Greenwashing bei Kosmetik — wie Sie falsche Öko-Versprechen erkennen
Grüne Verpackung heißt nicht öko. Erfahren Sie die häufigsten Greenwashing-Tricks bei Kosmetik und lernen Sie, Öko-Versprechen selbst zu prüfen.
Immer mehr Verbraucher suchen nach umweltfreundlichen Kosmetikprodukten. Die Hersteller wissen das — und nicht alle spielen fair. Greenwashing, also das Vortäuschen von Umweltfreundlichkeit, ist eines der häufigsten Phänomene in der Beauty-Branche. Eine grüne Verpackung, Blätter auf dem Etikett und der Slogan „100% natural“ können überzeugend wirken, doch hinter der Fassade verbirgt sich oft dieselbe synthetische Zusammensetzung wie in jedem anderen Produkt.
Was genau ist Greenwashing?
Greenwashing ist eine Marketingstrategie, bei der sich eine Marke als ökologisch oder natürlich präsentiert, obwohl ihre Produkte das gar nicht sind. Bei Kosmetik nimmt das viele Formen an — von subtilen Andeutungen bis hin zu offenen Lügen. Das Problem: In der Europäischen Union sind die Begriffe „natürlich“ und „ökologisch“ im Kosmetikbereich rechtlich nicht geschützt, sodass ein Hersteller sie nahezu beliebig verwenden kann.
Die häufigsten Greenwashing-Taktiken
- Grüne Verpackung und Blätter — Erdtöne, pflanzliche Grafiken und Kraftpapier suggerieren Natürlichkeit, unabhängig von der Zusammensetzung. Eine Verpackung ist Marketing, kein Zertifikat.
- Schwammige Sprache — Slogans wie „inspired by nature“, „mit natürlichen Inhaltsstoffen“ oder „eco-friendly“ haben keinerlei rechtliche Definition. Ein Kosmetikprodukt mit 1% Kamillenextrakt und 99% Synthetik darf so beworben werden.
- Hervorheben eines einzigen Inhaltsstoffs — Auf der Vorderseite des Etiketts steht „mit Arganöl“, doch in der INCI-Liste steht dieser Inhaltsstoff ganz am Ende, macht also nur einen Bruchteil eines Prozents der Rezeptur aus.
- Belanglose Zertifikate — Ein „cruelty-free“-Logo auf dem Shampoo klingt gut, aber Tierversuche für Kosmetik sind in der EU seit 2013 verboten. Das ist, als würde man damit prahlen, dass Wasser nass ist.
- Eigene „Öko-Siegel“ — Eine Marke erstellt ein eigenes Logo, das wie ein Zertifikat aussieht. Ohne externe Prüfung bedeutet ein solches Siegel nichts.
Echte vs. falsche Öko-Siegel
Auf dem Markt gibt es Dutzende von Zertifikaten, aber nur wenige stellen echte Anforderungen. Hier die wichtigsten Unterschiede:
Glaubwürdige Zertifikate
- COSMOS (Ecocert / BDIH / Soil Association) — mindestens 95% Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs, strenge Einschränkungen für synthetische Substanzen
- NATRUE — dreistufiges System (natürlich → teilweise biologisch → biologisch), externe Kontrolle
- Ecocert — mindestens 95% pflanzliche Inhaltsstoffe aus ökologischem Anbau
- Vegan Society / PETA — beziehen sich auf das Fehlen tierischer Inhaltsstoffe und Tierversuche, nicht auf „Natürlichkeit“
Siegel, die nichts bedeuten
- Eigene Hersteller-Logos mit der Aufschrift „eco“ oder „bio“
- Selbstgemachte Stempel „dermatologically tested“ (jedes Kosmetikprodukt in der EU muss getestet werden)
- Symbole von Blättern, Bäumen oder dem Planeten ohne Verbindung zu einem externen Audit
Mehr über Zertifikate erfahren Sie in unserem Vergleich von natürlichen und synthetischen Inhaltsstoffen.
Wie prüfen Sie Öko-Versprechen selbst?
- Lesen Sie die INCI-Liste — Die Zusammensetzung ist von der höchsten bis zur niedrigsten Konzentration geordnet. Prüfen Sie, wo der auf der Vorderseite beworbene „natürliche“ Inhaltsstoff steht.
- Suchen Sie nach konkreten Angaben — „95% Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs“ ist eine bessere Information als „natürlich“. Prozentangaben lassen sich überprüfen.
- Prüfen Sie das Zertifikat — Besuchen Sie die Website der Zertifizierungsorganisation und suchen Sie nach dem Produkt oder der Marke. Wenn es dort nicht zu finden ist — ist das Zertifikat gefälscht.
- Nutzen Sie die Inhaltsstoff-Datenbank — In unserer Inhaltsstoff-Datenbank können Sie nachprüfen, ob ein bestimmter Bestandteil wirklich natürlich ist und welche Rolle er in der Formel spielt.
- Vergleichen Sie Zusammensetzungen — Verwenden Sie die PurScore-Suche, um die „Öko“-Version mit der Standardversion desselben Herstellers zu vergleichen. Oft sind die Unterschiede rein kosmetisch.
Echte Greenwashing-Beispiele
Wir zeigen nicht mit dem Finger auf konkrete Marken, doch bestimmte Muster wiederholen sich regelmäßig:
- Shampoo in grüner Verpackung mit der Aufschrift „Kraft der Natur“ — erster Inhaltsstoff: Sodium Laureth Sulfate, zweiter: Cocamidopropyl Betaine. Eine standardmäßige Tensid-Zusammensetzung mit einem Hauch Brennnesselextrakt am Ende der Liste.
- „Bio“-Creme aus dem Drogerieregal — kein einziges Zertifikat, aber das Logo ähnelt täuschend dem COSMOS-Siegel. Auf der INCI-Liste: Parabene, Silikone und PEGs.
- Maske „100% natural origin“ — technisch wahr, denn Wasser (Aqua) macht 80% der Zusammensetzung aus und hat „natürlichen Ursprung“. Die restlichen 20% sind synthetisch.
Worauf sollten Sie beim Kauf achten?
Sie müssen kein Chemiker werden, um klüger einzukaufen. Ein paar einfache Gewohnheiten reichen aus:
- Ignorieren Sie die Vorderseite der Verpackung — die Wahrheit steht auf der Rückseite, in der INCI-Liste
- Suchen Sie nach externen Zertifikaten mit Prüfnummer
- Bedenken Sie, dass „natürlich“ nicht immer „besser“ bedeutet — manche synthetischen Inhaltsstoffe sind sicherer und wirksamer als ihre natürlichen Pendants
- Nutzen Sie Werkzeuge zur Analyse der Zusammensetzung, wie PurScore
Fazit
Greenwashing nährt sich von unseren guten Absichten — wir wollen verantwortungsvoll einkaufen, und die Hersteller nutzen das aus. Der Schlüssel ist kritisches Denken und Überprüfung. Eine grüne Verpackung ist zu wenig — es zählt, was drin ist. Bevor Sie dem Versprechen auf dem Etikett glauben, prüfen Sie die Zusammensetzung in der PurScore-Suche und urteilen Sie selbst.
FAQ
Nein. Der Begriff „natürlich“ ist im Kosmetikbereich in der EU rechtlich nicht definiert. Ein Hersteller darf ihn verwenden, selbst wenn nur 1% der Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs ist. Eine Garantie bieten ausschließlich externe Zertifikate wie COSMOS oder NATRUE.
Prüfen Sie, ob das Logo zu einer existierenden Zertifizierungsorganisation gehört (COSMOS, NATRUE, Ecocert). Besuchen Sie die Website dieser Organisation und suchen Sie nach dem Produkt. Wenn es nicht in der Datenbank steht — ist das Zertifikat gefälscht oder veraltet.
Absolut nicht. Die Farbe der Verpackung ist eine Marketingentscheidung. Die Umweltfreundlichkeit eines Produkts wird durch seine Zusammensetzung und den Herstellungsprozess bestimmt, nicht durch das Design der Schachtel.
In der Suche von PurScore.pl — geben Sie den Produktnamen ein und prüfen Sie die Analyse der INCI-Zusammensetzung. Sie können auch einzelne Inhaltsstoffe in unserer Inhaltsstoff-Datenbank nachschlagen.
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