Ist Propylenglykol in Kosmetik sicher?
Ist Propylenglykol schädlich? Erfahre, was die Wissenschaft zur Sicherheit dieses verbreiteten Kosmetik-Inhaltsstoffs sagt und wann er die Haut reizt.
Was ist Propylenglykol und wofür wird es verwendet?
Propylenglykol (INCI: Propylene Glycol) ist ein kleiner, zweiwertiger organischer Alkohol, der sowohl in der Kosmetik- und Pharmaindustrie als auch in der Lebensmittelbranche weit verbreitet ist. In Kosmetik erfüllt es mehrere wichtige Funktionen:
- Feuchthaltemittel (Humektant) — bindet Wasser, verhindert das Austrocknen des Produkts und spendet der Haut Feuchtigkeit
- Lösungsmittel (Solvent) — erleichtert das Lösen von Wirkstoffen wie Vitaminen und Pflanzenextrakten
- Penetrationsverstärker — verbessert das Eindringen anderer Wirkstoffe in die Haut
- Konservierungsmittel — wirkt in höheren Konzentrationen antimikrobiell
Propylenglykol ist allgegenwärtig: Wir finden es in Cremes, Seren, Tonern, Shampoos, Antitranspirantien, Zahnpasten und in vielen Medikamenten. Es ist von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als Lebensmittelzusatzstoff (E1520) zugelassen.
Was sagen Wissenschaft und Behörden zu seiner Sicherheit?
Der SCCS (Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit) sowie das Cosmetic Ingredient Review (CIR) haben Propylenglykol mehrfach bewertet. Die Schlussfolgerungen sind eindeutig: Propylenglykol ist in den in Kosmetik verwendeten Konzentrationen sicher, die in der Regel zwischen 1 % und 20 % liegen.
Die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 führt Propylenglykol weder auf der Liste der verbotenen noch der beschränkten Stoffe. Die CosIng-Datenbank der Europäischen Kommission stuft es als zugelassenen Inhaltsstoff ohne allgemeine Beschränkungen ein.
Woher kommen die Bedenken bezüglich Schädlichkeit?
Viele im Internet kursierende Warnungen vor Propylenglykol leiten sich von seinen industriellen Anwendungen (etwa als Frostschutzmittel) oder von Studien mit sehr hohen Konzentrationen ab, die in Kosmetik gar nicht verwendet werden. Die Dosis macht das Gift — dieser Grundsatz gilt hier in vollem Umfang. Die in Kosmetik eingesetzten Konzentrationen liegen um ein Vielfaches unter den Dosen, die überhaupt toxische Effekte zeigen.
- Zeigt bei den üblichen kosmetischen Konzentrationen keine krebserregende oder erbgutverändernde Wirkung
- Reichert sich nicht im Körper an — es wird schnell verstoffwechselt
- Studien an Tieren und Menschen zeigten bei kosmetischen Dosen keine fruchtschädigende (teratogene) Wirkung
Wann kann Propylenglykol ein Problem sein?
Trotz seines guten Sicherheitsprofils kann Propylenglykol bei manchen Menschen Reaktionen auslösen:
- Hautreizung — in höheren Konzentrationen (über 10–30 %) kann es geschädigte oder sehr empfindliche Haut reizen, besonders bei Anwendung unter Okklusion
- Kontaktdermatitis — selten, geschätzt bei weniger als 2–3 % der Bevölkerung; eine allergische Kontaktdermatitis gegen Propylenglykol lässt sich mit einem Epikutantest (Patch-Test) nachweisen
- Atopische Haut — Menschen mit Neurodermitis können schon bei niedrigen Konzentrationen auf Propylenglykol reagieren; Hersteller von Kosmetik für Atopiker ersetzen es häufig durch Butylenglykol oder Polyethylenglykol
Hinweis: Dieser Artikel dient nur zur Information und ersetzt keine dermatologische Beratung. Wenn du eine Allergie gegen einen bestimmten Inhaltsstoff vermutest, wende dich für einen Epikutantest an einen Dermatologen.
Wie erkennt man Propylenglykol auf dem Etikett?
Suche auf der INCI-Liste nach der Bezeichnung Propylene Glycol. Verwechsle es nicht mit ähnlich klingenden Inhaltsstoffen:
- Butylene Glycol — vierwertiges Analogon, häufig als Ersatz für Menschen mit Reaktion auf PG verwendet
- Polyethylene Glycol (PEG) — ein völlig anderes Molekül, ein Polymer aus Ethylenoxid
- Dipropylene Glycol — ein Dimer des Propylenglykols, milder
In unserer Inhaltsstoff-Enzyklopädie findest du detaillierte Profile zu jeder dieser Verbindungen mit Sicherheitsbewertungen und Funktionen in Rezepturen.
Alternativen zu Propylenglykol
Wenn deine Haut schlecht auf Propylenglykol reagiert, lohnt es sich, nach Gesichtscremes mit alternativen Feuchthaltemitteln zu suchen:
- Butylene Glycol — milder, wird von empfindlicher Haut oft gut vertragen
- Glycerin (Glycerin) — klassisches, sicheres Feuchthaltemittel
- Squalan (Squalane) — ein Emollient, das von den meisten Hauttypen gut vertragen wird
- Sodium PCA — ein Feuchthaltemittel, das natürlicher Bestandteil des NMF der Haut ist
Fazit
Propylenglykol ist für die allermeisten Verbraucher in den in Kosmetik verwendeten Konzentrationen ein sicherer Inhaltsstoff. Sein schlechter Ruf rührt vor allem von Mythen und Missverständnissen rund um industrielle Anwendungen her. Menschen mit empfindlicher oder atopischer Haut bevorzugen vielleicht Rezepturen ohne diesen Inhaltsstoff — und dazu haben sie jedes Recht, auch wenn es medizinisch nicht notwendig ist.
FAQ
In den in Kosmetik verwendeten Konzentrationen (meist 1–20 %) ist Propylenglykol für die allermeisten Menschen sicher. Nur wenige Personen zeigen eine Kontaktallergie, und eine Reizung kann bei sehr hohen Konzentrationen auf geschädigter Haut auftreten.
Nein, Propylenglykol ist durch die Verordnung (EG) 1223/2009 weder verboten noch beschränkt. Es ist ein vollständig zugelassener Inhaltsstoff sowohl für die kosmetische als auch für die Verwendung in Lebensmitteln (E1520).
Suche auf der INCI-Liste genau nach der Bezeichnung Propylene Glycol. Butylene Glycol, Dipropylene Glycol oder Polyethylene Glycol sind andere chemische Verbindungen, auch wenn sie ähnlich klingen.
Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die Behauptung, dass Kosmetik ohne Propylenglykol grundsätzlich besser sei. Die Wahl einer solchen Rezeptur ist nur für Menschen mit nachgewiesener Allergie oder besonders empfindlicher, atopischer Haut sinnvoll.
Produkte prüfen
Suchst du Kosmetik zu diesem Thema? Vergleiche Inhaltsstoffe und Preise auf PurScore.