AHA und BHA – warum sie beim Hautkauf eine Rolle spielen
Alpha‑Hydroxy‑Säuren (AHA) und Beta‑Hydroxy‑Säuren (BHA) gehören zu den am häufigsten genannten Wirkstoffen in Feuchtigkeitscremes, Peelings und Seren. Sie werden aus Früchten, Milch oder Pflanzen gewonnen und dienen primär der Hauterneuerung. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist die Präsenz dieser Säuren ein entscheidendes Kriterium, weil sie das Hautbild glätten, feine Linien reduzieren und die Porenreinigung unterstützen können.
Der Markt bietet eine breite Palette von Produkten – von milden Tagescremes mit 5 % Glykolsäure bis hin zu intensiven Peeling‑Formeln mit 10 % Salicylsäure. Die Wahl hängt von individuellen Hautzielen, Hauttyp und Verträglichkeit ab. Ein bewusstes Lesen der Inhaltsstoffliste ermöglicht es, Produkte zu wählen, die den eigenen Bedürfnissen entsprechen, ohne unnötige Irritationen zu riskieren.
Ein weiterer Grund, warum AHA / BHA beim Kauf relevant sind, ist die regulatorische Vorgabe. In der EU regelt die Kosmetikverordnung (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009) die zulässigen Konzentrationen und die Kennzeichnungspflicht. Produkte, die AHA oder BHA enthalten, müssen die entsprechenden INCI‑Bezeichnungen führen, sodass die Information transparent bleibt.
Wie Alpha‑ und Beta‑Hydroxy‑Säuren im Produkt wirken
AHA, zu denen Glykolsäure, Milchsäure, Zitronensäure und Apfelsäure zählen, besitzen einen kleinen Molekülaufbau, der es ihnen ermöglicht, in die oberste Hautschicht (Stratum corneum) einzudringen. Dort lösen sie die Bindungen zwischen den abgestorbenen Hautzellen, wodurch ein kontrolliertes Abschälen (Exfoliation) entsteht. Dieser Prozess beschleunigt die Erneuerung der Hautoberfläche und fördert die Aufnahme nachfolgender Wirkstoffe.
BHA, allen voran Salicylsäure, ist lipophiler und kann daher tiefer in die Talgkanäle eindringen. Dort löst sie überschüssiges Sebum und verhindert das Verstopfen der Poren. Diese Eigenschaft macht BHA besonders für unreine oder zu Akne neigende Haut geeignet, weil sie Entzündungen reduziert und Mitesser auflöst.
Beide Säuregruppen wirken zudem pH‑abhängig. In der Regel wird das Endprodukt so formuliert, dass ein pH‑Wert zwischen 3 und 4,5 erreicht wird – ein Bereich, in dem die Säuren aktiv, aber nicht übermäßig reizend sind. Hersteller passen den pH‑Wert an die gewünschte Wirkstärke an, weshalb das gleiche INCI‑Namensfeld unterschiedliche Effekte haben kann, je nach Formulierung.
Gesicherte Erkenntnisse und offene Diskussionen
Die Wirksamkeit von AHA und BHA zur Verbesserung der Hautstruktur ist durch zahlreiche klinische Studien belegt. Es ist gesichert, dass regelmäßige Anwendung die Hautdicke erhöht, die Kollagenproduktion anregt und die Sichtbarkeit von feinen Linien mindert. Diese Effekte beruhen auf dem beschriebenen Abschälungs‑ und Regenerationsprozess.
Umstritten bleiben jedoch Fragen zur Langzeitverträglichkeit bei sehr hohen Konzentrationen. Während die EU‑Verordnung Obergrenzen für einzelne Säuren festlegt (z. B. maximal 10 % Glykolsäure in nicht‑medizinischen Produkten), gibt es keine einheitlichen Daten, die die Sicherheit von dauerhaftem Gebrauch über mehrere Jahre belegen. Fachleute empfehlen deshalb, die Anwendungshäufigkeit zu variieren und Pausen einzulegen, um die Haut nicht zu überlasten.
Ein weiteres Diskussionsthema ist die Kombination von AHA und BHA in einem Produkt. Wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass synergistische Effekte möglich sind, weil die beiden Säuren unterschiedliche Hautschichten ansprechen. Dennoch kann die gleichzeitige Anwendung die Irritationsgefahr erhöhen, besonders bei sensibler Haut. Verbraucher sollten daher auf Formulierungen achten, die eine klare Dosierung und pH‑Kontrolle aufweisen.
AHA/BHA in der INCI‑Liste erkennen
Die International Nomenclature of Cosmetic Ingredients (INCI) gibt die standardisierten Namen für sämtliche Bestandteile an. AHA erscheinen häufig unter folgenden Bezeichnungen: Glycolic Acid, Lactic Acid, Citric Acid, Mandelic Acid, Tartaric Acid. BHA wird meist als Salicylic Acid ausgewiesen. Manchmal finden sich auch Derivate wie "Sodium Lactate" (ein Salz der Milchsäure) oder "Potassium Glycolate".
Ein typisches Beispiel: Ein Serum könnte die INCI‑Liste „Aqua, Glycerin, Glycolic Acid, Sodium Hydroxide, Phenoxyethanol, ...“ enthalten. Hier ist die Glycolsäure als erster aktiver Bestandteil genannt, was auf einen relativ hohen Anteil hindeutet. Wird die Säure weiter hinten aufgeführt, ist die Konzentration in der Regel niedriger.
Zusätzlich können Hersteller die Konzentration indirekt durch die Reihenfolge der Inhaltsstoffe kommunizieren. Da die INCI‑Liste absteigend nach Menge sortiert ist (außer bei Inhaltsstoffen unter 1 % wird die Reihenfolge nach dem zulässigen Grenzwert angegeben), lässt sich aus der Position von „Glycolic Acid“ oder „Salicylic Acid“ ein grober Hinweis auf die Dosierung gewinnen.
Praktische Tipps für den Einkauf und den sicheren Gebrauch
Beim Kauf von Produkten mit AHA oder BHA sollten Sie zunächst Ihren Hauttyp bestimmen. Trockene bis reife Haut profitiert häufig von Glykolsäure oder Milchsäure, während fettige bis zu Akne neigende Haut von Salicylsäure besser toleriert wird. Lesen Sie stets die INCI‑Liste und achten Sie auf die Platzierung der Säure.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verträglichkeit. Beginnen Sie mit einer niedrigen Konzentration (z. B. 5 % Glycolsäure) und verwenden Sie das Produkt zunächst nur ein‑ bis zweimal pro Woche. Beobachten Sie die Hautreaktion und steigern Sie die Anwendungsfrequenz nur, wenn keine übermäßige Rötung oder Brennen auftritt.
Ein kurzer Check‑list für den Einkauf:
- INCI‑Bezeichnung der Säure prüfen (z. B. Glycolic Acid, Salicylic Acid)
- Position der Säure in der Zutatenliste beachten – je weiter oben, desto höher die Konzentration
- Produkt‑pH‑Wert (falls angegeben) im Bereich 3–4,5 prüfen
- Zusätzliche beruhigende Komponenten wie Panthenol oder Aloe Vera wählen, wenn Sie zu Irritationen neigen
- Auf Hinweis „nicht für Schwangere“ oder „nur für externe Anwendung“ achten, falls vorhanden
Für besonders empfindliche Haut, Kinder unter 12 Jahren oder Schwangere gilt ein erhöhter Vorsichtsbedarf. AHA und BHA können die Haut lichtempfindlicher machen; daher ist ein täglicher Lichtschutzfaktor (mindestens LSF 30) nach der Anwendung zwingend empfehlenswert. Schwangerschafts‑ und Stillzeit‑Empfehlungen variieren, doch häufig wird geraten, Konzentrationen über 5 % zu vermeiden und besonders aggressive Formulierungen zu meiden.
FAQ
Wie oft darf ich ein Produkt mit AHA verwenden? Beginnen Sie mit ein‑ bis zweimal pro Woche und steigern Sie die Frequenz nur, wenn Ihre Haut keine Reizungen zeigt. Ein täglicher Gebrauch ist bei niedrigen Konzentrationen (unter 5 %) meist unbedenklich, sollte jedoch individuell angepasst werden.
Kann ich AHA und BHA gleichzeitig benutzen? Ja, das ist möglich, jedoch erhöhen sich die Risiken für Irritationen. Wenn Sie beide Säuren kombinieren möchten, wählen Sie Produkte mit moderaten Konzentrationen und verwenden Sie sie zu unterschiedlichen Tageszeiten (z. B. AHA morgens, BHA abends).
Was bedeutet es, wenn ein Produkt „pH‑stabilisiert“ ist? Ein pH‑stabilisiertes Produkt hält den pH‑Wert im optimalen Bereich (3–4,5) während der gesamten Haltbarkeit, sodass die Wirksamkeit der Säure erhalten bleibt und das Irritationspotenzial minimiert wird.
Sind natürliche AHA‑Quellen besser verträglich? Natürliche Quellen wie Zitronen‑ oder Apfelsäure können genauso wirksam sein wie synthetische Varianten, aber die Verträglichkeit hängt von der Gesamtformulierung ab. Der reine Name sagt nicht automatisch über die Hautfreundlichkeit aus.
Muss ich nach der Anwendung von AHA einen Sonnenschutz verwenden? Ja, AHA erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut. Ein Breitband‑Sonnenschutz mit mindestens LSF 30 schützt vor UV‑B‑ und UV‑A‑Strahlen und verhindert mögliche Sonnenschäden.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Weiterbildung und ersetzt keine fachliche Beratung.
Formulierung, Stabilität und Verpackung von AHA / BHA‑Produkten
Die Wirksamkeit von Alpha‑ und Beta‑Hydroxy‑Säuren hängt entscheidend von ihrer chemischen Stabilität im Endprodukt ab. AHA sind bei hohen pH‑Werten schnell inaktiv, weil sie zu ihrer ionisierten Form übergehen und damit nicht mehr an die Hornschicht binden können. Hersteller passen daher die Formulierung so an, dass ein pH‑Wert zwischen 3,0 und 4,0 eingestellt wird – ein Bereich, in dem die Säure sowohl aktiv als bzw. relativ gut verträglich bleibt. Gleichzeitig muss dieser saure pH‑Bereich mit anderen Inhaltsstoffen wie Konservierungsmitteln, Duftstoffen oder Emulgatoren kompatibel sein, da unpassende Kombinationen die Säure rasch zersetzen können.
Oxidation ist ein weiteres Risiko, insbesondere bei Glykolsäure, die leicht mit Sauerstoff reagiert und zu einer Abnahme der Exfoliationseffektivität führt. Um dem entgegenzuwirken, setzen Formulierer Antioxidantien wie Vitamin E, Ferulasäure oder stabile Chelatoren ein. Moderne Techniken wie die Mikroverkapselung in Liposomen oder Polymer‑Nanopartikeln schützen die Säure nicht nur vor Luft, sondern ermöglichen auch eine kontrollierte Freisetzung nach dem Auftragen, wodurch die Irritationsgefahr gesenkt wird und die Wirkdauer verlängert wird.
Die Wahl des Behälters hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Haltbarkeit. Lichtempfindliche Säuren, insbesondere Salicylsäure, profitieren von opaken, luftdichten Tuben oder Airless‑Pumpen, die das Eindringen von Sauerstoff und Licht minimieren. Glasbehälter können ebenfalls helfen, sofern sie dunkel getönt sind, weil UV‑Strahlung die chemische Struktur von AHA/BHA verändern kann. Hersteller, die auf transparente Flaschen setzen, ergänzen häufig einen UV‑absorber‑Filter in die Verpackung, um die gleiche Schutzwirkung zu erzielen.
Schließlich spielt die Interaktion mit anderen Wirkstoffen eine Rolle: Vitamin‑C‑Derivate, Retinoide oder Peptide können bei falscher pH‑Abstimmung die Aktivität der Säure hemmen oder die Hautreizungsrate erhöhen. Viele Premium‑Formeln nutzen daher getrennte Phasen innerhalb desselben Produkts, die erst beim Aufschlagen oder Schütteln miteinander vermischt werden. Solche Dual‑Phase‑Systeme garantieren, dass jede Komponente ihre optimale Wirksamkeit entfaltet, während das Risiko von unerwünschten chemischen Reaktionen minimiert wird.
Photoprotektion, Sonnenexposition und die Kombination mit UV‑Filtern
Ein häufig übersehener Aspekt der AHA‑/BHA‑Anwendung ist die erhöhte Empfindlichkeit gegenüber UV‑Strahlung. Durch das Abschälen der obersten Hornschicht wird die Haut temporär dünner und weniger durch die natürlichen Melanin‑ und Lipidbarrieren geschützt. Das führt zu einem erhöhten Risiko für Sonnenbrand, Hyperpigmentierung und vorzeitige Alterungszeichen, wenn die Haut nicht konsequent mit einem Breitband‑Sonnenschutz abgedeckt wird. Dermatologen empfehlen, an Tagen mit Produktanwendung mindestens einen Lichtschutzfaktor (LSF) von 30 zu wählen und die Anwendung von AHA/BHA idealerweise abends durchzuführen.
Die Kombination von chemischen UV‑Filtern (wie Oxybenzon, Avobenzon) mit AHA/BHA kann sowohl Vor- als auch Nachteile haben. Auf der einen Seite können bestimmte Filter die pH‑Stabilität der Säuren beeinträchtigen, weil sie selbst saure Eigenschaften besitzen und das Gesamtsystem zu stark säuern. Auf der anderen Seite können einige Filter, insbesondere solche mit breitem Spektrum, die Irritationsschwelle der Haut senken, wenn sie gleichzeitig mit stark exfolierenden Säuren eingesetzt werden. Deshalb formulieren manche Hersteller separate Tages‑ und Nachtprodukte, um die bestmögliche Photostabilität zu gewährleisten.
Ein praktischer Ansatz ist die Nutzung von mineralischen Sonnenschutzmitteln (Zink‑ oder Titandioxid), die nicht mit dem pH‑Wert der Haut reagieren und gleichzeitig physikalisch vor UV‑Strahlung schützen. Diese Filter bilden eine Barriere, die das Eindringen von UV‑B‑ und UV‑A‑Strahlen reduziert, ohne die Säureaktivität zu beeinflussen. Allerdings können mineralische Filter bei sehr hohen Konzentrationen einen leichten Film auf der Haut hinterlassen, der das Auftragen von flüssigen AHA‑Seren erschwert – hier empfiehlt sich ein leichtes Auftragen nach dem vollständigen Einziehen des Sonnenschutzmittels.
Langfristig ist ein konsequentes Sonnenschutzregime unerlässlich, um die durch AHA/BHA erzielten Vorteile zu bewahren. Studien zeigen, dass die Kombination aus wöchentlicher Exfoliation und täglichem Breitband‑Sonnenschutz die Kollagenproduktion stärker stimuliert und gleichzeitig das Risiko von post‑inflammatorischer Hyperpigmentierung reduziert. Verbraucher sollten daher nicht nur auf den LSF achten, sondern auch darauf, dass das Sonnenschutzmittel wasserbeständig ist und mindestens 2 mg/cm² (etwa ein Teelöffel für das Gesicht) aufgetragen wird, um einen zuverlässigen Schutz zu gewährleisten.
Neue Entwicklungen: Polyhydroxy‑Säuren, Enzympeelings und biotechnologisch gewonnene AHA/BHA
Polyhydroxy‑Säuren (PHAs) wie Gluconolacton und Lactobionsäure gewinnen als sanftere Alternative zu klassischen AHA immer mehr an Bedeutung. Sie besitzen eine größere Molekülgröße, wodurch sie nicht so tief in die Hornschicht eindringen und dadurch ein geringeres Irritationspotenzial aufweisen. Gleichzeitig bieten PHAs antioxidative Eigenschaften, weil sie freie Radikale neutralisieren und die Hautbarriere stärken. Für empfindliche Hauttypen stellen sie ein ideales Mittel dar, das sowohl exfolierende als auch feuchtigkeitsspendende Effekte kombiniert.
Enzymatische Peelings, die aus Papaya‑Papain, Ananas‑Bromelain oder Bromelain‑Derivaten gewonnen werden, stellen eine weitere Innovation dar. Im Gegensatz zu chemischen Säuren spalten diese Enzyme die Proteine, die die abgestorbenen Zellen zusammenhalten, und ermöglichen so ein sanftes Abschälen ohne signifikante pH‑Absenkung. Da Enzyme temperatur- und pH‑abhängig sind, formulieren Hersteller häufig kühlgelartige Systeme, die erst bei Anwendung aktiv werden. Diese Technologie ist besonders für Personen geeignet, die zu starken Reizungen durch Säuren neigen, aber dennoch von einer regelmäßigen Exfoliation profitieren wollen.
Die Biotechnologie eröffnet neue Wege, AHA und BHA nachhaltig zu produzieren. Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien oder Hefen werden gezielt genetisch modifiziert, um hohe Ausbeuten an Milchsäure, Zitronensäure oder sogar Salicylsäure zu erzeugen, ohne den Einsatz von fruchtbasierten Extrakten, die saisonabhängig und kostenintensiv sein können. Fermentationsbasierte Prozesse ermöglichen zudem die Reinheit der Säuren zu steigern und gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren – ein Aspekt, der zunehmend von umweltbewussten Konsumenten gefordert wird.
Ein weiterer Trend ist die Kombination von PHAs, Enzymen oder biotechnologisch gewonnenen Säuren mit aktiven Peptiden und Antioxidantien. Durch die verbesserte Penetration der Hautschicht können diese Wirkstoffe tiefer wirken und synergistische Effekte erzielen, etwa eine verstärkte Kollagen‑Synthese in Kombination mit einer reduzierten Oxidationsbelastung. Unternehmen nutzen dafür oft multilayer‑Gel‑ oder Emulsionssysteme, die jede Komponente in einem optimalen pH‑Umfeld stabilisieren. Solche integrierten Formulierungen versprechen nicht nur eine höhere Effizienz, sondern auch ein besseres Hautgefühl, weil die Haut nach der Anwendung weniger Spannungs- oder Brennempfindungen zeigt.