Kinderkosmetik — worauf man bei den Inhaltsstoffen achten sollte
Kinderhaut ist dünner und durchlässiger. Erfahren Sie, welche Inhaltsstoffe Sie in Kinderkosmetik meiden sollten und was die EU-Regelung für Produkte unter 3 Jahren bedeutet.
Kinderhaut — wie unterscheidet sie sich von der eines Erwachsenen?
Die Haut von Neugeborenen und kleinen Kindern unterscheidet sich in mehreren wesentlichen Punkten von der Haut Erwachsener. Sie ist um 20–30 % dünner, hat eine schwächer ausgebildete Lipidbarriere, einen höheren pH-Wert (näher am neutralen Bereich — etwa 6,5–7,0 beim Neugeborenen, der in den ersten Lebensjahren allmählich auf rund 5,5 sinkt) sowie ein größeres Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpermasse. All das führt dazu, dass kosmetische Inhaltsstoffe leichter aufgenommen werden und stärker wirken können als bei Erwachsenen.
Deshalb erfordert die Auswahl von Kinderkosmetik besondere Vorsicht — und das Etikett „für Kinder“ garantiert nicht immer Sicherheit. Die Fähigkeit, die INCI-Liste der Inhaltsstoffe zu lesen, ist hier entscheidend.
Die Kennzeichnung „für Kinder“ — was bedeutet sie wirklich?
In der Europäischen Union gibt es keine offizielle Definition eines Kosmetikprodukts „für Kinder“ oder „hypoallergen“. Ein Hersteller kann eine solche Bezeichnung auf der Verpackung anbringen, ohne zusätzliche Zertifizierungsanforderungen erfüllen zu müssen. Der einzige regulatorische Unterschied ergibt sich aus der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, die Hersteller von Kosmetika für Kinder unter 3 Jahren verpflichtet, eine zusätzliche Sicherheitsbewertung durch einen Toxikologen durchführen zu lassen.
Das bedeutet: Ein Produkt, das als „für Kinder“ beschrieben wird, aber nicht ausdrücklich für die Altersgruppe unter 3 Jahren bestimmt ist, muss diese zusätzliche Prüfung nicht durchlaufen. Es lohnt sich daher, die Inhaltsstoffe zu lesen, statt sich allein auf das Marketing zu verlassen.
Inhaltsstoffe, die man besser meidet
Duftstoffe (Parfum / Fragrance)
Duftstoffe gehören zu den häufigsten Kontaktallergenen — das betrifft sowohl synthetische als auch natürliche Kompositionen. Die EU schreibt die Deklaration von 26 Duftstoffallergenen auf der Verpackung vor (Anhang III der Verordnung 1223/2009), doch viele weitere Duftverbindungen verbergen sich hinter dem allgemeinen Begriff „Parfum“. In Kinderkosmetik sollten Duftstoffe auf ein Minimum reduziert oder ganz vermieden werden.
Synthetische Farbstoffe
Farbstoffe, die als CI + Nummer gekennzeichnet sind (z. B. CI 42090, CI 19140), erfüllen keinerlei pflegende Funktion. Sie dienen ausschließlich dazu, dem Produkt eine attraktive Farbe zu verleihen, und können die empfindliche Kinderhaut reizen. In Kosmetik für die Kleinsten sind sie überflüssig.
SLS (Sodium Lauryl Sulfate)
Ein starkes anionisches Tensid, das wirksam reinigt, aber die Lipidbarriere der Haut beeinträchtigen kann. Bei Kindern, deren Barriere von Natur aus schwächer ist, ist das Risiko von Austrocknung und Reizungen größer. Bessere Alternativen sind milde Glucoside (Coco-Glucoside, Decyl Glucoside) oder amphotere Tenside (Cocamidopropyl Betaine).
Ätherische Öle
Natürlich bedeutet nicht sicher — besonders im Hinblick auf Kinderhaut. Ätherische Öle enthalten stark biologisch aktive Verbindungen (Terpene, Phenole), die allergische Reaktionen oder Reizungen auslösen können. Die Europäische Gesellschaft für Kinderheilkunde empfiehlt Vorsicht bei der Anwendung ätherischer Öle bei Kindern unter 2 Jahren. Auf der INCI-Liste können sie unter botanischen Namen erscheinen, z. B. Lavandula Angustifolia Oil, Melaleuca Alternifolia Leaf Oil.
Konservierungsstoffe mit hohem Sensibilisierungspotenzial
Methylisothiazolinone (MI) und Methylchloroisothiazolinone (MCI) sind Konservierungsstoffe, die 2013 in der EU für Leave-on-Produkte verboten wurden — wegen einer Epidemie von Kontaktallergien. In abwaschbaren Produkten dürfen sie weiterhin enthalten sein — bei Kindern sollte man sie meiden.
Für Kinder sichere Inhaltsstoffe
- Glycerin (Glycerin) — spendet Feuchtigkeit ohne Reizungsrisiko, von Natur aus in der Haut vorhanden.
- Panthenol (Panthenol) — unterstützt die Regeneration, lindert Reizungen.
- Sheabutter (Butyrospermum Parkii Butter) — rückfettend und schützt die Lipidbarriere.
- Squalan (Squalane) — leichtes Emolliens, von empfindlicher Haut gut vertragen.
- Allantoin (Allantoin) — wirkt beruhigend und besänftigend.
Ausführliche Profile dieser Inhaltsstoffe finden Sie in der PurScore-Enzyklopädie der Inhaltsstoffe.
Worauf sollte man bei der Auswahl achten?
- Lesen Sie die INCI-Liste, nicht den Marketingtext. „Natürlich“ und „sanft“ sind unregulierte Begriffe.
- Wählen Sie duftfreie Produkte — oder solche mit einem Minimum an Duftstoffen.
- Achten Sie auf milde Tenside in Reinigungsprodukten (Glucoside statt SLS).
- Prüfen Sie, ob das Produkt eine zusätzliche Bewertung durchlaufen hat — seriöse Hersteller von Säuglingsprodukten weisen darauf auf der Verpackung hin.
- Weniger ist mehr — je kürzer die Liste der Inhaltsstoffe, desto geringer das Reaktionsrisiko.
EU-Regelung — was man wissen sollte
Die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 ist der grundlegende Rechtsakt zur Regulierung von Kosmetika in der Europäischen Union. Für Produkte, die für Kinder unter 3 Jahren bestimmt sind, verlangt sie eine zusätzliche Sicherheitsbewertung, welche die Besonderheiten der Kinderhaut berücksichtigt (Dicke, Durchlässigkeit, Verhältnis von Oberfläche zu Körpermasse). Der Hersteller muss diese Bewertung im Sicherheitsbericht (CPSR — Cosmetic Product Safety Report) dokumentieren.
Wissenswert ist außerdem, dass bestimmte Inhaltsstoffe (z. B. Salicylsäure) in der EU in Kosmetik für Kinder unter 3 Jahren verboten sind, mit Ausnahme von Shampoos.
Fazit
Das Etikett „für Kinder“ ist ein Ausgangspunkt, keine Sicherheitsgarantie. Entscheidend ist, die INCI-Inhaltsstoffe zu lesen und Duftstoffe, Farbstoffe, SLS und ätherische Öle zu meiden. Eine kurze Liste von Inhaltsstoffen mit sicheren Basen (Glycerin, Panthenol, Sheabutter) ist die beste Strategie für die Pflege der Haut der Kleinsten.
FAQ
Nein. In der EU ist die Bezeichnung 'für Kinder' rechtlich nicht geregelt — ein Hersteller kann sie ohne zusätzliche Zertifizierungen anbringen. Nur Produkte, die für Kinder unter 3 Jahren bestimmt sind, müssen gemäß der Verordnung 1223/2009 eine zusätzliche Sicherheitsbewertung durchlaufen.
Ätherische Öle enthalten stark biologisch aktive Verbindungen (Terpene, Phenole), die bei Kindern, deren Haut dünner und durchlässiger ist als die von Erwachsenen, allergische Reaktionen oder Reizungen auslösen können. Besondere Vorsicht wird bei Kindern unter 2 Jahren empfohlen.
Am sichersten sind milde Glucoside (Coco-Glucoside, Decyl Glucoside) sowie amphotere Tenside (Cocamidopropyl Betaine). SLS (Sodium Lauryl Sulfate), das die Lipidbarriere der empfindlichen Kinderhaut beeinträchtigen kann, sollte man meiden.
Es gibt keine starre Grenze — das hängt von der Reife der Haut des jeweiligen Kindes ab. Als Richtwert stabilisiert sich die Hautbarriere etwa im Alter von 5–6 Jahren. Bis dahin sollte man Produkte mit kurzer, milder Zusammensetzung verwenden und starke Wirkstoffe sowie Duftstoffe meiden.
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