Antitranspirant vs. Deodorant — worin unterscheiden sie sich und was steckt in der Zusammensetzung?
Aluminum Chlorohydrate, Zinc Ricinoleate, Hefe-Ferment — wir vergleichen die Inhaltsstoffe von Antitranspirant und Deo. SCCS-Stellungnahme 2020, Alternativen.
Antitranspirant und Deodorant — die meisten Menschen verwenden diese Begriffe synonym, doch aus Sicht der Kosmetikchemie handelt es sich um zwei völlig unterschiedliche Produktkategorien. Ein Antitranspirant wird als Kosmetikprodukt mit quasi-medizinischer Wirkung eingestuft, weil es in den physiologischen Prozess des Schwitzens eingreift. Ein Deodorant neutralisiert lediglich den Geruch. Dieser Unterschied hat reale Konsequenzen für Ihre Haut und Gesundheit.
Wie wirkt ein Antitranspirant? Der Mechanismus der Aluminiumsalze
Der entscheidende Wirkstoff jedes Antitranspirants ist ein Aluminiumsalz — meistens Aluminum Chlorohydrate (ACH), seltener Aluminum Zirconium Tetrachlorohydrex Gly (wirksamer, in den USA verbreitet). Der Wirkmechanismus ist rein physikalisch:
- Die Aluminiumsalze lösen sich im Schweiß und bilden eine gelartige Struktur.
- Dieses Gel verschließt die Ausgänge der Schweißdrüsenkanäle (sogenannter Plug) und verringert die Menge des abgesonderten Schweißes um 20–50 %.
- Der Effekt hält 24–48 Stunden an, verschwindet aber nach einigen Wäschen — der Gelpfropf wird mechanisch entfernt.
Gut zu wissen: Antitranspirantien blockieren das Schwitzen nicht vollständig. Der Körper besitzt 2–4 Millionen Schweißdrüsen, von denen das Antitranspirant nur auf eine kleine Fläche der Achseln aufgetragen wird. Die Thermoregulation des Körpers ist nicht gefährdet.
Sicherheit von Aluminium — was sagt die Wissenschaft 2020?
Die Debatte über die Sicherheit von Aluminiumsalzen in Antitranspirantien dauert seit den 1990er Jahren an. Hier der aktuelle Wissensstand:
Stellungnahme des SCCS (Scientific Committee on Consumer Safety) von 2020
Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit bei der Europäischen Kommission gab 2020 eine Stellungnahme ab, wonach Aluminiumsalze in einer Konzentration von bis zu 6,25 % (berechnet als Aluminium) sicher sind — sogar bei täglicher Anwendung. Diese Konzentration umfasst die überwiegende Mehrheit der auf dem Markt erhältlichen Produkte.
Der SCCS betonte jedoch, dass frühere Grenzwerte (bis zu 10,6 % Aluminium) zu hoch sein könnten, und schlug als Vorsichtsmaßnahme eine Senkung der Sicherheitsschwelle vor. Diese Stellungnahme berücksichtigte Daten zur Durchdringung von Aluminium durch die Haut — sowohl die gesunde als auch die rasierte.
Aluminium und Brustkrebs — Mythos oder Risiko?
Die Hypothese eines Zusammenhangs zwischen Aluminium in Antitranspirantien und Brustkrebs, die 2003 durch die McGrath-Studie populär wurde, wurde in keiner großen epidemiologischen Studie bestätigt. Eine Metaanalyse aus Critical Reviews in Toxicology (2014) zeigte keinen statistisch signifikanten Zusammenhang. Die American Cancer Society, die WHO und der SCCS sind sich einig, dass es keine ausreichenden Belege für ein solches Risiko gibt.
Wie wirkt ein Deodorant?
Ein Deodorant blockiert das Schwitzen nicht — stattdessen neutralisiert es den Schweißgeruch. Schweiß selbst ist geruchlos; der charakteristische Geruch entsteht, wenn Bakterien (vor allem Staphylococcus hominis und Corynebacterium) die Fettsäuren des apokrinen Schweißes abbauen. Deodorantien wirken auf drei Arten:
- Antibakteriell — sie reduzieren die Population der geruchsverursachenden Bakterien (z. B. Triclosan, Farnesol, ätherische Öle).
- Absorbierend — sie nehmen Feuchtigkeit und Geruch auf (Talkum, Maisstärke, Kieselgur).
- Geruchsüberdeckend — sie überdecken den Geruch mit Parfümkompositionen.
Natürliche Alternativen — was sagen die Studien?
Die wachsende Beliebtheit von „Clean Beauty" treibt die Nachfrage nach aluminiumfreien Deodorantien an. Aber wirken natürliche Inhaltsstoffe wirklich?
Zinc Ricinoleate (Zinkricinoleat)
Das Zinksalz der Ricinolsäure, gewonnen aus Rizinusöl. Es wirkt durch die Absorption von Geruchsmolekülen — es bindet flüchtige Fettsäuren und Sulfide, bevor sie die Geruchsrezeptoren erreichen. In-vitro-Studien zeigen eine Reduzierung der Geruchsintensität um 70–85 %. Es blockiert das Schwitzen nicht und hat keine antibakterielle Wirkung — es wirkt rein „geruchsneutralisierend".
Saccharomyces Ferment Filtrate (Hefe-Ferment)
Ein Fermentationsprodukt der Hefe Saccharomyces cerevisiae, das proteolytische Enzyme enthält. Es baut die Proteine des Schweißes ab, bevor Bakterien sie zu Verbindungen mit unangenehmem Geruch verstoffwechseln können. Ein relativ neuer Inhaltsstoff in natürlichen Deodorantien mit begrenzter, aber vielversprechender Datenlage.
Natron (Sodium Bicarbonate)
Ein beliebter Inhaltsstoff von DIY- und „natürlichen" Deodorantien. Es neutralisiert wirksam die sauren Abbauprodukte des Schweißes, hat aber einen pH-Wert von 8,3, was den sauren pH-Wert der Achselhaut (4,0–5,5) stört. Bei vielen Menschen verursacht es Reizungen, Rötungen und Brennen. Dermatologisch betrachtet — ein umstrittener Inhaltsstoff.
Alaunstein (Potassium Alum)
Entgegen den Marketingaussagen enthält der Alaunstein Aluminium — es handelt sich um Aluminium-Kalium-Sulfat. Seine Moleküle sind größer als die in ACH, sodass die Hautdurchdringung geringer ist, doch es handelt sich nicht um ein „aluminiumfreies" Produkt.
Reizungen nach der Rasur — wann das Antitranspirant schadet
Die Rasur entfernt die Hornschicht der Oberhaut und erzeugt Mikroverletzungen, durch die Aluminiumsalze tiefer eindringen können. Eine Studie aus dem Journal of Applied Toxicology (2019) zeigte, dass die Durchdringung von Aluminium durch rasierte Haut 6-mal höher ist als durch unversehrte Haut. Empfehlung der Dermatologen: Tragen Sie das Antitranspirant abends auf trockene Haut auf, mindestens 6–8 Stunden nach der Rasur.
Vergleich der Zusammensetzungen — Tabelle
- Typisches Antitranspirant: Aluminum Chlorohydrate, Cyclopentasiloxane, Steareth-2, PPG-14 Butyl Ether, Parfum, BHT.
- Typisches Deodorant: Alcohol Denat., Aqua, Parfum, Triethyl Citrate, Zinc Ricinoleate, Cocamidopropyl Betaine.
- Natürliches Deodorant: Caprylic/Capric Triglyceride, Sodium Bicarbonate, Zinc Ricinoleate, Tocopherol, Citrus Aurantium Dulcis Peel Oil.
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Welches sollten Sie wählen? Praktische Tipps
- Starkes Schwitzen (Hyperhidrose)? Ein Antitranspirant mit ACH ist der medizinische Standard — ein natürliches Deodorant hilft hier nicht.
- Empfindliche Haut nach der Rasur? Ein Deodorant ohne Aluminium und Alkohol, mit Zinkricinoleat.
- Täglicher Komfort ohne übermäßiges Schwitzen? Ein Antitranspirant mit einer Aluminiumkonzentration von bis zu 6,25 % (sicher laut SCCS 2020).
- Vorliebe für „Clean Beauty"? Ein Deodorant mit Zinc Ricinoleate oder Hefe-Ferment — wirksam gegen Geruch, aber nicht gegen die Schweißmenge.
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FAQ
Ja, gemäß der SCCS-Stellungnahme von 2020 sind Aluminiumsalze in einer Konzentration von bis zu 6,25 % (berechnet als Aluminium) in Antitranspirantien sicher, sogar bei täglicher Anwendung. Ein Zusammenhang mit Brustkrebs wurde nicht bestätigt.
Zinc Ricinoleate absorbiert Geruchsmoleküle — es bindet flüchtige Fettsäuren und Sulfide, die beim Abbau des Schweißes entstehen. Es blockiert weder das Schwitzen noch wirkt es antibakteriell, sondern neutralisiert ausschließlich den Geruch.
Nein. Der Alaunstein (Potassium Alum) ist Aluminium-Kalium-Sulfat, das Aluminium enthält. Er hat größere Moleküle als die typischen Aluminiumsalze in Antitranspirantien, was die Durchdringung verringert, ihn aber nicht zu einem aluminiumfreien Produkt macht.
Dermatologen empfehlen, das Antitranspirant abends auf trockene Haut aufzutragen, mindestens 6–8 Stunden nach der Rasur. Das abendliche Auftragen ermöglicht es den Aluminiumsalzen, Gelpfropfen in den Schweißdrüsenkanälen zu bilden, bevor das Schwitzen am Tag beginnt.
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