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Haarkosmetik — Styling • 6 min Min. Lesezeit

Glättendes Haarserum — Silikone, Öle und die Wissenschaft hinter dem Anti-Frizz-Effekt

Wie wirkt ein glättendes Haarserum? Dimethicone, Cyclomethicone und Amodimethicone gegen natürliche Öle. Die Wissenschaft hinter Frizz und CGM-Alternativen.

Veröffentlicht: 2024-02-12 • Aktualisierung: 2025-10-17

Warum kräuselt sich Haar? Die Wissenschaft hinter dem Frizz-Effekt

Bevor wir uns dem glättenden Serum widmen, lohnt es sich zu verstehen, warum Haar sich überhaupt kräuselt. Der Frizz-Effekt ist keine Frage von „schlechtem Haar" — er ist reine Physik und Chemie auf der Ebene der Haarstruktur.

Menschliches Haar enthält Wasserstoffbrückenbindungen, die die Keratinketten im Haarkortex miteinander verbinden. Diese Bindungen sind temporär — sie brechen unter dem Einfluss von Wasser auf (deshalb verändert nasses Haar seine Form) und bilden sich nach dem Trocknen wieder neu. Das Problem entsteht bei hoher Luftfeuchtigkeit: Wassermoleküle aus der Luft dringen in die Haarstruktur ein, brechen die Wasserstoffbrücken auf und bilden neue, unregelmäßige Verbindungen. Das Ergebnis? Das Haar verändert seine Form auf unvorhersehbare Weise — es kräuselt sich.

Je stärker die Cuticula (die äußere Haarschicht) geschädigt ist, desto leichter dringt Wasser ins Innere vor. Deshalb kräuseln sich poröses, gefärbtes sowie thermisch und chemisch geglättetes Haar stärker als gesundes Haar. Ein glättendes Serum setzt genau auf dieser Ebene an — es bildet eine Barriere, die das Eindringen von Feuchtigkeit begrenzt.

Dimethicone — das beliebteste Silikon in glättenden Seren

Dimethicone (Polydimethylsiloxan) ist das wichtigste Silikon in der Haarkosmetik. Auf der INCI-Liste der meisten glättenden Seren steht es an erster oder zweiter Stelle. Sein Wirkmechanismus beruht auf der Bildung einer hydrophoben (wasserabweisenden) Schicht auf der Haaroberfläche.

Dimethicone besitzt außergewöhnliche physikalische Eigenschaften: Es ist wasserunlöslich, hat eine sehr niedrige Oberflächenenergie (deshalb verteilt es sich gleichmäßig auf dem Haar), dringt nicht ins Haarinnere ein und bildet einen glatten, gleichmäßigen Film. Dieser Film „glättet" die aufgestellten Schuppen der Cuticula, reflektiert Licht (daher der Glanzeffekt) und blockiert das Eindringen von Feuchtigkeit aus der Luft (daher der Anti-Frizz-Effekt).

Es gibt jedoch einen wichtigen Punkt: Dimethicone ist wasserunlöslich und benötigt Tenside (Shampoo) zur Entfernung. Bei häufiger Anwendung ohne entsprechende Reinigung entsteht ein Build-up — eine Schicht, die das Haar mit der Zeit schwer, stumpf und „eigenartig glitschig" macht. Das detaillierte Profil von Dimethicone finden Sie in unserer Inhaltsstoff-Datenbank.

Cyclomethicone und Amodimethicone — Silikone der neuen Generation

Nicht alle Silikone sind gleich. Cyclomethicone (Cyclopentasiloxan) ist ein flüchtiges Silikon — es verdunstet nach dem Auftragen auf das Haar und hinterlässt nur eine dünne Schicht anderer Silikone (meist Dimethiconol), die sich an die Haaroberfläche „angeheftet" haben. Dadurch verursacht es nicht so schnell einen Build-up wie Dimethicone.

Amodimethicone ist ein mit Aminen modifiziertes Silikon — es besitzt Aminogruppen, die sich an geschädigte Stellen des Haares binden. Das bedeutet, dass es sich selektiv anlagert: mehr dort, wo die Cuticula beschädigt ist, weniger an gesunden Abschnitten. Es ist das fortschrittlichste Silikon in Seren und wird von einem Teil der CGM-Anhänger als akzeptabel angesehen, weil es keinen schweren Build-up bildet.

Hierarchie der Silikone hinsichtlich des Build-up-Risikos:

  • Dimethicone — höchstes Risiko, wasserunlöslich
  • Amodimethicone — moderates Risiko, selektive Bindung
  • Cyclomethicone — geringes Risiko, flüchtig (verdunstet)
  • Dimethicone Copolyol — niedrigstes Risiko, wasserlöslich

Natürliche Öle als Alternative — Argan, Jojoba, Marula

Pflanzliche Öle sind eine natürliche Alternative zu Silikonen in glättenden Seren. Sie wirken nach einem ähnlichen Prinzip — sie bilden eine Schutzschicht auf der Haaroberfläche — allerdings mit wesentlichen Unterschieden im Mechanismus und im Ergebnis.

Arganöl (Argania Spinosa Kernel Oil) ist vermutlich das am häufigsten verwendete Öl in Haarseren. Es enthält Fettsäuren (Öl- und Linolsäure), Vitamin E und Squalen. Es dringt besser ins Haarinnere ein als Silikone, was bedeutet, dass es nicht nur die Oberfläche glättet, sondern das Haar auch von innen pflegt.

Jojobaöl (Simmondsia Chinensis Seed Oil) ist technisch gesehen kein Öl, sondern ein flüssiges Wachs. Seine Struktur ähnelt dem menschlichen Sebum, wodurch es die Feuchtigkeit des Haares hervorragend reguliert, ohne einen fettigen Effekt zu hinterlassen.

Vergleich Silikone vs. Öle:

  • Silikone — stärkerer Anti-Frizz-Effekt, höherer Glanz, Build-up-Risiko, keine Pflegewirkung
  • Öle — sanftere Glättung, pflegend, können feines Haar beschweren, kein Build-up

CGM-freundliche Alternativen — Leinsamengel, Aloe und natürliche Polymere

Die CGM-Methode schließt wasserunlösliche Silikone aus, wodurch die meisten klassischen glättenden Seren ausgeschlossen sind. Die CGM-Community hat jedoch alternative Anti-Frizz-Lösungen entwickelt:

Leinsamengel (Flaxseed Gel) — ein selbstgemachtes oder kommerzielles Produkt aus Leinsamen, reich an natürlichen Polysacchariden, die einen leichten Film auf dem Haar bilden. Es wirkt ähnlich wie Carbomer in Gelen, ist aber vollständig natürlich. Es definiert die Locken und reduziert das Kräuseln, ohne zu beschweren.

Aloe Vera Gel — Aloe-Gel enthält Polysaccharide (Acemannan), die Feuchtigkeit spenden und eine zarte Barriere auf dem Haar bilden. Es ist leichter als Leinsamengel und eignet sich besser für feines und niedrigporöses Haar.

Glycerin — ein starker Feuchtigkeitsbinder (Humektant), der unter passenden klimatischen Bedingungen (40–60 % Luftfeuchtigkeit) das Haar hervorragend mit Feuchtigkeit versorgt. In sehr trockenem oder sehr feuchtem Klima kann er die Situation jedoch verschlechtern — in trockener Luft „zieht" er Wasser aus dem Haar, in feuchter Luft zieht er überschüssiges Wasser aus der Luft an und verursacht so Frizz.

Wenn Sie nach silikonfreien Seren suchen, nutzen Sie unsere Produktsuche, um die INCI-Zusammensetzungen zu filtern.

Wie wendet man ein glättendes Serum an? Auf Chemie basierende Regeln

Die Menge ist entscheidend. Ein Silikonserum ist hochkonzentriert — 1 bis 2 Tropfen bei mittellangem Haar sind in der Regel eine ausreichende Dosis. Ein Übermaß an Silikonen erzielt keinen besseren Effekt, sondern beschwert das Haar nur und beschleunigt den Build-up.

Tragen Sie das Serum auf feuchtes Haar auf und konzentrieren Sie sich dabei auf die Längen und Spitzen. Vermeiden Sie den Haaransatz — Silikone an der Kopfhaut können ein fettiges Gefühl verursachen und das Nachwachsen des natürlichen Volumens erschweren. Wärmen Sie das Produkt vor dem Auftragen in den Händen an — Wärme senkt die Viskosität des Silikons und erleichtert die gleichmäßige Verteilung.

Wenn Sie ein Silikonserum regelmäßig verwenden, nutzen Sie alle 7 bis 14 Tage ein Tiefenreinigungsshampoo, um das angesammelte Silikon zu entfernen. Reinigende Produkte finden Sie in unserem Katalog.

Worauf sollte man bei der Wahl eines Serums achten?

Wählen Sie ein Serum, das zu Ihrem Haar und Ihrer Pflegemethode passt. Dickes, poröses und lockiges Haar reagiert am besten auf ein Serum mit Amodimethicone oder Arganöl. Feines Haar braucht leichte Formeln mit Cyclomethicone oder Dimethicone Copolyol. CGM-Anhängerinnen sollten zu Leinsamengel, Aloe oder einem Serum ausschließlich mit wasserlöslichen Silikonen greifen.

Möchten Sie wissen, welche Silikone Ihr Serum enthält? Geben Sie den Produktnamen in die PurScore-Suche ein — wir analysieren jedes Silikon in der Zusammensetzung und sagen Ihnen, ob es Build-up verursacht und ob es CGM-kompatibel ist.

FAQ

Silikone schädigen das Haar nicht — sie bilden eine Schutzschicht auf seiner Oberfläche. Das Problem entsteht beim Build-up (der Ansammlung), durch den das Haar schwer und stumpf wird. Eine regelmäßige Reinigung mit einem Tiefenreinigungsshampoo beugt diesem Effekt vor.

Dimethicone bildet eine gleichmäßige Schicht auf dem gesamten Haar. Amodimethicone bindet sich selektiv an geschädigte Stellen und sorgt so für einen natürlicheren Effekt und ein geringeres Build-up-Risiko.

Leinsamengel, Aloe und ein Serum mit wasserlöslichen Silikonen (z. B. Dimethicone Copolyol). Vermeiden Sie Dimethicone und Cyclomethicone, die einen Build-up bilden, der sich nur mit sulfathaltigen Shampoos auswaschen lässt.

Arganöl erzielt einen sanfteren Glättungseffekt als Silikone, pflegt das Haar aber zusätzlich von innen. Bei dickem, trockenem Haar kann es eine ausreichende Alternative sein. Bei feinem Haar kann es beschweren.

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