Wie liest man die Inhaltsstoffe eines Kosmetikprodukts? Ein Leitfaden zur INCI-Liste
Lerne, INCI-Listen ohne Chaos zu lesen. Praktischer Leitfaden zu Inhaltsstoffen, Reihenfolge der Namen und den häufigsten Marketing-Fallen.
Für viele Menschen sieht die Inhaltsstoffliste eines Kosmetikprodukts aus wie eine fremde Sprache: lange lateinische und englische Namen, die sich auf die Schnelle kaum verstehen lassen. Genau deshalb erliegt man so leicht den einfachen Slogans auf der Vorderseite der Verpackung. Dabei verrät die INCI-Liste über ein Kosmetikprodukt meist mehr als Schlagworte wie „natürlich“, „clean“ oder „für empfindliche Haut“. Wenn du klüger einkaufen möchtest, verschafft dir die Fähigkeit, das Etikett zu lesen, einen echten Vorteil.
Die gute Nachricht ist: Man muss keine Chemikerin sein, um aus der INCI-Liste praktische Schlüsse zu ziehen. Es genügt, ein paar Grundregeln zu kennen: wie die Reihenfolge der Inhaltsstoffe funktioniert, worin sich ein Wirkstoff von einem Hilfsstoff unterscheidet, woran man Duftstoffe erkennt und wo man Erklärungen zu den Namen findet. Bei PurScore helfen dabei sowohl die Seiten zu den einzelnen Inhaltsstoffen als auch die Beschreibung der Bewertungsmethodik, die zeigt, worauf man zuerst achten sollte.
Was ist INCI?
INCI ist ein internationales System zur Benennung kosmetischer Inhaltsstoffe. Dank ihm verwendet der Hersteller standardisierte Bezeichnungen, die sich zwischen Marken und Ländern vergleichen lassen. Das ist sehr wichtig, denn „Aloe-Vera-Extrakt“ auf der Vorderseite der Verpackung kann in Wirklichkeit unter einer konkreten botanischen Bezeichnung zwischen vielen anderen Inhaltsstoffen auf dem Etikett auftauchen.
INCI soll nicht „schön“ klingen, sondern präzise sein. Deshalb wirken viele Namen technisch. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Rezeptur automatisch schlecht oder unnatürlich ist. Auch ein Teil der botanischen Bezeichnungen klingt kompliziert, und manch ein synthetischer Stoff hat eine einfache Funktion und wird seit Langem sicher eingesetzt.
Warum spielt die Reihenfolge der Inhaltsstoffe eine Rolle?
Die Inhaltsstoffe werden in der Regel in absteigender Reihenfolge nach ihrem Anteil in der Rezeptur aufgeführt, vor allem am Anfang der Liste. Das bedeutet, dass die ersten Positionen das beste Bild von der Basis des Produkts vermitteln. Stehen in einer Creme Wasser, Emollients und Glycerin weit oben, sagt das etwas über den Charakter der Formel aus. Siehst du dagegen denaturierten Alkohol und intensive Duftstoffe weit oben, kannst du sofort die Vorsicht walten lassen.
Aus dem Ende der Liste sollte man jedoch keine zu einfachen Schlüsse ziehen. Wirkstoffe, Konservierungsstoffe oder Duftallergene treten oft in kleinen Mengen auf, haben aber dennoch eine funktionelle Bedeutung. Das Lesen der INCI-Liste besteht also aus zwei Dingen: dem Verständnis der Reihenfolge und der Kenntnis der Rolle der einzelnen Stoffgruppen.
Auf welche Gruppen von Inhaltsstoffen sollte man zuerst achten?
In der Praxis beginnst du am besten mit der Basis des Produkts. In einem Shampoo sind das die Tenside, in einer Creme die Emollients und Feuchtigkeitsbinder und in einem Serum zusätzlich die Lösungsmittel sowie die Trägerstoffe der Wirkstoffe. Danach lohnt es sich zu prüfen, ob die Formel Stoffe enthält, die für dein Ziel wichtig sind: feuchtigkeitsspendende, beruhigende, peelende, die Hautbarriere stärkende oder das Haar pflegende.
Der nächste Schritt sind mögliche „Brennpunkte“: starke Tenside, eine große Menge an Duftkomposition, Alkohol weit oben in der Liste, schwere Silikone oder für dich kontroverse Konservierungsstoffe. Es geht nicht darum, das perfekte Produkt ganz ohne „chemische“ Namen zu finden, sondern zu erkennen, ob die Formel mit dem angegebenen Verwendungszweck stimmig ist.
Sagen die ersten fünf Inhaltsstoffe schon alles?
Nicht alles, aber sehr viel. Sie bestimmen meistens, ob ein Produkt eher leicht, fettig, stark reinigend oder vielleicht auf Geschmeidigkeit und Glättung ausgelegt ist. Für den alltäglichen Einkauf reicht eine solche schnelle Analyse oft aus, um Kosmetika auszusortieren, die offensichtlich nicht zu den Bedürfnissen der Haut oder Haare passen.
Gleichzeitig darf man den weiteren Teil der Inhaltsstoffliste nicht ignorieren. Dort finden sich oft Konservierungsstoffe, Duftstoffe, Pflanzenextrakte, Wirkstoffe oder Allergene. Empfindliche Haut kann gerade auf einen Bestandteil schlecht reagieren, der weit hinten auf der Liste auftaucht, aber dennoch eine funktionelle Bedeutung hat.
Wie lässt man sich nicht von Marketing-Slogans täuschen?
Aufschriften wie „mit Aloe“, „bio“, „dermatologisch getestet“ oder „für empfindliche Haut“ ersetzen nicht die Inhaltsstoffliste. Das sind Marketingbotschaften, die man mit der INCI-Liste abgleichen muss. Ein als mild beworbenes Kosmetikprodukt kann viele Duftstoffe enthalten, und ein als natürlich beworbenes Produkt kann hauptsächlich auf Standard-Emollients basieren und nur einen Spurenanteil eines angesagten Extrakts haben.
Deshalb ist es am sichersten, zuerst das Versprechen des Herstellers zu lesen und dann zu prüfen, ob es sich in der Inhaltsstoffliste widerspiegelt. Wenn nicht, lässt sich eine Kauf-Enttäuschung leichter vermeiden. Hilfreich sind hier Vergleiche zwischen Produkten einer Kategorien sowie Erklärungen zur Funktion konkreter Bezeichnungen in der PurScore-Datenbank.
Wie nutzt man PurScore bei der INCI-Analyse?
Prüfe zunächst die Kategorien des Produkts, das dich interessiert, und sieh dir anschließend die Beschreibung der einzelnen Inhaltsstoffe an. Wenn du nicht verstehst, worin sich ein Feuchtigkeitsbinder von einem Emollient unterscheidet oder warum in einem Shampoo ein Silikon auftaucht, hilft dir die Inhaltsstoff-Datenbank, die INCI-Liste in eine praktische Sprache zu übersetzen. Zusätzlich kannst du mit der Filterfunktion die Ergebnisse auf Kosmetika ohne bestimmte Stoffgruppen eingrenzen.
Eine gute Angewohnheit ist es außerdem, zwei oder drei Produkte nebeneinander zu stellen. Dann erkennst du leicht, ob eine Marke wirklich etwas Passenderes bietet oder nur ein attraktiveres Marketing nutzt. Die Kombination aus Bewertungsmethodik, INCI-Glossar und Produktkategorien ergibt ein deutlich vollständigeres Bild als das Etikett allein in der Drogerie.
Der häufigste Fehler: ein ganzes Kosmetikprodukt anhand eines einzigen Inhaltsstoffs beurteilen
Das ist einer der häufigsten Fehler in der bewussten Pflege. Das Vorhandensein eines einzelnen Inhaltsstoffs sagt noch nicht, ob das gesamte Kosmetikprodukt die richtige Wahl ist. Zwei Cremes können denselben Konservierungsstoff enthalten, aber eine völlig andere Basis, andere Wirkstoffe und ein abweichendes Anwendungsprofil haben. Deshalb ist es klüger zu fragen: „Wie wirkt die ganze Formel?“ statt „Schreckt mich ein einzelner Inhaltsstoff ab?“.
Die INCI-Liste sollte man wie eine Landkarte lesen, nicht wie eine Liste verbotener Wörter. Je schneller du anfängst, die Funktion der Inhaltsstoffgruppen zu verstehen, desto weniger bist du von Marketingversprechen und den Denkabkürzungen anderer abhängig.
Praktisches Fazit
Die Inhaltsstoffe eines Kosmetikprodukts zu lesen, ist eine Fähigkeit, die man Schritt für Schritt erlernen kann. Es geht nicht darum, jedes Produkt wie eine Kosmetiktechnologin zu analysieren, sondern die Basis der Formel zu erkennen, zu wissen, wo man nach potenziellen Problemen sucht, und unbekannte Namen nachschlagen zu können. So viel genügt, um klüger einzukaufen.
Statt zu raten, nutze Werkzeuge, die die INCI-Liste in eine praktische Sprache übersetzen. Sieh dir die PurScore-Methodik an, lies die Erklärungen zu den Inhaltsstoffen und vergleiche Produkte innerhalb einer Kategorien.
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FAQ
Meistens ja, denn sie zeigen am häufigsten die Basis des Produkts und seinen allgemeinen Charakter. Das bedeutet jedoch nicht, dass man das Ende der Liste völlig ignorieren kann.
Nein. INCI verwendet standardisierte Bezeichnungen, die oft technisch klingen, unabhängig von Herkunft und Funktion des Inhaltsstoffs.
Nein. Marketing-Slogans sollte man immer mit der vollständigen INCI-Liste abgleichen, denn erst die Inhaltsstoffliste zeigt, wie die Formel wirklich aufgebaut ist.
Am besten mit den ersten Positionen auf der Liste, also der Basis des Produkts, und anschließend prüft man die Wirkstoffe sowie die für deine Haut oder Haare potenziell problematischen Bestandteile.
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