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Haarpflege • 7 Min. Lesezeit

Proteine in Haarkosmetik – Arten, PEH-Gleichgewicht und Überproteinierung

Proteine in Haarkosmetik: Keratin, Seide, Weizen im Überblick. Was das PEH-Gleichgewicht ist und wie du eine Überproteinierung der Haare erkennst.

Veröffentlicht: 2025-12-03 • Aktualisierung: 2024-04-12

Warum sind Proteine für die Haare wichtig?

Das menschliche Haar besteht zu rund 90 % aus Keratin – einem Strukturprotein. Tägliche Tätigkeiten (Waschen, Föhnen, Kämmen), chemische Behandlungen (Färben, Dauerwelle) sowie Umweltfaktoren (UV, Chlor) schädigen diese Struktur und erzeugen Mikroschäden im Haarcortex. Proteine in Kosmetikprodukten können diese Defizite teilweise auffüllen und stärken das Haar von innen.

Doch – und das ist entscheidend – nicht jedes Haar benötigt Proteine im selben Maß. Ein Übermaß an Proteinen kann zu einer Überproteinierung führen, die sich durch Steifheit, Brüchigkeit und Trockenheit äußert. Deshalb ist das PEH-Gleichgewicht so wichtig.

Was ist das PEH-Gleichgewicht?

PEH steht für die drei Säulen der Haarpflege:

  • P – Proteine (Stärkung der Struktur)
  • E – Emollients (Geschmeidigkeit, Glättung – Öle, Buttern, Silikone)
  • H – Humectants/Feuchtigkeitsspender (Befeuchtung – Glycerin, Hyaluronsäure, Panthenol)

Gesundes Haar braucht alle drei Komponenten im richtigen Verhältnis. Geschädigtes Haar mit hoher Porosität benötigt in der Regel mehr Proteine. Gesundes Haar mit niedriger Porosität hingegen mehr Emollients und Feuchtigkeitsspender. Suche die passenden Inhaltsstoffe in unserer INCI-Datenbank.

Proteinarten in der Kosmetik – INCI-Bezeichnungen

Keratin

INCI-Bezeichnung: Hydrolyzed Keratin oder Keratin. Ein Protein, das mit dem Strukturprotein des Haares identisch ist. Die hydrolysierte Form (in kleinere Fragmente aufgespalten) dringt leichter in den Haarschaft ein. Wirksam beim Wiederaufbau geschädigter Haare, besonders nach chemischen Behandlungen.

Seidenproteine

INCI-Bezeichnung: Hydrolyzed Silk oder Silk Amino Acids. Leichter als Keratin, verleihen dem Haar Geschmeidigkeit und Glanz, ohne zu beschweren. Gut für feines und empfindliches Haar, das eine sanfte Stärkung benötigt.

Weizenproteine

INCI-Bezeichnung: Hydrolyzed Wheat Protein. Bilden auf dem Haar einen feuchtigkeitsspendenden Film, erhöhen Volumen und Elastizität. Beliebt in Shampoos und Spülungen für feines Haar. Hinweis: Menschen mit Zöliakie können auf die äußerliche Anwendung reagieren – auch wenn die Belege begrenzt sind, ist Vorsicht geboten.

Reisproteine

INCI-Bezeichnung: Hydrolyzed Rice Protein. Stärken und verleihen Volumen. Werden von den meisten Haartypen gut vertragen.

Kollagenproteine

INCI-Bezeichnung: Hydrolyzed Collagen. Große Moleküle, die hauptsächlich an der Haaroberfläche wirken. Sie spenden Feuchtigkeit und glätten, bauen die Struktur aber weniger wirksam auf als Keratin.

Milchproteine

INCI-Bezeichnung: Hydrolyzed Milk Protein oder Lactis Proteinum. Spenden Feuchtigkeit, stärken und verleihen Geschmeidigkeit. Mittlere Molekülgröße.

Die Molekülgröße ist entscheidend

Nicht alle Proteine wirken gleich, und ein entscheidender Faktor ist die Molekülgröße (Molmasse):

  • Kleine Moleküle (z. B. Aminosäuren, niedermolekulares Keratin) – dringen in den Haarcortex ein und bauen von innen auf
  • Mittelgroße Moleküle – dringen teilweise ein, wirken teilweise an der Oberfläche
  • Große Moleküle (z. B. Kollagen, nicht hydrolysierte Proteine) – bilden einen Film auf der Oberfläche, glätten, bauen die Struktur aber nicht auf

Das Schlüsselwort lautet Hydrolyzed (hydrolysiert) – es bedeutet, dass das Protein in kleinere, eindringfähige Fragmente aufgespalten wurde.

Überproteinierung – wie erkennt man sie?

Eine Überproteinierung tritt auf, wenn sich an der Oberfläche und im Inneren des Haares ein Übermaß an Protein ansammelt. Das Haar verliert seine Elastizität und wird brüchig. Symptome:

  • Das Haar ist steif wie Stroh und fühlt sich rau an
  • Erhöhte Brüchigkeit – das Haar bricht beim Kämmen
  • Fehlende Elastizität – nasses Haar dehnt sich nicht und bricht sofort
  • Mattes Aussehen trotz Befeuchtung
  • Das Haar lässt sich nicht stylen und ist unnatürlich steif

Was tun bei Überproteinierung?

  1. Setze proteinhaltige Kosmetikprodukte sofort ab
  2. Konzentriere dich auf Feuchtigkeit (Humectants) und Geschmeidigkeit (Emollients)
  3. Verwende tief feuchtigkeitsspendende Masken mit Glycerin, Aloe Vera und Honig
  4. Kehre schrittweise zu Proteinen zurück, sobald das Haar seine Elastizität zurückgewonnen hat

Wie erkennt man, ob ein Produkt Proteine enthält?

Achte in der INCI-Liste auf folgende Schlüsselwörter:

  • Hydrolyzed + Proteinname (Keratin, Silk, Wheat Protein, Rice Protein)
  • Amino Acids (Aminosäuren – die Bausteine der Proteine)
  • Protein im Namen des Inhaltsstoffs
  • Keratin, Collagen, Elastin – allein oder in hydrolysierter Form

Am schnellsten prüfst du das in unserer Kosmetik-Suchmaschine – wir kennzeichnen die Proteininhaltsstoffe in jedem Produkt automatisch.

Für wen sind Proteine besonders wichtig?

  • Gefärbtes und blondiertes Haar – geschwächte Keratinstruktur
  • Haar nach Dauerwelle oder Keratin-Glättung
  • Haar mit hoher Porosität – geöffnete Schuppen erleichtern das Eindringen der Proteine
  • Haar, das hohen Temperaturen ausgesetzt ist (Glätteisen, Föhn)

Gesundes Haar mit niedriger Porosität benötigt möglicherweise keine zusätzlichen Proteine – Emollients und Feuchtigkeitsspender reichen aus. Durchstöbere unseren Spülungen-Katalog, um ein Produkt mit der passenden Zusammensetzung zu finden.

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FAQ

Ausgetrocknetes Haar ist weich, kraus und porös – ihm fehlt Feuchtigkeit. Überproteiniertes Haar ist steif, rau und brüchig – es hat ein Übermaß an Protein. Test: Ein nasses Haar, das sich nicht dehnt und sofort bricht, deutet auf eine Überproteinierung hin.

Nein. Die Keratin-Glättung ist eine chemische Behandlung, die Formaldehyd oder dessen Derivate nutzt, um die Haarstruktur zu verändern. Proteine in Pflegekosmetik wirken oberflächlich und aufbauend, ohne die Struktur zu verändern.

Das hängt vom Zustand der Haare ab. Geschädigtes Haar braucht Proteine möglicherweise alle 1–2 Wochen. Gesundes Haar einmal im Monat oder seltener. Beobachte die Reaktion deiner Haare und passe die Häufigkeit an.

Aminosäuren sind die Bausteine der Proteine – ihre kleinsten Einheiten. Sie haben noch kleinere Moleküle als hydrolysierte Proteine und dringen daher leichter ins Haar ein, wirken aber strukturell schwächer.

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