Premium
Körperpflege • 6 Min. Lesezeit

Mechanisches vs. chemisches Peeling — was verrät die Inhaltsstoffliste?

Mechanisches und chemisches Peeling im Vergleich. AHA, BHA, PHA, Enzyme oder Schleifpartikel? So findest du das richtige Peeling für deinen Hauttyp.

Veröffentlicht: 2026-04-17 • Aktualisierung: 2026-04-17

Exfoliation — warum ist sie nötig?

Der natürliche Erneuerungszyklus der Oberhaut dauert etwa 28 Tage — die Zellen entstehen in der Basalschicht und wandern allmählich zur Oberfläche, wo sie sich schließlich als abgestorbene Korneozyten ablösen. Mit zunehmendem Alter, bei trockener Haut oder unter dem Einfluss äußerer Faktoren verlangsamt sich dieser Prozess. Das Ergebnis? Eine fahle, raue Haut, Mitesser, ein ungleichmäßiger Teint und eine erschwerte Aufnahme von Pflegekosmetik.

Peelings beschleunigen die Entfernung abgestorbener Zellen, tun dies jedoch auf zwei grundlegend verschiedene Arten — mechanisch und chemisch. Wer die Zusammensetzung versteht, kann eine Methode wählen, die für den jeweiligen Hauttyp sicher und wirksam ist.

Mechanisches Peeling — physikalische Exfoliation

Wie wirkt es?

Ein mechanisches Peeling enthält schleifende (abrasive) Partikel, die abgestorbene Hautzellen durch Reibung physikalisch entfernen. Der Effekt ist sofort sichtbar — die Haut fühlt sich umgehend glatter an.

Arten von Schleifpartikeln in der INCI-Liste

  • Pumice (Bimsstein) — natürliche, recht scharfkantige Vulkanpartikel. Vor allem in Fußpeelings verwendet.
  • Silica / Hydrated Silica — synthetische Kieselsäure mit kontrollierter Kornform. Sanfter als natürliche Mineralien.
  • Sucrose / Sugar — kristalliner Zucker. Löst sich in Wasser auf, was das Reizungsrisiko verringert — je länger man massiert, desto sanfter wirkt er.
  • Sodium Chloride (Salz) — ähnlich wie Zucker wasserlöslich. Abrasiver als Zucker.
  • Prunus Armeniaca Seed Powder — Aprikosenkerne, ein klassischer (aber umstrittener) Inhaltsstoff. Die unregelmäßige Kornform kann Mikroverletzungen der Oberhaut verursachen.
  • Juglans Regia Shell Powder — gemahlene Walnussschalen. Dieselben Bedenken wie bei Aprikosenkernen.
  • Oryza Sativa Bran — Reiskleie. Eines der sanftesten natürlichen Schleifmittel.

Das Problem mit Mikroplastik

Bis vor Kurzem enthielten viele Peelings Polyethylene (PE) — synthetische Mikrokügelchen aus Kunststoff. Seit 2023 hat die Europäische Union Beschränkungen für Mikroplastik in Kosmetika eingeführt. Achte in der INCI-Liste auf: Polyethylene, Nylon-12, Polymethyl Methacrylate — diese Stoffe sind in Partikelform Mikroplastik. Es lohnt sich, sie in unserer Inhaltsstoff-Enzyklopädie nachzuschlagen.

Vor- und Nachteile des mechanischen Peelings

Vorteile: sofortiger Effekt, einfach in der Anwendung, keine Einwirkzeit erforderlich.

Nachteile: Risiko von Mikroverletzungen bei zu scharfkantigen Partikeln oder zu starkem Druck, ungeeignet für Haut mit Couperose, Akne oder Reizungen.

Chemisches Peeling — Exfoliation ohne Reibung

Wie wirkt es?

Chemische Peelings enthalten Substanzen, die die Verbindungen zwischen den abgestorbenen Hautzellen (Desmosomen) auflösen oder lockern. Die Zellen lösen sich von selbst ab, ganz ohne mechanische Reibung. Der Effekt baut sich allmählich auf und hängt von der Konzentration, dem pH-Wert des Produkts und der Einwirkzeit ab.

AHA — Alpha-Hydroxysäuren

Wasserlöslich, wirken an der Oberfläche der Oberhaut. Ideal für trockene, fahle und faltige Haut.

  • Glycolic Acid (Glykolsäure) — das kleinste AHA-Molekül, dringt am tiefsten ein. Wirksam, aber potenziell reizend. Konzentration für zu Hause: 5–10 %, professionell: 20–70 %.
  • Lactic Acid (Milchsäure) — milder als Glykolsäure und spendet zusätzlich Feuchtigkeit (humektierende Wirkung). Ein guter Einstiegspunkt für Anfänger.
  • Mandelic Acid (Mandelsäure) — großes Molekül, langsame Penetration. Die mildeste der gängigen AHAs. Wird von empfindlicher Haut und Couperose gut vertragen.
  • Tartaric Acid, Citric Acid, Malic Acid — seltener allein verwendet, häufiger als Bestandteile von AHA-Mischungen.

BHA — Beta-Hydroxysäuren

  • Salicylic Acid (Salicylsäure) — fettlöslich, dringt ins Innere der Poren vor. Ideal für fettige Haut, Akne und Mitesser. Konzentration für zu Hause: 0,5–2 %. Wirkt zudem entzündungshemmend.

PHA — Polyhydroxysäuren

  • Gluconolactone, Lactobionic Acid — große Moleküle, wirken ausschließlich an der Oberfläche der Oberhaut. Die mildeste Kategorien der exfolierenden Säuren. Sie spenden Feuchtigkeit, wirken antioxidativ und erhöhen die Lichtempfindlichkeit nicht so stark wie AHAs. Empfohlen für empfindliche Haut, Couperose und nach dermatologischen Behandlungen.

Enzympeelings

Proteolytische Enzyme (die das Eiweiß Keratin abbauen) wirken ähnlich wie Säuren, aber noch sanfter und unabhängig vom pH-Wert des Produkts:

  • Papain — ein Enzym aus der Papaya.
  • Bromelain — ein Enzym aus der Ananas.
  • Subtilisin — ein bakterielles Enzym, das in professionellen Präparaten eingesetzt wird.

Enzympeelings sind die schonendste Form der Exfoliation — geeignet sogar für reaktive und zu Akne neigende Haut. Sie wirken in kurzer Einwirkzeit (5–10 Minuten) und müssen nicht einmassiert werden.

Welches Peeling für welchen Hauttyp?

Normale Haut

Profitiert von beiden Arten. Mechanisch 1–2× pro Woche, chemisch (AHA 5–8 %) 2–3× pro Woche. Am besten beide Methoden nicht am selben Tag kombinieren.

Trockene Haut

Milchsäure (Lactic Acid) oder PHA. Ein mechanisches Peeling mit Zucker (löslichen Partikeln) ist sicher, sollte aber nicht zu häufig angewendet werden.

Fettige / zu Akne neigende Haut

BHA (Salicylsäure) ist der Goldstandard — sie reinigt die Poren von innen und wirkt entzündungshemmend. Vermeide aggressive mechanische Peelings — sie können Bakterien verbreiten und Entzündungen verstärken.

Empfindliche Haut / Couperose

PHA oder ein Enzympeeling. Vermeide mechanische Scrubs mit scharfkantigen Partikeln unbedingt. Mehr darüber, wie du Inhaltsstoffe auf empfindliche Haut abstimmst, findest du in unserem Artikel über natürliche und synthetische Inhaltsstoffe.

Häufigkeit und Sicherheit

  • Mechanische Körperpeelings: 1–2× pro Woche.
  • AHA-/BHA-Säuren: Beginne mit niedrigen Konzentrationen, 1–2× pro Woche, und steigere die Häufigkeit allmählich.
  • AHAs erhöhen die Lichtempfindlichkeit — verwende nach ihrer Anwendung mindestens 7 Tage lang einen Sonnenschutz (SPF).
  • Kombiniere nicht mehrere Exfoliationsmethoden gleichzeitig — übermäßiges Peeling zerstört die Schutzbarriere.

Wie liest man die Inhaltsstoffe eines Peelings?

Achte in der INCI-Liste auf:

  1. Die Position des Wirkstoffs — je weiter oben, desto höher die Konzentration.
  2. Das Vorhandensein beruhigender Inhaltsstoffe (Panthenol, Allantoin, Bisabolol) — ein gutes Zeichen bei chemischen Peelings.
  3. Das Fehlen von Mikroplastik (Polyethylene, Nylon-12).
  4. Den pH-Wert des Produkts (sofern angegeben) — für AHAs liegt der wirksame pH-Wert bei 3,0–4,0.

Prüfe die Inhaltsstoffe deines Kosmetikprodukts →

FAQ

Nicht in einer Sitzung. Beide Methoden gleichzeitig anzuwenden erhöht das Risiko von Reizungen und einer Schädigung der Schutzbarriere. Man kann sie abwechselnd einsetzen — zum Beispiel mechanisch am Montag, chemisch am Donnerstag.

Für Einsteiger eignet sich am besten Milchsäure (Lactic Acid) in einer Konzentration von 5 % oder ein Enzympeeling mit Papain. Beide sind mild, werden gut vertragen und lassen die Hautreaktion beurteilen, bevor man zu stärkeren Substanzen übergeht.

Das kann es, wenn die Schleifpartikel eine unregelmäßige, scharfe Form haben (z. B. gemahlene Kerne, Nussschalen). Sicherer sind Partikel mit kontrollierter Form (Silica) oder lösliche (Zucker, Salz). Entscheidend ist außerdem ein sanftes Auftragen — ohne Druck.

Ja, unbedingt. AHA-Säuren erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut noch bis zu 7 Tage nach der Anwendung. Verwende eine Creme mit Lichtschutzfaktor SPF 30+ auf den freiliegenden Körperpartien. BHA und PHA erhöhen die Lichtempfindlichkeit in geringerem Maße, doch ein Sonnenschutz ist immer ratsam.

Mehr solche Artikel?

Trage dich in unseren Newsletter ein — kostenlose Tipps zu Kosmetikinhaltsstoffen, wöchentlich.

Daten geschützt gemäß Datenschutzrichtlinie.

Produkte prüfen

Suchst du Kosmetik zu diesem Thema? Vergleiche Inhaltsstoffe und Preise auf PurScore.

0 Produkte