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Inhaltsstoff-Wissen • 5 Min. Lesezeit

SLS und SLES — was ist das und solltest du sie meiden?

SLS und SLES unter der Lupe: Was Sulfate in Kosmetik sind, wann sie stören können und wie du milde Formulierungen klug auswählst.

Veröffentlicht: 2026-04-03 • Aktualisierung: 2026-04-03

Die Abkürzungen SLS und SLES sind allen sehr gut bekannt, die versuchen, mildere Reinigungskosmetik auszuwählen. Das Problem ist, dass sich rund um diese Namen viele Vereinfachungen angesammelt haben. Im Internet liest man häufig, dass „Sulfate die Haut zerstören“ oder dass man jedes Produkt mit SLS sofort aussortieren müsse. In der Praxis kommt es jedoch nicht nur auf die Anwesenheit eines bestimmten Tensids an, sondern auch auf die gesamte Rezeptur, die Anwendungshäufigkeit und die individuelle Hautreaktion.

Man sollte wissen, dass Tenside notwendig sind, denn sie sorgen für die Entfernung von Talg, Verschmutzungen und Kosmetikresten. Ohne sie würden Shampoo, Duschgel oder Reinigungspaste ihre Funktion schlicht nicht erfüllen. Die Frage lautet also nicht „Ist ein Tensid schlecht?“, sondern „Ist genau dieses Tensid in dieser Formel für meine Haut und meine Haare geeignet?“. Wenn du Produkte nach Inhaltsstoffen vergleichen möchtest, helfen dir die Inhaltsstoff-Beschreibungen sowie Filter wie Ohne Sulfate.

Was bedeuten SLS und SLES?

SLS steht für Sodium Lauryl Sulfate, SLES für Sodium Laureth Sulfate. Beide gehören zur Gruppe der anionischen Tenside, also der waschaktiven Substanzen, die für Reinigung und Schaum sorgen. Ihre Anwesenheit in Kosmetik ist kein Zufall: Sie sind wirksam, den Entwicklern gut bekannt und in der Formulierung berechenbar. Genau deshalb trifft man sie so oft in Shampoos, Duschgelen und Reinigungsprodukten an.

Trotz ähnlicher Namen handelt es sich nicht um identische Inhaltsstoffe. In der Praxis gilt SLES oft als milder als SLS, kann aber dennoch für Menschen mit besonders empfindlicher oder geschädigter Hydrolipidbarriere problematisch sein. Die bloße Anwesenheit eines dieser Tenside sagt jedoch noch nicht alles über den Anwendungskomfort eines Produkts aus.

Warum lösen Sulfate so viele Emotionen aus?

Weil sie wirksam reinigen, und Reinigungswirkung wird oft als „Kraft“ empfunden. Ein Produkt mit Sulfaten schäumt häufig gut, vermittelt das Gefühl gründlicher Reinigung und entfernt überschüssigen Talg schnell. Für manche Menschen ist das ein Vorteil, bei anderen führt es zu einem Spannungsgefühl, zu Rauheit oder schnellerer Reizung. Aus genau diesen Erfahrungen entstehen die negativen Meinungen.

Man muss allerdings zwei Situationen unterscheiden. Die eine ist eine objektiv zu aggressive Pflege für empfindliche Haut. Die andere ist die automatische Annahme, dass jedes Produkt mit SLS oder SLES per Definition schlecht sei. Ein solcher Schluss greift zu weit, denn vieles hängt von der Dosierung ab, von der Anwesenheit beruhigender Substanzen und davon, ob das Produkt nach einigen Dutzend Sekunden abgespült wird oder auf der Haut verbleibt.

Wann lohnt es sich, SLS und SLES zu meiden?

Wenn du eine zu Reizungen, Atopie, Juckreiz oder Trockenheit neigende Kopfhaut hast oder gefärbtes Haar, das nach dem Waschen schnell an Komfort verliert, ist eine mildere Waschbasis oft die vernünftigere Wahl. Ähnliches gilt bei häufigem Haar- und Gesichtswaschen. Je häufiger das Produkt mit der Schutzbarriere der Haut in Kontakt kommt, desto wichtiger wird die Milde der Formel.

In solchen Fällen kann der Filter Ohne Sulfate die Auswahl erheblich erleichtern. Es lohnt sich jedoch, auch andere Bestandteile der Zusammensetzung zu prüfen: Duftstoffe, Alkohol, Konservierungsmittel, das Vorhandensein beruhigender Substanzen sowie die Frage, ob das Produkt nicht eine besonders hohe Zahl potenziell reizender Inhaltsstoffe enthält.

Wann können sich Sulfate bewähren?

Bei Menschen mit einer zu schnellem Nachfetten neigenden Kopfhaut, beim gelegentlichen Einsatz stärker reinigender Shampoos oder dann, wenn angesammelte Silikone und Stylingprodukte entfernt werden müssen, können Sulfate ein praktisches Werkzeug sein. Nicht jede Pflege muss ausschließlich auf den mildesten Tensiden beruhen. Manchmal ist einfach eine stärkere Reinigung nötig, die bewusst und nicht zu häufig durchgeführt wird.

Das ist ein wichtiger Punkt, denn jedes Tensid mit höherer Waschkraft zu verteufeln, kann zum gegenteiligen Problem führen: einer nicht ausreichend gereinigten Kopfhaut, Unbehagen und einer schlechteren Verträglichkeit anderer Kosmetik. Die beste Routine besteht meist nicht aus Extremen, sondern aus der Abstimmung des Produkts auf ein konkretes Ziel.

Wie liest man das Etikett über SLS und SLES hinaus?

Wenn du am Anfang der Zusammensetzung SLS oder SLES siehst, wirf gleich einen Blick auf den Rest der Rezeptur. Gibt es dort milde Co-Tenside? Tauchen Feuchthaltestoffe, Glycerin, Panthenol, Betain oder Substanzen auf, die den Hautkomfort unterstützen? Ist die Duftkomposition umfangreich? Soll das Produkt täglich oder gelegentlich verwendet werden? Erst eine ganzheitliche Analyse ergibt Sinn.

Hilfreich ist auch der Vergleich mehrerer Produkte derselben Kategorien. Bei PurScore kannst du Zusammensetzungen gegenüberstellen und prüfen, ob ein Produkt ausschließlich auf stärkeren Tensiden basiert oder ob der Hersteller eine ausgewogenere Formel entwickelt hat. Ein guter Ausgangspunkt ist die Methodik der Inhaltsstoff-Bewertung sowie das INCI-Glossar.

Mythos: „Wenn ein Produkt schäumt, schadet es bestimmt“

Reichlicher Schaum ist für sich genommen kein Beweis dafür, dass ein Kosmetikprodukt gefährlich ist. Schaum beeinflusst eher das Anwendungsgefühl als eine automatische Sicherheitsbewertung. Manchmal wird ein Produkt mit üppigem Schaum gut vertragen, und ein schwächer schäumendes Produkt muss keineswegs für jede Haut ideal sein. Deshalb sollte man das reine Waschgefühl nicht als Hauptkriterium nutzen.

Ebenso bedeutet die Angabe „ohne SLS/SLES“ nicht automatisch ein mildes Produkt. Man muss weiterhin den Rest der Zusammensetzung und die Funktion des Produkts prüfen. Für eine bewusste Wahl ist der Vergleich von Rezepturen deutlich besser als die Beurteilung der Verpackung anhand eines einzigen Werbeslogans.

Praktisches Fazit

SLS und SLES sind keine „für alle verbotenen Inhaltsstoffe“, sondern Tenside, die man im Kontext der gesamten Pflege einordnen können muss. Für die einen sind sie zu stark, für die anderen erweisen sie sich in bestimmten Situationen als nützlich. Das Wichtigste ist zu wissen, was deine Haut braucht und wie oft du ein bestimmtes Produkt verwendest.

Wenn dir an einer milderen Reinigung gelegen ist, nutze Filter, vergleiche Zusammensetzungen und bleib nicht bei der Vorderseite der Verpackung stehen. Schau in die Inhaltsstoff-Datenbank, prüfe Produkte mit dem Filter Ohne Sulfate und wähle eine Formel, die in der Praxis Sinn ergibt.

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FAQ

Nein. Es sind zwei verschiedene anionische Tenside. Beide reinigen, sind aber in ihrer Struktur und ihrer spürbaren Wirkung nicht identisch.

Nein. Menschen mit empfindlicher, trockener oder reaktiver Haut bevorzugen häufiger mildere Formulierungen, doch das bedeutet nicht, dass Sulfate für alle ungeeignet sind.

Nein. Über die Milde entscheidet die gesamte Rezeptur und nicht nur das Fehlen eines oder zweier Tenside.

Zum Beispiel bei stärkerer Reinigung, beim Entfernen angesammelter Stylingprodukte oder bei Menschen, denen an einer wirksamen Reinigung einer schnell nachfettenden Kopfhaut gelegen ist.

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