellack 5-free, 7-free, 10-free — was bedeuten diese Zahlen und ergeben sie Sinn?

Toxic Trio, 5-free, 7-free, 10-free und sogar 21-free — wir nehmen das Marketing rund um Nagellacke auseinander. Welche Stoffe schaden wirklich, welche Verbote sind leere Werbung?

Veröffentlicht: 2025-11-17 • Aktualisierung: 2025-12-03

In den Drogerieregalen übertrumpfen sich Nagellacke gegenseitig mit Zahlen: 5-free, 7-free, 10-free, und manche Marken greifen sogar zur Kennzeichnung 21-free. Für die Verbraucherin klingt das wie eine Sicherheitsgarantie — je höher die Zahl, desto besser. Aber stimmt das wirklich? Um diese Frage zu beantworten, muss man von vorne anfangen: bei den Stoffen, die tatsächlich begründete Bedenken auslösten.

Toxic Trio — die drei Stoffe, mit denen alles begann

Der Begriff „Toxic Trio" tauchte in den 2000er-Jahren auf, als Verbraucherorganisationen auf drei in Nagellacken weit verbreitete Inhaltsstoffe aufmerksam machten:

  • Toluol — ein Lösungsmittel, das für einen gleichmäßigen Auftrag sorgt. Eine chronische berufliche Exposition (z. B. im Salon ohne Belüftung) wird mit Kopfschmerzen, Reizungen der Atemwege und einer potenziell neurotoxischen Wirkung in Verbindung gebracht. Die ECHA stuft es als reproduktionstoxischen Stoff der Kategorien 2 ein.
  • Formaldehyd — ein Härter, der die Haltbarkeit der Lackschicht verbessert. Die IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung) hat ihn in Gruppe 1 eingestuft — ein beim Menschen bestätigtes Karzinogen. In Nagellacken wurde er in Konzentrationen bis zu 5 % verwendet, was bei regelmäßigem Kontakt das Nagelbett sensibilisieren und reizen kann.
  • DBP (Dibutylphthalat) — ein Weichmacher, der Elastizität verleiht. Es wirkt als endokriner Disruptor — in Tierversuchen störte es bei pränataler Exposition den Hormonhaushalt. Die EU begrenzt seine Konzentration in Kosmetika auf 0,001 %.

Ein als 3-free gekennzeichneter Nagellack enthält keinen dieser drei Stoffe. Das war der erste Schritt — und man muss zugeben, dass er wissenschaftlich begründet war.

Von 5-free zu 7-free — eine sinnvolle Erweiterung

Die 5-free-Formel verzichtet zusätzlich auf:

  • Campher — kann in hohen Konzentrationen allergische Reaktionen auslösen und ist beim Einatmen potenziell toxisch.
  • Formaldehydharz (Tosylamid/Formaldehyd) — ein Formaldehyd-Derivat, ein starkes Kontaktallergen; es ist für einen erheblichen Teil der Kontaktdermatitiden rund um die Nägel verantwortlich.

In der 7-free-Variante kommen noch hinzu:

  • Xylol — ein reizend wirkendes Lösungsmittel mit einem dem Toluol ähnlichen Profil.
  • Ethyltosylamid — ein filmbildendes Mittel, das aufgrund seiner synthetischen Herkunft aus Sulfonamiden für Kontroversen sorgte (auch wenn die Belege für seine Schädlichkeit schwach sind).

Bis zu diesem Punkt hat die Verbotsliste noch eine Grundlage in toxikologischen Daten — auch wenn nicht jeder dieser Stoffe gleich problematisch ist.

10-free, 15-free, 21-free — der Punkt, an dem das Marketing die Kontrolle übernimmt

Je weiter man geht, desto mehr Stoffe landen auf der Liste der „Verbotenen" — doch viele von ihnen werden ohnehin nicht in Nagellacken verwendet oder sind bereits durch EU-Recht reguliert. Beispiele aus den Listen 10-free und höher:

  • Parabene — in Cremes beliebte Konservierungsstoffe, in klassischen Nagellacken jedoch praktisch nicht anzutreffen (Nagellack benötigt im herkömmlichen Sinne keine mikrobiologische Konservierung).
  • Gluten — wird nicht über die Nagelplatte aufgenommen, daher ist sein Vorhandensein oder Fehlen dermatologisch ohne Bedeutung.
  • Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs — das ist eine ethische und keine toxikologische Frage und vermischt zwei verschiedene Themen.

Eine in Contact Dermatitis (2019) veröffentlichte Studie zeigte, dass viele Marken, die die Kennzeichnung 10-free verwenden, die ausgeschlossenen Stoffe durch Inhaltsstoffe mit einem noch schlechter erforschten Sicherheitsprofil ersetzen. Mit anderen Worten: Das Entfernen eines bekannten Stoffes bedeutet nicht automatisch, dass der Ersatz sicherer ist.

Was sagt das EU-Recht?

Die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel verbietet oder reguliert bereits streng die meisten Stoffe, mit denen die „free"-Etiketten Angst machen. Freies Formaldehyd ist auf 0,2 % begrenzt (als Verunreinigung in Harzen), Toluol ist als gezielter Inhaltsstoff nicht zugelassen, und DBP ist aus der legalen Produktion praktisch verschwunden.

Das bedeutet, dass ein in einer deutschen Drogerie gekaufter Nagellack — selbst ganz ohne „free"-Kennzeichnung — dieselben Sicherheitsnormen erfüllen muss. Das Etikett 10-free bietet keinen zusätzlichen rechtlichen Schutz; es liefert ein zusätzliches Marketingargument.

Worauf sollte man wirklich achten?

Statt die Zahlen auf der Verpackung zu zählen, lohnt es sich, auf konkrete Dinge zu achten:

  1. Belüftung — das größte Risiko bei Nagellacken ist das Einatmen von Lösungsmitteldämpfen. Lackieren Sie Ihre Nägel in einem gut gelüfteten Raum.
  2. Häufigkeit des Kontakts — eine Nageldesignerin, die 8 Stunden täglich arbeitet, hat ein völlig anderes Risikoprofil als jemand, der seine Nägel einmal pro Woche lackiert.
  3. Analyse der vollständigen Zusammensetzung — statt vereinfachten Etiketten zu vertrauen, prüfen Sie die INCI-Liste des Produkts in der PurScore-Inhaltsstoffdatenbank. So sehen Sie, was tatsächlich in der Formel enthalten ist und nicht nur, was darin fehlt.
  4. Ersatz-Harze und -Weichmacher — prüfen Sie, ob Ersatzstoffe (z. B. Diisodecyladipat, TPHP — Triphenylphosphat) über ausreichende Sicherheitsdaten verfügen. Lesen Sie unseren Leitfaden zur INCI-Liste, um zu wissen, wie man die Zusammensetzung interpretiert.

Fazit

Die Kennzeichnungen 3-free und 5-free hatten eine begründete toxikologische Grundlage und halfen dabei, Stoffe mit nachgewiesenem Risiko vom Markt zu verdrängen. Oberhalb dieser Grenze hat jede weitere Zahl immer weniger mit Wissenschaft und immer mehr mit Marketing zu tun. Die beste Strategie? Zählen Sie nicht, wie viele Inhaltsstoffe entfernt wurden — prüfen Sie, was stattdessen drinblieb.

Möchten Sie wissen, was wirklich in Ihrem Nagellack steckt? Geben Sie den Produktnamen in die PurScore-Suche ein und erhalten Sie eine vollständige Analyse der Zusammensetzung — ohne Marketing-Abkürzungen.

FAQ

Dafür gibt es keine eindeutigen Belege. Die zusätzlichen Stoffe auf der 10-free-Liste kommen in Nagellacken ohnehin oft nicht vor oder sind bereits durch EU-Recht reguliert. Entscheidend ist die gesamte Zusammensetzung, nicht die Zahl der Ausschlüsse allein.

Freies Formaldehyd ist als Verunreinigung auf 0,2 % begrenzt. Als gezielter Härter sollte es nicht in Konzentrationen oberhalb dieser Norm vorkommen. Produkte, die der EU-Verordnung 1223/2009 entsprechen, müssen diesen Grenzwert einhalten.

Toxic Trio ist die umgangssprachliche Bezeichnung für drei Stoffe: Toluol (Lösungsmittel), Formaldehyd (Härter) und DBP — Dibutylphthalat (Weichmacher). Ihr Ausschluss aus den Formeln war der Ursprung der Kennzeichnung 3-free.

Nein. Jeder legal in der EU verkaufte Nagellack muss die Verordnung 1223/2009 erfüllen, die die gefährlichsten Stoffe reguliert oder verbietet. Das Fehlen eines free-Etiketts bedeutet kein schlechteres Sicherheitsprofil.

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