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Düfte und Parfums • 8 min Min. Lesezeit

Parfum und INCI-Zusammensetzung — was verbirgt sich hinter dem Wort „Parfum“ auf dem Etikett?

Das Wort Parfum/Fragrance in der INCI-Liste kann über 200 chemische Stoffe verbergen. 26 EU-Allergene, EDP vs. EDT vs. EDC und IFRA-Standards erklärt.

Veröffentlicht: 2024-05-19 • Aktualisierung: 2024-02-19

Du öffnest dein Lieblingsparfum, drehst die Verpackung um und suchst nach der Zusammensetzung. Auf der INCI-Liste siehst du ein einziges rätselhaftes Wort: Parfum (oder Fragrance in der in den USA verwendeten INCI-Nomenklatur). Es wirkt harmlos — doch hinter diesem einen Begriff können sich über 200 verschiedene chemische Stoffe verbergen, von ätherischen Ölen bis zu synthetischen Aldehyden und Moschusverbindungen. In diesem Artikel erklären wir, wie man die Zusammensetzung von Parfums wirklich liest und worauf man achten sollte.

Parfum — rechtlicher Sammelbegriff für die Duftkomposition

Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel müssen Hersteller die vollständige Duftkomposition nicht offenlegen. Der Begriff „Parfum“ fungiert als Oberbegriff für die gesamte aromatische Mischung. Das ist eine Ausnahme von der allgemeinen Regel der Transparenz bei der INCI-Zusammensetzung — begründet mit dem Schutz des Geschäftsgeheimnisses der Parfumeure.

In der Praxis bedeutet das, dass ein einzelner Eintrag „Parfum“ Folgendes umfassen kann:

  • Lösungsmittel — meist Alcohol denat. (vergällter Ethanol) als Trägerstoff.
  • Duftstoffe — natürliche Isolate (z. B. Linalool aus Lavendel) und synthetische Moleküle (z. B. Iso E Super, Ambroxan).
  • Stabilisatoren und Fixative — Phthalate (z. B. DEP — Diethylphthalat), die als Duftfixative eingesetzt werden.
  • Farbstoffe — die der Parfumflüssigkeit Farbe verleihen.

Eine 2021 von der International Fragrance Association (IFRA) durchgeführte Untersuchung ergab, dass eine durchschnittliche Duftkomposition zwischen 50 und 300 einzelne Inhaltsstoffe enthält. Der Verbraucher sieht nur ein einziges Wort.

26 Allergene aus Anhang III — Deklarationspflicht in der EU

Die Europäische Union hat eine teilweise Ausnahme vom Grundsatz „Parfum als Sammelbegriff“ eingeführt. Gemäß Anhang III der Verordnung 1223/2009 müssen 26 Duftstoffe mit nachgewiesenem allergenem Potenzial namentlich auf dem Etikett aufgeführt werden, wenn ihre Konzentration folgende Werte überschreitet:

  • 0,001 % (10 ppm) in Produkten, die auf der Haut verbleiben (Leave-on) — Parfums, Cremes, Lotionen.
  • 0,01 % (100 ppm) in abzuspülenden Produkten (Rinse-off) — Shampoos, Duschgele.

Zu den am häufigsten anzutreffenden Duftstoffallergenen zählen: Linalool, Limonene, Citronellol, Geraniol, Coumarin, Eugenol, Citral, Benzyl Alcohol, Cinnamal und Hydroxycitronellal. Die vollständige Liste der 26 Stoffe umfasst außerdem Alpha-Isomethyl Ionone, Amyl Cinnamal, Benzyl Benzoate, Benzyl Cinnamate, Benzyl Salicylate, Butylphenyl Methylpropional (Lilial — seit März 2022 in der EU verboten!), Cinnamyl Alcohol, Farnesol, Hexyl Cinnamal, Isoeugenol, Methyl 2-Octynoate und Evernia Prunastri Extract (Eichenmoos).

Bemerkenswert ist, dass der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) 2012 eine Erweiterung der Liste auf über 80 Allergene empfohlen hat — die EU-Gesetzgebung ist jedoch hinter der Wissenschaft zurückgeblieben.

EDP, EDT, EDC — was bedeuten die Abkürzungen auf dem Flakon?

Die Konzentration der Duftkomposition in der alkoholischen Lösung ist die Grundlage der Parfumklassifizierung. Eine höhere Konzentration bedeutet einen intensiveren und langanhaltenderen Duft — aber auch eine stärkere Exposition der Haut gegenüber potenziellen Allergenen.

KategorienÖlkonzentrationHaltbarkeitCharakter
Parfum / Extrait20–30 %8–12 hAm intensivsten, hautnah
Eau de Parfum (EDP)15–20 %6–8 hGoldstandard des Marktes
Eau de Toilette (EDT)5–15 %3–5 hLeichtere Variante, ideal für jeden Tag
Eau de Cologne (EDC)2–4 %1–3 hErfrischende, zitrische Tradition
Eau Fraîche1–3 %<1 hMinimale Konzentration, leichter Hauch

Praktische Schlussfolgerung: Wenn deine Haut auf Duftstoffe reagiert, verringert eine niedrigere Konzentration (EDC, Eau Fraîche) die Expositionsdosis — auch wenn sie das Risiko einer Sensibilisierung nicht ausschließt.

IFRA-Standards — der unsichtbare Wächter der Sicherheit

Die International Fragrance Association (IFRA) veröffentlicht regelmäßig Standards, die die Konzentrationen einzelner Duftstoffe je nach Produktkategorie begrenzen. Die aktuelle 51. Novelle (2022) umfasst über 180 Stoffe mit mengenmäßigen Beschränkungen oder Verboten.

Die IFRA teilt Produkte in 11 Expositionskategorien ein — von Produkten, die auf die Lippen aufgetragen werden (Kategorien 1 — strengste Grenzwerte), bis zu Reinigungsmitteln (Kategorien 11 — mildeste Grenzwerte). Auf die Haut aufgetragene Parfums fallen in Kategorien 4, was moderat restriktive Grenzwerte bedeutet.

Sind die IFRA-Standards rechtlich bindend? Formal nicht — es handelt sich um eine Selbstregulierung der Branche. In der Praxis halten sich jedoch die meisten renommierten Hersteller daran, denn die Nichteinhaltung der IFRA-Standards kann zum Ausschluss aus Lieferketten führen (Distributoren verlangen ein IFRA-Konformitätszertifikat).

Synthetischer Moschus — der versteckte Bestandteil der meisten Parfums

Moschus (Musk) ist die Duftbasis nahezu jedes Parfums — er sorgt für „Wärme“, Haltbarkeit und einen Eindruck von Sauberkeit. Natürlicher tierischer Moschus wurde fast vollständig durch synthetische Stoffe ersetzt. Die drei Hauptgruppen sind:

  • Nitromoschus (z. B. Musk Ketone, Musk Xylene) — in der EU aufgrund von Fototoxizität und Bioakkumulation verboten oder eingeschränkt.
  • Polycyclischer Moschus (z. B. Galaxolide/HHCB, Tonalide/AHTN) — am weitesten verbreitet, doch sein Vorkommen in Gewässern und in der Muttermilch gibt Anlass zur Sorge.
  • Makrocyclischer Moschus (z. B. Habanolide, Exaltolide) — am sichersten und biologisch abbaubar, aber teurer in der Herstellung.

Wie liest man die Zusammensetzung von Parfums bewusst?

Praktische Hinweise für Verbraucher:

  1. Achte auf Allergene aus Anhang III — wenn du auf der INCI-Liste Linalool, Limonene, Coumarin usw. siehst, hat der Hersteller seine Deklarationspflicht erfüllt. Je mehr Allergene aufgeführt sind, desto komplexer ist die Komposition.
  2. Prüfe die Position von „Parfum“ auf der INCI-Liste — die Inhaltsstoffe sind in absteigender Reihenfolge ihrer Konzentration aufgeführt. „Parfum“ weit oben auf der Liste = hohe Konzentration der Duftkomposition.
  3. Achte auf Zertifikate — IFRA-Konformität sowie ökologische Zertifikate (COSMOS, Ecocert) legen zusätzliche Beschränkungen für die zulässigen Inhaltsstoffe fest.
  4. Nutze Werkzeuge zur Analyse der Zusammensetzung — die PurScore-Suchmaschine ermöglicht es, das Sicherheitsprofil einzelner Duftstoffe zu überprüfen.

Denke daran: Das Fehlen einer Allergendeklaration bedeutet nicht, dass keine Allergene vorhanden sind — es kann lediglich bedeuten, dass ihre Konzentration unterhalb der Deklarationsschwelle liegt. Mehr über die Interpretation von INCI-Listen findest du in unserem Leitfaden zu INCI-Zusammensetzungen.

Möchtest du die Zusammensetzung deines Parfums überprüfen? Gib den Produktnamen oder einen Inhaltsstoff in die PurScore-Suchmaschine ein — du erhältst eine Sicherheitsbewertung und eine Liste potenzieller Allergene in der Duftkomposition.

FAQ

Die EU-Verordnung 1223/2009 erlaubt es Herstellern, die Duftkomposition zum Schutz des Geschäftsgeheimnisses unter dem Sammelbegriff „Parfum“ zu verbergen. Eine Ausnahme bilden die 26 Allergene aus Anhang III, die oberhalb bestimmter Konzentrationsschwellen namentlich aufgeführt werden müssen.

Eau de Parfum (EDP) enthält 15–20 % Duftkomposition und hält 6–8 Stunden. Eau de Toilette (EDT) weist eine Konzentration von 5–15 % mit einer Haltbarkeit von 3–5 Stunden auf. Eine höhere Konzentration bedeutet einen intensiveren Duft, aber auch eine stärkere Exposition gegenüber potenziellen Allergenen.

Die IFRA-Standards begrenzen die Konzentrationen von Stoffen, die als potenziell schädlich gelten, sind jedoch eine Selbstregulierung der Branche und kein Gesetz. Die meisten großen Hersteller halten sich daran, doch sie sind nicht in allen Rechtsordnungen rechtlich durchsetzbar.

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