Trockene Haut — wie wählt man die Creme anhand der INCI-Liste aus?
So findest du die richtige Creme für trockene Haut. Erfahre den Unterschied zwischen Humektanten, Emollientien und Okklusiven – Ceramide, Glycerin & Urea.
Warum ist die Haut trocken?
Trockene Haut (Xerose) kann viele Ursachen haben: genetische Veranlagung, eine geschädigte Hautbarriere, Witterungseinflüsse, zu aggressive Reinigung oder ein Mangel an Feuchtigkeit. Unabhängig von der Ursache ist der Schlüssel zur Besserung das Verständnis, wie feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe wirken — und wie man sie geschickt kombiniert.
In einer gesund funktionierenden Haut wirkt die Hornschicht der Epidermis wie eine Ziegelmauer: die Korneozyten (Ziegel) sind von interzellulären Lipiden (Mörtel) umgeben — Ceramiden, Cholesterol und freien Fettsäuren. Ist diese Barriere gestört, verliert die Haut Wasser (TEWL — transepidermaler Wasserverlust) und wird trocken, rau und spannt.
Die drei Säulen der Feuchtigkeitspflege — Humektanten, Emollientien, Okklusive
Eine wirksame Creme für trockene Haut sollte Inhaltsstoffe aus allen drei Gruppen enthalten. Das ist das Fundament der modernen Pflege trockener Haut.
Humektanten — ziehen Wasser an
Humektanten sind hygroskopische Substanzen, die Wasser aus tieferen Hautschichten und aus der Umgebung in die Hornschicht der Epidermis ziehen. Die wichtigsten Humektanten:
- Glycerin (Glycerin) — der Goldstandard, hervorragend untersucht, bereits in einer Konzentration von 3–5 % wirksam, gut verträglich
- Hyaluronsäure (Hyaluronic Acid / Sodium Hyaluronate) — bindet bis zum 1000-Fachen ihres Eigengewichts an Wasser; verschiedene Molekülgrößen dringen unterschiedlich tief ein
- Harnstoff (Urea) — in einer Konzentration von 5–10 % feuchtigkeitsspendend und sanft peelend, in höheren Konzentrationen (20–40 %) stark keratolytisch
- Panthenol (Panthenol / D-Panthenol) — spendet Feuchtigkeit und beschleunigt die Regeneration der Epidermis
Achtung: Humektanten können die Haut paradoxerweise selbst austrocknen, wenn die Luftfeuchtigkeit niedrig ist und sie nicht durch eine okklusive Schicht „eingeschlossen“ werden. Deshalb ist das Auftragen von reiner Hyaluronsäure ohne darüberliegende Creme manchmal kontraproduktiv.
Emollientien — glätten und machen geschmeidig
Emollientien füllen die Zwischenräume zwischen den Hautzellen und glätten die Haut und stellen ihre Elastizität wieder her. Das ist die „angenehme“ Schicht der Creme — sie ist dafür verantwortlich, wie sich das Produkt verteilen lässt und wie die Haut nach dem Auftragen aussieht.
- Squalan (Squalane) — leicht, zieht schnell ein, verstopft die Poren nicht, biomimetisch (kommt natürlich im Sebum vor)
- Ceramide (Ceramide NP, Ceramide AP, Ceramide EOP) — entscheidende Lipide, die die Hautbarriere aufbauen
- Sheabutter (Butyrospermum Parkii Butter) — reichhaltiges Emollient mit den Vitaminen A und E
- Jojobaöl (Simmondsia Chinensis Seed Oil) — ein Wachsester, in der Zusammensetzung dem menschlichen Sebum ähnlich
Okklusive — bilden eine Schutzbarriere
Okklusive bilden auf der Hautoberfläche eine physikalische Barriere, die den Wasserverlust (TEWL) begrenzt. Das ist der letzte Schritt im Feuchtigkeits-Layering.
- Vaseline (Petrolatum) — das wirksamste Okklusiv, reduziert den TEWL um bis zu 98 %, nicht allergen, entgegen der landläufigen Meinung nicht komedogen
- Lanolin (Lanolin) — stark okklusiv, kann aber Allergien auslösen
- Dimethicone — ein Silikon-Okklusiv, leichter als Vaseline, kosmetisch elegant
- Bienenwachs (Cera Alba) — ein natürliches Okklusiv mit dichter Konsistenz
Ceramide — eine besondere Rolle bei trockener Haut
Ceramide verdienen eine gesonderte Erwähnung. Sie machen etwa 50 % der interzellulären Lipide der Hornschicht der Epidermis aus. Ihr Mangel steht in direktem Zusammenhang mit Trockenheit, Empfindlichkeit und einer gestörten Hautbarriere.
Die wirksamsten Produkte mit Ceramiden enthalten sie im physiologischen Verhältnis — Ceramide + Cholesterol + freie Fettsäuren im Verhältnis 3:1:1. Mehr über die Pflege empfindlicher Haut erfährst du in unserem Ratgeber zur Pflege empfindlicher Haut.
Layering — die Kunst des schichtweisen Auftragens
Die Reihenfolge beim Auftragen ist entscheidend. Die allgemeine Regel: von der leichtesten zur reichhaltigsten Konsistenz:
- Serum mit Humektanten (z. B. Hyaluronsäure, Niacinamid) — auf feuchte Haut
- Feuchtigkeitscreme mit Emollientien und Ceramiden
- Okklusiv (Vaseline, Öl) — optional, nachts oder bei extremem Frost
Das Auftragen eines Hyaluronsäure-Serums auf feuchte Haut ist ein entscheidendes Detail — es gibt der Hyaluronsäure Wasser zum „Einfangen“, anstatt es aus den tieferen Hautschichten zu ziehen.
Saisonale Auswahl der Creme
Die Haut hat je nach Jahreszeit unterschiedliche Bedürfnisse:
- Winter — frostige Luft + Zentralheizung = extrem niedrige Luftfeuchtigkeit. Greife zu reichhaltigeren Cremes mit Vaseline, Ceramiden und Sheabutter
- Sommer — die höhere Luftfeuchtigkeit erlaubt leichtere Formulierungen. Humektanten (Glycerin, Hyaluronsäure) wirken besser, weil sie eine Wasserquelle haben
- Übergangsjahreszeiten — beobachte deine Haut und passe die Pflege an. Bleibe nicht das ganze Jahr über bei ein und derselben Creme
Harnstoff — der unterschätzte Held
Harnstoff (Urea) ist ein natürlicher Bestandteil des NMF (Natural Moisturizing Factor) — des physiologischen Feuchthaltekomplexes der Haut. In Kosmetika erfüllt er eine Doppelrolle:
- 5–10 % — spendet Feuchtigkeit, glättet, verbessert die Penetration anderer Inhaltsstoffe
- 20–40 % — peelt intensiv, wird bei Verhornungen, Fersen und Ellbogen eingesetzt
Achtung: Harnstoff in höheren Konzentrationen kann auf geschädigter oder rissiger Haut brennen. Menschen mit Neurodermitis sollten mit niedrigeren Konzentrationen beginnen. Sieh dir das Profil von Harnstoff in unserer Inhaltsstoff-Enzyklopädie an.
Was sollte man bei trockener Haut vermeiden?
- SLS (Sodium Lauryl Sulfate) in Reinigungsprodukten — zu aggressiv für trockene Haut
- Denaturierter Alkohol (Alcohol Denat.) in hohen Konzentrationen — trocknet aus
- Zu häufiges Peeling — schädigt die ohnehin geschwächte Barriere
Extrem trockene Haut, die nicht auf Pflege reagiert, kann ein Symptom dermatologischer Erkrankungen sein (Neurodermitis, Schuppenflechte, Ichthyose). In einem solchen Fall solltest du eine Dermatologin oder einen Dermatologen aufsuchen.
Du weißt nicht, was deine Creme enthält? Prüfe die Inhaltsstoffe in unserer Inhaltsstoff-Suche →
FAQ
Humektanten (z. B. Glycerin, Hyaluronsäure) ziehen Wasser in die Haut. Emollientien (z. B. Squalan, Ceramide) glätten und machen geschmeidig. Okklusive (z. B. Vaseline) bilden eine physikalische Barriere, die den Wasserverlust verhindert. Die wirksamsten Cremes kombinieren Inhaltsstoffe aus allen drei Gruppen.
Nein — entgegen der landläufigen Meinung ist Vaseline nicht komedogen. Sie ist eines der wirksamsten Okklusive und reduziert den Wasserverlust über die Haut um bis zu 98 %. Sie ist sogar für empfindliche Haut sicher.
Ja, in einer Konzentration von 5–10 % ist Harnstoff ein ausgezeichneter Feuchtigkeitsspender. In höheren Konzentrationen (20 %+) wirkt er jedoch peelend und kann auf geschädigter Haut brennen. Bei Neurodermitis solltest du mit einer niedrigen Konzentration beginnen.
Ja. Im Winter, wenn die Luft trocken ist (Frost + Heizung), braucht die Haut reichhaltigere Formulierungen mit Okklusiven. Im Sommer erlaubt die höhere Luftfeuchtigkeit leichtere Cremes auf Basis von Humektanten.
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