Sind Vaseline und Paraffin sicher für die Haut?
Vaseline und Paraffin gelten als umstrittene Kosmetik-Inhaltsstoffe. Erfahre, ob sie der Haut schaden oder ob das nur Mythen sind und wer sie nutzen darf.
Vaseline und Paraffin — was genau ist das?
Vaseline (INCI: Petrolatum) und Paraffin (INCI: Paraffinum Liquidum — flüssig, oder Paraffin — fest) sind Raffinationsprodukte aus Erdöl. Beide Substanzen gehören zur Gruppe der mineralischen Kohlenwasserstoffe und werden seit über 150 Jahren in Kosmetika eingesetzt. Ihr berüchtigter Ruf in der Welt der Naturkosmetik beruht vor allem auf der Verbindung zur Erdölindustrie und nicht auf belastbaren wissenschaftlichen Daten.
In Kosmetika erfüllen sie vor allem die Funktion von Emollients und Okklusiva — sie bilden auf der Hautoberfläche eine dünne Schicht, die den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) reduziert. Genau wegen dieses okklusiven Effekts sind sie in Pflegeprodukten für trockene, atopische und geschädigte Haut unersetzlich.
Was sagen die EU-Vorschriften zu Paraffin und Vaseline?
Hier kommt eine wichtige Nuance ins Spiel. Die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 sowie ihr Anhang III regeln den Einsatz von Mineralölen in Kosmetika. Entscheidend ist der Grad der Raffination:
- Vaseline (Petrolatum) — darf ohne Einschränkungen verwendet werden, sofern sie vollständig raffiniert ist und die Raffinationsgeschichte bekannt ist, die das Fehlen von Kanzerogenität belegt. Reine pharmazeutische Vaseline erfüllt diese Anforderungen.
- Flüssiges Paraffin (Paraffinum Liquidum) — kann ebenso bei entsprechendem Raffinationsgrad eingesetzt werden. Der SCCS hat Mineralöle mehrfach bewertet und die Sicherheit hochraffinierter Fraktionen bestätigt.
Nicht oder schlecht raffinierte Mineralöle enthalten polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die krebserregend wirken können. Deshalb verlangen die EU-Vorschriften eine Dokumentation des Raffinationsprozesses. Produkte renommierter Hersteller erfüllen diese Anforderungen.
Verstopft Vaseline die Poren und verursacht Akne?
Das ist einer der populärsten Kosmetik-Mythen. Vaseline hat in den meisten Klassifikationen einen Komedogenitäts-Rating von 0–1 — sie ist also praktisch nicht komedogen. Die Petrolatum-Moleküle sind zu groß, um in die Hautporen einzudringen. Sie bilden eine okklusive Schicht auf der Oberfläche der Epidermis, blockieren jedoch nicht die Öffnungen der Haarfollikel.
Der Trend Slugging — das Auftragen einer dünnen Vaselineschicht als letzter Schritt der nächtlichen Pflegeroutine — gewann besonders bei Menschen mit trockener und atopischer Haut an Popularität, gerade wegen der Wirksamkeit von Vaseline als Schutzbarriere.
Wer kann von Vaseline und Paraffin profitieren?
- Trockene und atopische Haut — die Okklusion verbessert den Zustand der Hautbarriere deutlich und lindert den Juckreiz
- Haut nach ästhetischen Eingriffen und Operationen — Vaseline wird in der Medizin standardmäßig zum Schutz von Wunden eingesetzt
- Lippen — Vaseline ist ein sicherer und wirksamer Inhaltsstoff in Lippenbalsamen
- Säuglinge und Kleinkinder — pharmazeutische Vaseline wird seit Generationen in der Säuglingspflege verwendet
Produkte mit diesen Inhaltsstoffen findest du unter anderem in der Kategorien Handcremes, wo Vaseline und Paraffin wegen ihrer intensiven Schutzeigenschaften weit verbreitet sind.
Wer sollte vorsichtig sein?
- Fettige und zu Akne neigende Haut — trotz geringer Komedogenität kann der okklusive Effekt ein Schweregefühl verstärken; leichtere Emollients können angenehmer sein
- Personen, die auf Duftstoffe empfindlich reagieren — einige Paraffinfraktionen können Spuren von Duftstoffen enthalten; wähle parfümfreie Produkte
- Vegetarier und Veganer — erdölbasierte Produkte sind durch manche Cruelty-free- / Vegan-Zertifikate ausgeschlossen
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine medizinische Beratung dar. Bei Hauterkrankungen besprich die Auswahl deiner Pflege mit einem Dermatologen.
Etiketten richtig lesen — INCI von Vaseline und Paraffin
Vaseline und ihre Derivate können unter folgenden Bezeichnungen erscheinen: Petrolatum, White Petrolatum, Yellow Petrolatum. Paraffin lautet: Paraffinum Liquidum (flüssig), Paraffin (fest), Microcrystalline Wax (mikrokristallines Wachs), Mineral Oil. In unserer Inhaltsstoff-Enzyklopädie ist jede dieser Formen mit Sicherheitsprofil und Funktion in der Kosmetik beschrieben.
Fazit
Vaseline und Paraffin sind in entsprechend raffinierter Form sicher und wirksam. Die EU-Vorschriften gewährleisten die Qualitätskontrolle der Raffination. Für die meisten Anwender sind es wertvolle, bewährte Emollients — besonders für trockene, atopische und geschädigte Haut. Die Mythen über ihre Schädlichkeit haben keine Grundlage in wissenschaftlichen Daten.
FAQ
Nein, Vaseline hat einen Komedogenitäts-Rating von 0–1 und verstopft die Hautporen nicht. Ihre Moleküle sind zu groß, um in die Haarfollikel einzudringen. Sie bildet eine okklusive Schicht auf der Oberfläche der Epidermis.
Ja, hochraffiniertes Paraffin (Paraffinum Liquidum) ist sicher und durch die EU-Verordnung 1223/2009 zur Verwendung in Kosmetika zugelassen. Entscheidend ist der entsprechende Raffinationsgrad, der potenziell schädliche PAK eliminiert.
Slugging ist eine Pflegetechnik, bei der als letzter Schritt der nächtlichen Routine eine dünne Vaselineschicht aufgetragen wird. Sie versiegelt die Hautbarriere und verhindert das Verdunsten von Wasser aus der Epidermis, was besonders für trockene und atopische Haut vorteilhaft ist.
Ja, pharmazeutische Vaseline (White Petrolatum) wird traditionell und sicher in der Säuglingspflege verwendet. Wichtig ist, Produkte in pharmazeutischer Reinheit und nicht in technischer Qualität zu wählen.
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