Keratin-Glättung der Haare — die Chemie der Behandlung, Formaldehyd und sichere Alternativen
Wie wirkt die Keratin-Glättung? Wir erklären die Chemie der Behandlung, das Formaldehyd-Risiko, sicherere Alternativen und die richtige Pflege danach.
Worin besteht die Keratin-Glättung?
Die Keratin-Glättung der Haare — auch brasilianische Glättung genannt — ist eine Behandlung, bei der der Haarschaft mit flüssigem Keratin durchtränkt und das Ergebnis anschließend mit hoher Hitze fixiert wird. Ziel ist es, die Krümmung des Haares zu glätten, die Schuppen der Kutikula zu schließen und einen dauerhaften Glanz zu verleihen. Der Effekt hält in der Regel 8 bis 16 Wochen, abhängig von der Haarstruktur und den verwendeten Produkten.
Das klingt einfach, doch die Chemie hinter dieser Behandlung ist deutlich komplexer — und birgt ein reales Gesundheitsrisiko, wenn das Präparat gefährliche Substanzen enthält.
Die Rolle von Formaldehyd und seinen Derivaten
Ein zentraler Bestandteil vieler Präparate zur Keratin-Glättung ist Formaldehyd (Methanal) oder dessen Derivate — meist methylene glycol und glyoxylic acid. Formaldehyd wirkt als Vernetzungsmittel: Es bildet Querverbindungen zwischen den Keratinketten in der Haarrinde, wodurch das Haar seine glatte Form behält.
Das Problem dabei ist, dass Formaldehyd laut IARC ein Karzinogen der Klasse 1 ist. Während der Behandlung wird es unter der Hitze des Glätteisens (oft 200–230 °C) gasförmig freigesetzt und sowohl von der Kundin als auch von der Friseurin oder dem Friseur eingeatmet.
Viele Produkte werben als „formaldehydfrei", enthalten in Wirklichkeit aber Derivate, die unter Hitzeeinwirkung Formaldehyd freisetzen. Auf dem Etikett können sie unter folgenden Bezeichnungen auftauchen:
- Methylene glycol
- Formalin
- Methanediol
- Glyoxyloyl carbocysteine
- Glyoxylic acid (Glyoxylsäure)
Wenn Sie prüfen möchten, ob Ihr Produkt diese Substanzen enthält, nutzen Sie unsere Inhaltsstoff-Suche — geben Sie einfach den INCI-Namen ein.
Sicherere Alternativen
Auf dem Markt sind Präparate erschienen, die auf anderen Glättungsmechanismen beruhen und kein Formaldehyd benötigen:
Glycolsäure (glycolic acid)
Einige moderne Formulierungen setzen Glycolsäure in Kombination mit hydrolysiertem Keratin ein. Der Effekt ist sanfter, dafür aber deutlich sicherer. Das Haar wird geglättet, auch wenn die Krümmung nicht vollständig verschwindet.
Präparate auf Cystein-Basis
Cystein — eine im Keratin natürlich vorkommende Aminosäure — kann Disulfidbrücken im Haarschaft aufbrechen und neu bilden. Behandlungen auf Cystein-Basis wirken sanfter als die klassische Keratin-Glättung, sind dabei aber gesundheitlich unbedenklich.
Behandlungen auf Tannin-Basis
Tannin (ein pflanzlicher Gerbstoff) bildet eine Hülle um das Haar und glättet die Kutikula mechanisch. Es dringt nicht so tief in die Haarrinde ein wie Formaldehyd, daher hält der Effekt kürzer an (4–8 Wochen), das Gesundheitsrisiko ist jedoch minimal.
Pflege nach der Behandlung — auf welche Inhaltsstoffe sollten Sie achten?
Nach der Keratin-Glättung braucht das Haar eine spezielle Pflege. Die wichtigsten Grundsätze:
- Sulfatfreie Shampoos — klassische Tenside (SLS, SLES) waschen das Keratin schnell aus dem Haar. Suchen Sie nach Produkten mit cocamidopropyl betaine oder sodium cocoyl isethionate als hauptsächlichem Waschsubstanz.
- Hydrolysiertes Keratin in Spülungen — füllt die Keratinlücken in der Haarrinde auf. Sehen Sie in unserer Inhaltsstoff-Datenbank nach, wie dieser Inhaltsstoff wirkt.
- Versiegelnde Öle — Argan-, Jojoba- oder Squalan-Öl helfen, die Glätte der Kutikula zu bewahren.
- Salz und Chlor meiden — Meer- und Schwimmbadwasser beschleunigen den Verlust des Glättungseffekts.
Wenn Sie nach der Behandlung ein Shampoo und eine Spülung auswählen, prüfen Sie deren vollständige Zusammensetzung — das ist der Schlüssel zu einem langanhaltenden Ergebnis.
Wem raten wir von der Keratin-Glättung ab?
Die Behandlung ist nicht empfehlenswert für Personen mit:
- Asthma oder Erkrankungen der Atemwege
- Kontaktallergie gegen Formaldehyd
- stark geschädigtem, ausgetrocknetem Haar (die Behandlung kann das Problem verschlimmern)
- in der Schwangerschaft und Stillzeit
Im Zweifelsfall lohnt es sich, einen Trichologen zu konsultieren und vor der Behandlung die vollständige Zusammensetzung des Präparats zu erfragen.
Fazit
Die Keratin-Glättung kann spektakuläre optische Ergebnisse liefern, doch die bewusste Wahl des Präparats ist entscheidend für die Sicherheit. Meiden Sie Produkte mit Formaldehyd und dessen Derivaten, fragen Sie nach der vollständigen INCI-Zusammensetzung und ziehen Sie sanftere Alternativen in Betracht. Investieren Sie nach der Behandlung in sulfatfreie Shampoos und Spülungen mit hydrolysiertem Keratin.
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FAQ
Die Durchtränkung mit Keratin allein kann die Haarstruktur stärken, doch die hohe Temperatur des Glätteisens (200–230 °C) und die chemischen Substanzen im Präparat können die Kutikula und die Haarrinde schädigen. Das Ergebnis hängt von der Qualität des Präparats und dem Können der Friseurin oder des Friseurs ab.
Prüfen Sie die INCI-Zusammensetzung — suchen Sie nach Bezeichnungen wie methylene glycol, formalin, methanediol oder glyoxylic acid. Das Etikett „formaldehydfrei" garantiert nicht, dass keine Derivate enthalten sind, die unter Hitzeeinwirkung Formaldehyd freisetzen.
In der Regel 8 bis 16 Wochen, abhängig von der Haarstruktur, dem verwendeten Präparat und der Pflege zu Hause. Sulfatfreie Shampoos und das Meiden von Meerwasser verlängern die Haltbarkeit des Effekts.
Behandlungen auf Cystein- oder Tannin-Basis sind deutlich sicherer als die klassische Keratin-Glättung mit Formaldehyd. Der Effekt ist sanfter, ist aber nicht mit dem Risiko verbunden, krebserregende Substanzen einzuatmen.
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