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Haarpflege • 7 Min. Lesezeit

Curly-Girl-Methode und INCI: Welche Inhaltsstoffe meiden und welche suchen?

Die Curly-Girl-Methode aus INCI-Sicht: erlaubte Silikone, Sulfat-Alternativen, Co-Washing und welche Inhaltsstoffe deine Locken unterstützen.

Veröffentlicht: 2025-08-24 • Aktualisierung: 2024-12-26

Was ist die Curly-Girl-Methode?

Die Curly-Girl-Methode (CGM — Curly Girl Method) ist ein Pflegesystem für lockiges und welliges Haar, das Lorraine Massey in ihrem Buch „Curly Girl: The Handbook" entwickelt hat. Ihr Fundament ist der Verzicht auf aggressive Tenside und unlösliche Silikone zugunsten einer milden Reinigung und intensiver Feuchtigkeitspflege. Ziel ist es, die natürliche Lockenstruktur wiederherzustellen und den Zustand des Haares zu verbessern.

Aus Sicht der Inhaltsstoffe beruht die CGM auf drei Hauptprinzipien: keine Sulfate, keine wasserunlöslichen Silikone und keine austrocknenden Alkohole. Das klingt einfach — doch in der Praxis kann die Analyse der INCI-Listen zur Herausforderung werden.

Prinzip Nr. 1: Keine Sulfate (sulfatfrei)

Bei der CGM sind starke anionische Tenside verboten, vor allem: Details findest du in unserer Inhaltsstoff-Enzyklopädie.

  • Sodium Lauryl Sulfate (SLS)
  • Sodium Laureth Sulfate (SLES)
  • Ammonium Lauryl Sulfate (ALS)
  • Ammonium Laureth Sulfate

Warum? Starke Tenside entfernen die natürlichen Lipide zu aggressiv, die die Locken vor Austrocknung und Frizz schützen. Lockiges Haar neigt von Natur aus stärker zu Trockenheit — die gewundene Haarstruktur erschwert es, den Talg von der Kopfhaut über die gesamte Länge zu verteilen. Mehr über Tenside erfährst du in unserem Artikel über SLS und SLES.

In der CGM erlaubte Tenside

  • Coco-Glucoside — mildes nichtionisches Tensid aus Kokosöl
  • Decyl Glucoside — sanft und biologisch abbaubar
  • Sodium Cocoyl Isethionate (SCI) — anionisch, aber mild, auf Kokosbasis
  • Cocamidopropyl Betaine — amphoteres Co-Tensid
  • Sodium Cocoyl Glutamate — auf Aminosäurebasis, sehr sanft

Prinzip Nr. 2: Keine wasserunlöslichen Silikone

Das ist wahrscheinlich das umstrittenste und zugleich am schwierigsten umzusetzende Prinzip. Die CGM verbietet Silikone, die sich nicht in Wasser lösen, da sie sich auf dem Haar ablagern (Build-up) und die Feuchtigkeitsaufnahme blockieren können.

In der CGM verbotene Silikone

  • Dimethicone — das gängigste, unlösliche Silikon
  • Amodimethicone — lagert sich auf dem Haar ab, schwer ohne SLS auszuwaschen
  • Cyclomethicone — zyklisches Silikon, ökologisch umstritten
  • Trimethicone
  • Cetyl Dimethicone
  • Cetearyl Methicone

Mehr über Silikone und ihre Einteilung findest du in unserem ausführlichen Ratgeber.

In der CGM erlaubte Silikone (wasserlöslich)

Nicht alle Silikone sind verboten. Wasserlösliche Silikone (water-soluble silicones) lagern sich nicht auf dem Haar ab und lassen sich mit einem milden Shampoo auswaschen:

  • PEG-12 Dimethicone
  • Dimethicone Copolyol
  • PEG/PPG-18/18 Dimethicone
  • Hydroxypropyl Polysiloxane

Faustregel: Wenn der Silikonname das Präfix PEG- oder die Endung -copolyol enthält, ist es wahrscheinlich wasserlöslich und in der CGM zulässig.

Prinzip Nr. 3: Keine austrocknenden Alkohole

Die CGM unterteilt Alkohole in zwei Kategorien:

Verboten (austrocknend)

  • Alcohol Denat. (denaturierter Alkohol)
  • Isopropyl Alcohol
  • SD Alcohol 40

Erlaubt (Fettalkohole — feuchtigkeitsspendend)

  • Cetyl Alcohol — Emolliens, geschmeidigmachend
  • Cetearyl Alcohol — Emulgator, verleiht Konsistenz
  • Stearyl Alcohol — feuchtigkeitsspendender Fettalkohol

Ein Fettalkohol in der INCI-Liste? Keine Panik — das ist ein feuchtigkeitsspendender und kein austrocknender Inhaltsstoff.

Co-Washing — Waschen mit Spülung

Co-Washing (conditioner washing) ist eine Technik, bei der das Haar ausschließlich mit Spülung und ohne Shampoo gewaschen wird. Es ist eine beliebte Praxis in der CGM, besonders für sehr trockenes und stark lockiges Haar (Typ 3C–4C).

Wie funktioniert das? Spülungen enthalten geringe Mengen an Tensiden (z. B. Cetrimonium Chloride, Behentrimonium Chloride), die sanft reinigen und gleichzeitig Feuchtigkeit spenden. Allerdings entfernen sie Silikonprodukte nicht wirksam — deshalb erfordert die CGM gleichzeitig den Verzicht auf unlösliche Silikone.

In unserer Kategorien der Spülungen kannst du die für Co-Washing geeigneten Produkte herausfiltern.

Wann reicht Co-Washing möglicherweise nicht aus?

  • Bei fettiger Kopfhaut — die Reinigung ist zu sanft
  • Bei der Verwendung von Stylingprodukten mit schweren Inhaltsstoffen
  • Bei dermatologischen Problemen (Schuppen, seborrhoische Dermatitis)

In solchen Fällen ist ein mildes Shampoo mit erlaubten Tensiden (sogenanntes Low-Poo) besser geeignet als reines Co-Washing.

Last Wash — der erste Schritt zur CGM

Vor dem Start der Curly-Girl-Methode empfiehlt sich ein sogenannter Last Wash — die letzte Wäsche mit einem sulfathaltigen Shampoo. Ziel ist es, die im Haar angesammelten Silikone gründlich zu entfernen, damit die Feuchtigkeitspflege vom ersten CGM-Tag an wirken kann. Nach dieser Wäsche steigst du vollständig auf CGM-konforme Produkte um.

Ist die CGM für jeden geeignet?

Die Curly-Girl-Methode funktioniert am besten bei Menschen mit lockigem und welligem Haar (Typ 2A–4C). Sie ist nicht für alle Haartypen notwendig oder empfehlenswert. Personen mit glattem Haar oder Kopfhautproblemen spüren möglicherweise keine Vorteile, und der Verzicht auf Sulfate kann zu einer unzureichenden Reinigung führen.

Ein wissenschaftlicher Ansatz legt nahe, die CGM eher als eine Sammlung von Empfehlungen denn als Dogmen zu betrachten. Wenn dein Haar gut auf ein bestimmtes Silikon reagiert — musst du es nicht allein deshalb weglassen, weil „die Methode es verbietet". Der Schlüssel ist die Beobachtung des eigenen Haares.

Möchtest du prüfen, ob dein Shampoo oder deine Spülung CGM-konform ist? Analysiere die Inhaltsstoffe mit unserer Inhaltsstoff-Suche.

Prüfe die Inhaltsstoffe deines Kosmetikprodukts →

FAQ

Ja — die CGM ist sowohl für Locken (Typ 3–4) als auch für Wellen (Typ 2) gedacht. Welliges Haar reagiert oft gut auf den Verzicht auf Sulfate und Silikone und gewinnt dadurch eine bessere Definition der Lockenstruktur.

Der einfachste Weg: Achte in der INCI-Liste auf das Präfix PEG- oder die Endung -copolyol. So ist beispielsweise PEG-12 Dimethicone wasserlöslich, gewöhnliches Dimethicone hingegen nicht. Im Zweifelsfall prüfe es in unserer Inhaltsstoff-Datenbank.

Bei Menschen mit fettiger Kopfhaut kann das passieren — deshalb bietet die CGM eine Alternative in Form von Low-Poo, also Shampoos mit milden Tensiden. Co-Washing funktioniert am besten bei Menschen mit trockener Kopfhaut und stark lockigem Haar.

Nein — viele Fachleute empfehlen einen flexiblen Ansatz. Du kannst zum Beispiel auf SLS verzichten, aber leichte Silikone beibehalten, wenn dein Haar sie braucht. Die CGM ist eine Sammlung von Empfehlungen, kein starres Regelwerk.

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