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Haar — spezifische Probleme • 7 min Min. Lesezeit

Hochporöses Haar — wie baut man die geschädigte Struktur wieder auf?

Hochporöses Haar — offene Schuppenschicht, Feuchtigkeitsverlust, Mattheit. Erfahre, wie du es mit Proteinen, saurer Spülung und versiegelnden Ölen reparierst.

Veröffentlicht: 2026-03-16 • Aktualisierung: 2025-11-17

Hohe Porosität — was bedeutet das für dein Haar?

Hochporöses Haar hat eine Schuppenschicht — die äußeren Schutzschüppchen — die dauerhaft angehoben oder beschädigt ist. Stell dir ungleichmäßig verlegte Dachziegel vor: Wasser und Wirkstoffe dringen leicht ins Innere ein, entweichen aber genauso schnell wieder. Das führt zu einem Paradox: Das Haar nimmt Feuchtigkeit blitzschnell auf, verliert sie aber innerhalb weniger Stunden.

Hohe Porosität kann angeboren sein (natürlich lockiges Haar vom Typ 3C–4C hat oft angehobene Schuppen), ist aber meist erworben — sie resultiert aus dem Aufhellen, mehrfachem Färben, übermäßigem Hitzestyling oder UV-Belastung ohne Schutz. Im Gegensatz zur niedrigen Porosität braucht die Haarstruktur hier eine aktive Reparatur.

Wie erkennt man hochporöses Haar?

  • Schnelle Wasseraufnahme — das Haar wird sofort nass, trocknet aber auch schnell wieder (rascher Feuchtigkeitsverlust)
  • Kräuseln (Frizz) — offene Schuppen reagieren auf die Luftfeuchtigkeit und nehmen Wasser aus der Umgebung ungleichmäßig auf
  • Verheddern und Knoten — angehobene Schuppen verhaken sich ineinander
  • Mattheit — eine unebene Oberfläche streut das Licht, statt es zu reflektieren
  • Brüchigkeit — der freiliegende Kortex (Haarkern) ist anfällig für mechanische Schäden
  • Schneller Farbverlust — das Pigment wird durch die offene Schuppenschicht ausgewaschen

Hydrolysierte Proteine — Auffüllen der Lücken

Hydrolysierte Proteine sind in kleinere Fragmente (Peptide) zerlegte Eiweiße mit einer Molekülmasse von 500–10 000 Da. Dadurch können sie in die Lücken der Schuppenschicht eindringen und sie vorübergehend auffüllen — sie wirken wie „Plomben" für die beschädigten Schuppen. Details findest du in unserer Inhaltsstoff-Enzyklopädie.

Die wirksamsten Proteinarten für hochporöses Haar:

  • Hydrolysiertes Keratin — dem natürlichen Keratin des Haares am ähnlichsten, bildet einen Schutzfilm und stärkt die Struktur. Die Molekülmasse von 400–2000 Da ermöglicht das Eindringen
  • Seidenproteine (Hydrolyzed Silk) — glätten und verleihen Glanz und binden gleichzeitig Feuchtigkeit. Sie enthalten Serin — eine Aminosäure mit feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften
  • Weizenproteine (Hydrolyzed Wheat Protein) — bilden einen elastischen Film auf der Haaroberfläche und reduzieren das Kräuseln um 20–30 % (Daten aus Studien des Herstellers Croda)
  • Meereskollagen (Hydrolyzed Collagen) — größere Moleküle (5000–10 000 Da) wirken hauptsächlich an der Oberfläche und bilden eine Schutzschicht

Wende Proteine regelmäßig an — 1- bis 2-mal pro Woche als Bestandteil einer Maske oder Spülung. Hochporöses Haar verträgt Proteine im Gegensatz zu niedrigporösem gut und braucht sie zum Erhalt seiner Struktur. Sieh dir Produkte mit Proteinen in unserer Suchmaschine an.

Saure Spülung — Schließen der Schuppenschicht

Der pH-Wert gesunden Haares liegt bei 3,67 (Gavazzoni Dias, 2014). Die meisten Shampoos haben einen pH-Wert von 5–7, und Aufheller reichen bis pH 9–11 — das öffnet die Schuppenschicht drastisch. Eine saure Spülung stellt einen niedrigeren pH-Wert wieder her und bewirkt, dass sich die Schuppen zusammenziehen und schließen.

Die beliebteste Methode ist die Spülung mit Apfelessig (ACV-Rinse):

  1. Verdünne den Apfelessig im Verhältnis 1:4 (1 Teil Essig auf 4 Teile Wasser) — das ergibt einen pH-Wert von etwa 3,5–4,0
  2. Übergieße das Haar nach dem Waschen und der Spülung mit der Lösung
  3. Lasse sie 1–2 Minuten einwirken
  4. Spüle mit kühlem Wasser aus

Achtung: Verwende keinen reinen Essig (pH 2,4) — ein zu niedriger pH-Wert kann das Haar schädigen. Überschreite nicht die Konzentration 1:3. Eine Alternative ist Zitronensäure (1 Teelöffel auf 500 ml Wasser) oder fertige Spülungen mit einem pH-Wert von 3,5–4,5.

Versiegeln mit schweren Ölen

Nach dem Befeuchten und Schließen der Schuppenschicht ist das Versiegeln entscheidend — die Verhinderung des Feuchtigkeitsverlustes. Hier bewähren sich schwerere Öle, die eine okklusive Schicht bilden:

  • Rizinusöl (Ricinus Communis Seed Oil) — sehr dickflüssig, reich an Ricinolsäure (85–90 %). Bildet eine dicke Schutzschicht. Am besten in den Spitzen und in geringen Mengen anwenden, da es stark beschwert
  • Avocadoöl (Persea Gratissima Oil) — dringt dank des hohen Gehalts an Ölsäure (ca. 60 %) in den Haarschaft ein. Reich an den Vitaminen A, D und E. Leichter als Rizinusöl, versiegelt aber dennoch gut
  • Sheabutter (Butyrospermum Parkii Butter) — reich an Stearin- und Ölsäure, bildet eine halbokklusive Schicht. Ideal für die LOC-Methode (Liquid-Oil-Cream)
  • Traubenkernöl — eine leichtere Alternative für alle, die sehr schwere Öle nicht vertragen

LOC-/LCO-Methode — schichtweises Befeuchten

Die wirksamste Pflegemethode für hochporöses Haar ist das schichtweise Auftragen der Produkte:

  • L (Liquid) — Wasser oder ein leichter feuchtigkeitsspendender Sprühnebel. Das ist die Basis — die Feuchtigkeit, die du einschließen willst
  • O (Oil) — ein versiegelndes Öl (Avocado, Rizinus). Es bildet eine okklusive Barriere
  • C (Cream) — eine Creme oder Butter (Shea, Mango) obenauf. Sie sorgt für zusätzlichen Schutz und Glättung

Die Reihenfolge LOC vs. LCO hängt von der Haardicke ab — feineres Haar reagiert möglicherweise besser auf LCO (Creme vor Öl), weil das Öl obenauf nicht so stark beschwert wie die Creme.

Was sollte man vermeiden?

Hochporöses Haar reagiert schlecht auf:

  • Nicht wasserlösliche Silikone — paradoxerweise erschweren sie zwar das Versiegeln, behindern aber das Eindringen weiterer Feuchtigkeitsportionen. Besser sind wasserlösliche Silikone (PEG-Modified Dimethicone)
  • Trocknen mit heißer Luft — die offene Schuppenschicht verliert bei Hitzekontakt noch schneller Wasser. Trockne das Haar auf kühler oder kalter Gebläsestufe
  • Bürsten im trockenen Zustand — angehobene Schuppen verhaken sich ineinander, was zu Ausreißen und Bruch führt. Kämme das nasse Haar mit Spülung, von den Spitzen nach oben

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FAQ

1- bis 2-mal pro Woche in Form einer Maske oder Spülung mit hydrolysierten Proteinen. Hochporöses Haar braucht Proteine regelmäßig, da seine Struktur beeinträchtigt ist.

Ja — ein saurer pH-Wert (3,5–4,0) bewirkt, dass sich die Schuppen der Schuppenschicht zusammenziehen. Entscheidend ist die Verdünnung 1:4 und das Nicht-Überschreiten der Konzentration 1:3, um das Haar nicht zu schädigen.

Avocadoöl — es dringt dank der Ölsäure in den Haarschaft ein und bildet zugleich eine okklusive Schicht. Rizinusöl ist schwerer und eignet sich besser nur für die Spitzen.

Nicht dauerhaft — eine beschädigte Schuppenschicht regeneriert sich nicht. Proteine und saure Spülungen schließen die Schuppen vorübergehend, doch der Effekt muss regelmäßig wiederholt werden. Der neue Nachwuchs hat seine natürliche Porosität.

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