Premium
Sicherheit von Inhaltsstoffen • 5 Min. Lesezeit

Ist Harnstoff (Urea) in Cremes sicher und für wen?

Ist Harnstoff in Creme sicher? Erfahre, wie Urea in verschiedenen Konzentrationen wirkt, wer am meisten profitiert und wann Vorsicht geboten ist.

Veröffentlicht: 2026-06-01 • Aktualisierung: 2026-06-01

Was ist Harnstoff in Kosmetika?

Harnstoff (INCI: Urea) ist eine organische chemische Verbindung – das Amid der Kohlensäure – die in der Haut von Natur aus als Bestandteil des NMF (Natural Moisturizing Factor), also des natürlichen Feuchthaltefaktors, vorkommt. In gesunder Haut macht Harnstoff einige Prozent des NMF aus und ist für die Aufrechterhaltung der Hautfeuchtigkeit sowie für die korrekte Abschuppung abgestorbener Zellen verantwortlich.

In Kosmetik und Pharmazie wird Harnstoff seit über 100 Jahren eingesetzt. Um seine Wirkung zu verstehen, muss man jedoch die Konzentration berücksichtigen – denn sie entscheidet über Effekt und Sicherheitsprofil.

Wie wirkt Harnstoff in verschiedenen Konzentrationen?

Harnstoff zeigt je nach Konzentration unterschiedliche Wirkmechanismen:

  • 2–10 % – feuchtigkeitsspendende Wirkung (Humektant): In niedrigen Konzentrationen bindet Harnstoff Wasser in der Hornschicht, verbessert die Elastizität und verringert den transepidermalen Wasserverlust (TEWL). Ideal für die tägliche Pflege trockener und atopischer Haut.
  • 10–30 % – keratolytische Wirkung: Höhere Konzentrationen lösen die Verbindungen zwischen den Keratinozyten (Abschuppung) und helfen so, Verhornungen, Hornhaut und Hyperkeratose zu entfernen. Typisch für Fußcremes und Hühneraugenpräparate.
  • Über 30 % – proteolytische Wirkung: Wird ausschließlich in pharmazeutischen Präparaten unter fachärztlicher Kontrolle zur Behandlung von Schuppenflechte, Ichthyosen und anderen Verhornungsstörungen eingesetzt.

Du suchst Fußcremes mit Harnstoff? Sieh dir unsere Kategorien Fußcremes an, in der du die Harnstoffkonzentration und die Bewertung der Zusammensetzung jedes Produkts vergleichen kannst.

Ist Harnstoff sicher? Was sagt die EU-Regulierung?

Harnstoff ist ein kosmetischer Inhaltsstoff, der durch die EU-Verordnung 1223/2009 ohne Konzentrationsbeschränkungen zugelassen ist (er ist weder in Anhang II als verbotener noch in Anhang III als beschränkter Stoff aufgeführt). Das SCCS-Komitee hat keine negativen Stellungnahmen zur Sicherheit von topisch angewendetem Harnstoff in üblichen kosmetischen Konzentrationen abgegeben.

Er ist in der Datenbank CosIng (Cosmetic Ingredient Database der Europäischen Kommission) als Inhaltsstoff mit den Funktionen Humektant, Keratolytikum und wasserbindendes Mittel eingetragen – ohne besondere Warnhinweise.

Für wen ist Harnstoff besonders vorteilhaft?

Harnstoff ist kein gleichermaßen für alle vorteilhafter Inhaltsstoff – bestimmte Personengruppen profitieren von ihm besonders:

  • Atopische Dermatitis (Neurodermitis): Atopische Haut zeichnet sich durch einen verringerten Gehalt an natürlichem Harnstoff, eine gestörte Hautbarriere und chronische Austrocknung aus. Cremes mit 5–10 % Harnstoff werden von europäischen dermatologischen Fachgesellschaften (EDF) als Basistherapie empfohlen.
  • Schuppenflechte und keratolytische Erkrankungen: Höhere Konzentrationen (20–40 %) helfen beim Aufweichen und Entfernen von Schuppen, häufig als Ergänzung zur dermatologischen Therapie.
  • Füße mit Verhornungen und Hornhaut: Cremes mit 20–40 % Harnstoff sind das Standardpräparat zum Aufweichen verhornter Fußhaut.
  • Trockene und raue Körperhaut: Emulsionen mit 5–10 % Harnstoff spenden hervorragend Feuchtigkeit, ohne ein fettiges Gefühl zu hinterlassen.
  • Diabetes: Die Füße von Menschen mit Diabetes erfordern eine intensive Pflege – Harnstoff ist einer der empfohlenen Inhaltsstoffe.

Mehr Informationen zu Inhaltsstoffen für trockene und atopische Haut findest du in unserer Inhaltsstoff-Enzyklopädie.

Wann ist bei der Anwendung von Harnstoff Vorsicht geboten?

Harnstoff ist für die überwiegende Mehrheit der Anwender sicher, dennoch gibt es Situationen, die Vorsicht erfordern:

  • Gereizte oder geschädigte Haut: Hohe Konzentrationen (über 20 %) können bei offenen Wunden brennen.
  • Säuglinge: Die Haut von Neugeborenen hat eine andere Barriere – verwende Cremes mit hoher Harnstoffkonzentration nicht ohne Rücksprache mit dem Kinderarzt.
  • Schwangerschaft: Topisch angewendeter Harnstoff in üblichen kosmetischen Konzentrationen (bis 10 %) gilt als sicher. Präparate mit höheren, pharmazeutischen Konzentrationen solltest du mit dem Arzt abklären.
  • Kontaktallergie: Selten, aber möglich. Teste das Produkt bei der ersten Anwendung an einer kleinen Hautstelle.

Wie wendet man eine Creme mit Harnstoff richtig an?

  1. Verwende sie nach dem Baden oder Waschen – feuchte Haut nimmt Harnstoff besser auf.
  2. Trage die Creme an den Füßen auf und ziehe über Nacht Baumwollsocken an – der Okklusionseffekt verstärkt die keratolytische Wirkung.
  3. Vermeide den direkten Kontakt mit Schleimhäuten und dem Augenbereich.
  4. Trage höhere Konzentrationen (20 %+) ausschließlich auf verhornte Areale auf.

Überprüfe die Zusammensetzung deiner Creme und vergleiche Produkte in unserer Kosmetik-Suchmaschine PurScore.pl.

Hinweis: Der Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche oder dermatologische Beratung. Bei Hauterkrankungen konsultiere einen Dermatologen.

Überprüfe die Inhaltsstoffe deines Kosmetikprodukts →

FAQ

Ja. Cremes mit 5–10 % Harnstoff werden von europäischen dermatologischen Fachgesellschaften als grundlegender Bestandteil der Pflege atopischer Haut empfohlen. Sie gleichen den Mangel an natürlichem Harnstoff aus und stärken die Hautbarriere.

Für Verhornungen und Hornhaut eignen sich Cremes mit 20–40 % Harnstoff am besten. Für die tägliche Pflege genügen 10–15 %. Konzentrationen über 40 % sind pharmazeutische Präparate, die unter fachärztlicher Kontrolle angewendet werden.

Harnstoff in üblichen kosmetischen Konzentrationen (bis 10 %), topisch angewendet, gilt in der Schwangerschaft als sicher. Präparate mit höheren, pharmazeutischen Konzentrationen sollten mit dem Arzt abgeklärt werden.

Eine Kontaktallergie gegen Harnstoff ist möglich, aber selten. Eine deutlich häufigere Ursache für Reizungen ist eine zu hohe Konzentration, die auf gereizte oder geschädigte Haut aufgetragen wird. Bei der ersten Anwendung empfiehlt es sich, das Produkt an einer kleinen Stelle zu testen.

Mehr solche Artikel?

Trage dich in unseren Newsletter ein — kostenlose Tipps zu Kosmetikinhaltsstoffen, wöchentlich.

Daten geschützt gemäß Datenschutzrichtlinie.

Produkte prüfen

Suchst du Kosmetik zu diesem Thema? Vergleiche Inhaltsstoffe und Preise auf PurScore.

0 Produkte