Haaröl-Behandlung — welche Öle passen zu deiner Porosität?
Penetrierende vs. versiegelnde Öle: So passt du das Öl an deine Haarporosität an und worauf du in der INCI-Liste achten solltest.
Was ist eine Haaröl-Behandlung?
Bei der Haaröl-Behandlung werden pflanzliche Öle auf Haar und/oder Kopfhaut aufgetragen, um sie zu pflegen, mit Feuchtigkeit zu versorgen und zu schützen. Es ist eine der ältesten Pflegetechniken, die in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt — damit sie aber wirkt, muss das Öl zur Porosität der Haare passen.
Nicht jedes Öl wirkt gleich. Manche dringen in die Haarstruktur ein (penetrierende Öle), andere bilden an der Oberfläche eine Schutzschicht (versiegelnde Öle). Die Wahl hängt vom Zustand deiner Haare ab, und der Schlüssel ist das Verständnis der Porosität.
Haarporosität — was ist das?
Die Porosität beschreibt, wie stark die Schuppenschicht an der Haaroberfläche aufgerichtet ist, was die Fähigkeit beeinflusst, Feuchtigkeit aufzunehmen und zu halten:
- Niedrige Porosität — die Schuppen liegen eng an, das Haar lässt sich schwer mit Feuchtigkeit versorgen, hält sie dann aber gut. Es ist glatt und glänzend, kann aber widerspenstig und schwer zu stylen sein.
- Mittlere (normale) Porosität — die Schuppen sind leicht geöffnet, das Haar nimmt Feuchtigkeit leicht auf und hält sie. Der optimale Zustand.
- Hohe Porosität — die Schuppen stehen weit offen (oft durch chemische oder mechanische Schäden), das Haar nimmt Feuchtigkeit schnell auf, verliert sie aber ebenso schnell wieder. Es kräuselt sich, wirkt matt und ist brüchig.
Penetrierende vs. versiegelnde Öle
Penetrierende Öle
Sie dringen dank kleiner Moleküle und hoher Affinität zu Keratin tief in das Haar ein. Die wichtigsten unter ihnen:
- Kokosöl (Cocos Nucifera Oil) — das am besten erforschte penetrierende Öl, reich an Laurinsäure. Ideal für Haare mit niedriger und mittlerer Porosität. Achtung: Bei hoch porösem Haar kann es paradoxerweise zu Sprödigkeit führen.
- Olivenöl (Olea Europaea Fruit Oil) — reich an Ölsäure, dringt gut ein, ist aber schwerer als Kokosöl.
- Avocadoöl (Persea Gratissima Oil) — reich an den Vitaminen A, D und E sowie an ungesättigten Fettsäuren. Hervorragend für dickes und trockenes Haar.
- Babassuöl (Orbignya Oleifera Seed Oil) — eine leichtere Alternative zu Kokosöl mit ähnlicher Fettsäurezusammensetzung.
Versiegelnde Öle
Sie bilden auf dem Haar einen Schutzfilm, der den Feuchtigkeitsverlust verhindert. Sie dringen nicht in die Haarstruktur ein, schließen aber die Feuchtigkeit darin ein:
- Arganöl (Argania Spinosa Kernel Oil) — leicht, beschwert nicht, reich an Vitamin E und Linolsäure. Vielseitig einsetzbar.
- Jojobaöl (Simmondsia Chinensis Seed Oil) — technisch gesehen ein Wachsester und kein Öl. Die Zusammensetzung ähnelt dem menschlichen Sebum und reguliert die Talgproduktion.
- Süßmandelöl (Prunus Amygdalus Dulcis Oil) — leicht und feuchtigkeitsspendend, ideal für feines Haar.
- Leinöl (Linum Usitatissimum Seed Oil) — reich an Omega-3-Fettsäuren, glättet und verleiht Glanz.
Das richtige Öl für deine Porosität
Niedrige Porosität
Leichte penetrierende Öle: Kokosöl, Babassuöl. Trage sie auf feuchtes Haar auf — Wärme und Wasser helfen, die eng anliegenden Schuppen zu öffnen. Vermeide schwere Öle, die das Haar beschweren und es schnell fettig aussehen lassen.
Mittlere Porosität
Du hast die größte Auswahl — sowohl penetrierende als auch versiegelnde Öle eignen sich. Besonders zu empfehlen: Arganöl, Jojobaöl und Mandelöl.
Hohe Porosität
Schwerere versiegelnde Öle, die die offenen Schuppen schließen: Avocadoöl, Olivenöl, Leinöl. Du kannst ein penetrierendes Öl (zuerst) mit einem versiegelnden Öl (darüber) kombinieren — die sogenannte Schicht-für-Schicht-Methode.
Worauf solltest du in der INCI-Liste achten?
Prüfe vor dem Kauf eines Haaröls in unserer Inhaltsstoff-Datenbank, was das Produkt wirklich enthält. Im Idealfall sollte die Zusammensetzung kurz sein — nur das Öl selbst oder eine Mischung aus Ölen. Meide Produkte, bei denen die INCI-Liste von Silikonen (Dimethicone, Cyclomethicone) dominiert wird und das Öl nur am Ende als Zusatz erscheint — das ist keine echte Öl-Behandlung.
Achte auf folgende Kennzeichnungen: cold-pressed (kaltgepresst), unrefined (unraffiniert) — solche Öle behalten mehr Nährstoffe.
Wie ölt man die Haare richtig?
- Vor der Wäsche (Ölen auf trockenem Haar) — trage das Öl 30 Minuten bis einige Stunden vor der Wäsche auf trockenes Haar auf. Ein penetrierendes Öl schützt das Haar davor, beim Waschen ausgelaugt zu werden.
- Auf nasses Haar nach der Wäsche — eine kleine Menge eines leichten versiegelnden Öls schließt die Feuchtigkeit ein. Trage es auf feuchtes (nicht nasses) Haar auf.
- Auf trockene Spitzen — ein paar Tropfen Öl glätten und schützen vor dem Brechen.
Denk daran, nach dem Ölen vor der Wäsche ein passendes Shampoo zu verwenden — milde Tenside entfernen schwere Öle möglicherweise nicht vollständig.
Die häufigsten Fehler beim Ölen
- Zu viel Öl verwenden — 2–3 Tropfen auf den Spitzen reichen aus
- Hoch poröses Haar mit Kokosöl ölen — es kann das Haar verhärten
- Silikonbasierte „Öle“ statt echter pflanzlicher Öle kaufen
- Das Öl nicht mit einem passenden Shampoo auswaschen
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FAQ
Nein — Kokosöl eignet sich am besten für Haare mit niedriger und mittlerer Porosität. Bei hoch porösem Haar kann es Sprödigkeit und Trockenheit verursachen, da es das Wasser aus dem Inneren des Haares verdrängt.
Ein einfacher Test: Lege ein sauberes Haar in ein Glas Wasser. Schwimmt es an der Oberfläche — niedrige Porosität. Sinkt es langsam — mittlere. Fällt es schnell zu Boden — hohe Porosität. Der Test ist nicht zu 100 % aussagekräftig, gibt aber ein grobes Bild.
Weniger als du denkst — für Spitzen und Längen reichen je nach Länge und Dicke der Haare 2–5 Tropfen. Eine zu große Menge lässt die Haare fettig aussehen.
Ja, das ist sogar empfehlenswert — z. B. sorgt ein penetrierendes Öl in Kombination mit einem versiegelnden für eine umfassende Wirkung. Viele fertige Ölmischungen sind genau nach diesem Prinzip zusammengestellt.
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