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Inhaltsstoffe in der täglichen Pflege • 7 min Min. Lesezeit

Panthenol (Provitamin B5) — von der OP-Wunde bis zur täglichen Creme. Wissenschaftliche Fakten über D-Panthenol

D-Panthenol wandelt sich in der Haut in Pantothensäure um und senkt den TEWL um bis zu 30 %. Wirksame Konzentration: 2–5 %. Studien und Anwendung im Überblick.

Veröffentlicht: 2024-12-26 • Aktualisierung: 2025-11-10

Auf der INCI-Liste steht es als Panthenol — in seiner aktiven Form ist es D-Panthenol, das alkoholische Analogon der Pantothensäure, also des Vitamins B5. Es ist seit 1944 in Präparaten von Bayer enthalten, als das Unternehmen die Bepanthen-Salbe zur Wundpflege auf den Markt brachte. Achtzig Jahre später ist dieser Inhaltsstoff nach wie vor fester Bestandteil der dermatologischen Behandlungsstandards nach Laserbehandlungen, chemischen Peelings und Tätowierungen. Was wissen wir im Licht aktueller Forschung über seinen Wirkmechanismus?

Biochemie der Umwandlung: vom Provitamin zum Coenzym A

D-Panthenol selbst ist biologisch inaktiv. Nach dem Eindringen in die Epidermis unterliegt es einer enzymatischen Oxidation zu D-Pantothensäure (Vitamin B5), die eine Vorstufe von Coenzym A (CoA) ist. Coenzym A ist an über 70 Stoffwechselreaktionen in den Hautzellen beteiligt, darunter an der Synthese von Barriere-Lipiden, am Fettsäurestoffwechsel und an Reparaturprozessen nach einer Gewebeschädigung.

Diese Unterscheidung ist entscheidend: Pantothensäure selbst dringt aufgrund ihrer Ionenladung nur schlecht durch die Haut. D-Panthenol durchdringt als neutrales Molekül die Hornschicht deutlich effizienter, und die Umwandlung erfolgt erst innerhalb der lebenden Schichten der Epidermis.

Wirksame Konzentrationen — was sagen die klinischen Studien?

Die systematische Übersichtsarbeit von Proksch und Nissen (2002), veröffentlicht in Skin Pharmacology and Applied Skin Physiology, zeigt, dass:

  • 1 % — die minimale Konzentration ist, die eine messbare Feuchtigkeitszufuhr (Reduktion des TEWL) bewirkt.
  • 2–5 % — in den meisten Studien der optimale Bereich ist. Bei 5 % wurde eine Reduktion des transepidermalen Wasserverlusts (TEWL) um bis zu 25–30 % beobachtet.
  • über 5 % — keine Belege für zusätzlichen, zur Konzentration proportionalen Nutzen liefert; die Viskosität der Formulierung nimmt zu.

Im Register CosIng der Europäischen Kommission ist Panthenol mit folgenden Funktionen aufgeführt: hair conditioning, skin conditioning, skin protecting. Die Verordnung 1223/2009 schreibt keine Konzentrationsobergrenze vor — es ist einer der am besten verträglichen Inhaltsstoffe, ohne bekannte Fälle von Kontaktallergien in kosmetischen Konzentrationen.

TEWL — warum ist dieser Wert so entscheidend?

Der transepidermale Wasserverlust (TEWL, englisch TransEpidermal Water Loss) ist ein Maß für die Integrität der Hautbarriere. Gesunde Haut verliert etwa 5–10 g/m²/h. Nach einer Schädigung — durch Peeling, Laser oder Verbrennung — steigt dieser Wert um das bis zu Dreifache. Panthenol wirkt nicht wie eine okklusive Vaseline, die Wasser physisch einschließt. Stattdessen stimuliert es die Lipidsynthese in der Hornschicht und baut die Barriere von innen wieder auf.

Das ist ein grundlegend anderer Mechanismus als die Wirkung von Glycerin (Humektant) oder Vaseline (okklusiver Emollient). Panthenol wirkt auf metabolischer, nicht auf oberflächlicher Ebene — deshalb verstärken sich die Effekte mit der Anwendungsdauer und verschwinden nicht nach dem Abwaschen des Präparats.

Die Geschichte von Bepanthen — von der Windel zur ästhetischen Dermatologie

Als Bayer AG (damals Teil der IG Farben) 1944 die Bepanthen-Formel entwickelte, war das Ziel der Schutz der Säuglingshaut vor Windeldermatitis. Die Salbe enthielt 5 % D-Panthenol in einer Lanolin-Basis. Über Jahrzehnte blieb das Präparat eine Domäne der Pädiatrie und der Chirurgie (Heilung postoperativer Wunden).

Der Durchbruch kam in den 1990er-Jahren, als Kliniken der ästhetischen Dermatologie begannen, bei Patienten, die 5 % Panthenol anwendeten, eine beschleunigte Heilung nach ablativen Eingriffen (CO₂-Laser, Dermabrasion) zu dokumentieren. Ebner et al. (2002) veröffentlichten eine randomisierte Doppelblindstudie, die eine statistisch signifikante Beschleunigung der Reepithelisierung (Wiederherstellung der Epidermis) in der Panthenol-Gruppe im Vergleich zu Placebo nachwies.

Anwendung nach Eingriffen — konkrete Protokolle

Aktuelle Leitlinien dermatologischer Fachgesellschaften empfehlen Panthenol in der Pflege nach Eingriffen in folgenden Situationen:

  • Nach chemischen Peelings (Glykol, TCA) — ab dem 2. Tag, 3- bis 4-mal täglich, Präparat mit 5 %.
  • Nach Laserbehandlungen (fraktionierter CO₂, IPL) — unmittelbar nach dem Eingriff, als erste Schicht unter der Okklusion.
  • Nach Microneedling (Dermapen) — 24–48 h nach dem Eingriff, Creme mit Panthenol + Hyaluronsäure.
  • Nach einer Tätowierung — als Alternative zu Vaseline, die eine Mazeration verursachen kann; Panthenol blockiert den Gasaustausch der Haut nicht.

Worauf sollte man bei der Produktauswahl achten?

Auf dem Markt gibt es Präparate mit DL-Panthenol (racemisches Gemisch) und D-Panthenol (reines Isomer). Biologisch aktiv ist ausschließlich die D-Form — das L-Isomer unterliegt nicht der enzymatischen Umwandlung in Vitamin B5. Auf der INCI-Liste werden beide Formen identisch als „Panthenol“ angegeben, was eine Unterscheidung erschwert. Premium-Hersteller geben die Form meist in technischen Unterlagen an, nicht jedoch auf der Verpackung.

Die Position auf der INCI-Liste hilft, die Konzentration grob einzuschätzen. Erscheint Panthenol unter den ersten fünf Inhaltsstoffen (nach Wasser und Emulgatoren), haben wir es wahrscheinlich mit einer Konzentration von 2 %+ zu tun. Steht es weit hinter dem Duftstoffkomplex — handelt es sich eher um eine Marketing-Spur.

Lernen Sie, INCI-Listen selbst zu interpretieren — unser Leitfaden zum Lesen der Inhaltsstoffe zeigt, wie man einen Wirkstoff von einem Marketing-Zusatz unterscheidet.

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FAQ

D-Panthenol ist das biologisch aktive Isomer, das sich in der Haut in Vitamin B5 umwandelt. DL-Panthenol ist ein racemisches Gemisch, bei dem nur die Hälfte der Moleküle (die D-Form) aktiv ist. Auf der INCI-Liste werden beide Formen als 'Panthenol' angegeben, sodass sich der Unterschied nur in der Herstellerdokumentation überprüfen lässt.

Nein — das sind unterschiedliche Mechanismen. Hyaluronsäure ist ein Humektant, der Wasser an der Oberfläche und in der Epidermis bindet. Panthenol stimuliert die Synthese von Barriere-Lipiden und verringert den Wasserverlust von innen. Die besten Ergebnisse erzielt man durch ihre Kombination.

Klinische Studien weisen auf einen Bereich von 2–5 % als optimal hin. Bei 5 % sinkt der TEWL um 25–30 %. Konzentrationen unter 1 % bringen möglicherweise keine messbaren Pflegeeffekte, sind aber dennoch sicher.

Ja — es wird als Alternative zu Vaseline empfohlen. Panthenol bildet keine dichte okklusive Schicht, blockiert also nicht den Gasaustausch und beschleunigt zugleich die Reepithelisierung. Verwenden Sie Präparate mit 5 % Panthenol ohne Farb- und Duftstoffe.

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