Zahnpasta mit Fluorid vs. ohne Fluorid – was die Studien sagen
Zahnpasta mit oder ohne Fluorid – was sagen aktuelle Studien? Wir analysieren die Wirksamkeit von Fluorid, das Fluorose-Risiko und Argumente für fluoridfreie Pasten.
Fluorid in Zahnpasta – woher es kommt und wie es wirkt
Natriumfluorid (Sodium Fluoride) und Natriummonofluorphosphat (Sodium Monofluorophosphate) sind Wirkstoffe, die seit den 1950er-Jahren in der überwiegenden Mehrheit der Zahnpasten enthalten sind. Ihre Wirkung beruht auf drei Mechanismen:
- Remineralisierung: Fluoridionen verbinden sich mit Kalzium- und Phosphationen im Zahnschmelz zu Fluorapatit – einer Form von Hydroxylapatit, die widerstandsfähiger gegenüber den Säuren ist, die von den Bakterien der Zahnplaque produziert werden.
- Hemmung von Bakterien: Fluorid hemmt in den in Zahnpasten verwendeten Konzentrationen die enzymatische Aktivität von Streptococcus mutans – dem wichtigsten Karieserreger.
- Reduktion der Demineralisierung: Eine fluoridreiche Umgebung in der Mundhöhle senkt den pH-Schwellenwert, ab dem sich der Zahnschmelz auflöst.
Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2019 (Walsh et al.), der 96 randomisierte Studien umfasst, bestätigt, dass fluoridhaltige Zahnpasten mit einer Konzentration von 1000–1500 ppm das Kariesrisiko bei Kindern und Erwachsenen im Vergleich zu Placebo senken.
Wie viel Fluorid in Zahnpasta ist sicher?
Die EU-Verordnung 1223/2009 (Anhang III) lässt Fluorid in Zahnpasten in einer Höchstkonzentration von 0,15 % (1500 ppm F) zu. Zahnpasten für Kinder bis zum 6. Lebensjahr enthalten in der Regel 500–1000 ppm, Zahnpasten für Erwachsene 1000–1500 ppm. Pasten mit höheren Konzentrationen (1450–5000 ppm) sind verschreibungspflichtige Produkte für Patientinnen und Patienten mit hohem Kariesrisiko.
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Fluorose – wann ist sie ein Risiko?
Fluorose ist eine Störung der Schmelzmineralisierung, die durch eine übermäßige Fluoridexposition während der Bildung der bleibenden Zähne (bis etwa zum 8. Lebensjahr) entsteht. Sie äußert sich durch weiße Flecken oder, in schwereren Formen, durch braune Verfärbungen und Grübchen im Zahnschmelz. Das Fluorose-Risiko steigt bei:
- dem Verschlucken von Zahnpasta durch kleine Kinder (daher die Empfehlung einer erbsengroßen Menge für Kinder von 3–6 Jahren),
- der Verwendung von Zahnpasten mit hohem Fluoridgehalt bei Säuglingen und Kleinkindern,
- dem Leben in Regionen mit natürlich hohem Fluoridgehalt im Wasser (über 1,5 mg/l).
Bei Erwachsenen mit bleibendem Gebiss ist eine Fluorose nicht mehr möglich – das Risiko betrifft ausschließlich die Phase der Mineralisierung der bleibenden Zähne.
Fluoridfreie Zahnpasten – Argumente und Realität
Hersteller fluoridfreier Zahnpasten bieten verschiedene Alternativen an:
- Hydroxylapatit (Nano-HA): Eine synthetische Form des Minerals, das den Zahnschmelz auf natürliche Weise aufbaut. Studien (u. a. Tschoppe et al., 2011; Enax et al., 2019) deuten darauf hin, dass Nano-HA eine vergleichbare remineralisierende Wirksamkeit wie niedrige Fluoridkonzentrationen aufweisen kann. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie der SCCS bewerten Nano-HA in den in Zahnpasten verwendeten Konzentrationen (bis zu 10 %) als sicher.
- Xylit: Hemmt das Wachstum von S. mutans und verringert die Klebrigkeit des Speichels. Wird meist als ergänzender Bestandteil eingesetzt, nicht als eigenständige Alternative zu Fluorid.
- Calciumcarbonat, Zeolithe: Putzkörper – sie polieren den Zahnschmelz, weisen aber keine mit Fluorid vergleichbare remineralisierende Wirkung auf.
Ein ehrliches Fazit: Für die meisten Erwachsenen mit normaler Ernährung und Zugang zur zahnärztlichen Prophylaxe können Zahnpasten mit Hydroxylapatit ausreichend sein. Für Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko sowie für Erwachsene mit Mundtrockenheit, kieferorthopädischen Apparaturen oder Parodontalerkrankungen bleibt Fluorid in den empfohlenen Konzentrationen jedoch der Goldstandard.
Was sagen die wissenschaftlichen Fachgesellschaften?
Die Polnische Gesellschaft für Zahnheilkunde, die European Association of Paediatric Dentistry (EAPD) sowie die WHO empfehlen fluoridhaltige Zahnpasten als grundlegende Kariesprophylaxe für alle Altersgruppen (mit angepasster Konzentration). Keine bedeutende wissenschaftliche Fachgesellschaft empfiehlt, Fluorid bei Personen ohne besondere medizinische Indikation routinemäßig durch andere Inhaltsstoffe zu ersetzen.
Wer kann über eine fluoridfreie Zahnpasta nachdenken?
- Personen, die in Regionen mit hohem natürlichen Fluoridgehalt im Trinkwasser leben (>1,5 mg/l) – nach Rücksprache mit der Zahnärztin oder dem Zahnarzt.
- Eltern, die Hydroxylapatit für Kinder bevorzugen, die die Zahnpasta verschlucken (bis sie das Ausspucken gelernt haben) – als Option, nicht als Regel.
- Personen mit einer bestätigten Überempfindlichkeit gegenüber Fluoriden (selten).
Die vollständige Datenbank der Zahnpasta-Inhaltsstoffe und ihre Sicherheitsprofile findest du in der Inhaltsstoff-Enzyklopädie von PurScore. Produkte zur Zahnaufhellung vergleichst du in der Kategorien Zahnaufhellung.
Der Artikel hat einen rein informativen Charakter und ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Die Entscheidung über die Wahl der Zahnpasta – insbesondere für Kinder – sollte mit einer Zahnärztin oder einem Zahnarzt besprochen werden.
FAQ
Für die meisten Erwachsenen mit niedrigem Kariesrisiko können Zahnpasten mit Hydroxylapatit bei der Remineralisierung vergleichbar wirksam sein. Für Kinder, Personen mit Mundtrockenheit und Patientinnen und Patienten mit kieferorthopädischen Apparaturen bleibt Fluorid in den empfohlenen Konzentrationen jedoch der durch klinische Studien bestätigte Standard.
Die EAPD empfiehlt die Verwendung von Zahnpasta mit 1000 ppm F ab dem Durchbruch des ersten Zahns (etwa ab dem 6. Lebensmonat) in einer reiskorngroßen Menge. Ab dem 3. Lebensjahr kann auf eine erbsengroße Menge erhöht werden. Zahnpasta mit 1450 ppm wird bei Kindern über 6 Jahren verwendet.
Fluorose bezeichnet kosmetische oder (selten) strukturelle Veränderungen im Zahnschmelz, die durch eine übermäßige Fluoridaufnahme in der Kindheit entstehen. Eine leichte Fluorose (weiße Flecken) ist überwiegend ein ästhetisches Problem. Schwere Fluorose ist in Ländern mit kontrollierter Wasserfluoridierung selten.
Ja – Nano-Hydroxylapatit (Nano-HA) gilt laut SCCS in den in Zahnpasten verwendeten Konzentrationen als sicher. Es baut den natürlichen Mineralstoff des Zahnschmelzes auf und zeigt vielversprechende remineralisierende Eigenschaften, auch wenn die Datenlage geringer ist als bei Fluorid.
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