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Mythen und Pflegefehler • 5 Min. Lesezeit

Komedogenitätsskala von Inhaltsstoffen — wie liest man sie und ist sie verlässlich?

Woher die 0-5-Komedogenitätsskala stammt, warum ein einzelner Wert nichts über die fertige Formulierung aussagt und wie man sie sinnvoll nutzt.

Veröffentlicht: 2026-07-31 • Aktualisierung: 2026-07-31

Man gibt den Namen eines beliebigen Pflanzenöls oder einer Butter in die Suche ein, und neben dem Ergebnis erscheint eine Zahl von 0 bis 5, die ihre „Komedogenität” beschreibt. Solche Listen kursieren in Foren und INCI-Check-Apps und vermitteln den Eindruck einer präzisen, wissenschaftlichen Klassifikation.

Das Problem ist, dass die Komedogenitätsskala einen deutlich bescheideneren und älteren Ursprung hat, als ihre Popularität im Internet vermuten lässt. Wir erklären, woher sie stammt, welche Grenzen sie hat und wie man sie sinnvoll nutzt — ohne sie ganz zu ignorieren oder wie eine Liste verbotener Inhaltsstoffe zu behandeln.

Ursprung der Skala aus Studien der 1970er Jahre

Die Komedogenitätsskala in der heute im Internet bekannten Form geht auf Studien zurück, die seit den 1970er Jahren durchgeführt wurden und die Fähigkeit einzelner Substanzen untersuchten, Komedonen (Mitesser) auszulösen. Die klassische Methodik bestand darin, reine Rohstoffe auf die Haut von Kaninchenohren aufzutragen und zu beobachten, ob es zu einer Verstopfung der Haarfollikel kam.

Das Kaninchenmodell war für eine erste, vergleichende Untersuchung von Rohstoffen nützlich, hat aber eine gravierende Einschränkung — Kaninchenhaut reagiert anders als menschliche Haut, und die getestete Substanz wurde in reiner Form, in hoher Konzentration, ohne den Kontext der übrigen Inhaltsstoffe der finalen Formel aufgetragen. Spätere Studien an Probanden versuchten dies zu korrigieren, aber viele heute kursierende Listen basieren genau auf diesen ersten, vereinfachten Daten.

Warum ein einzelner Inhaltsstoffwert nichts über die fertige Formel aussagt

Die wichtigste Einschränkung der Komedogenitätsskala ist die Tatsache, dass sie einen einzelnen Rohstoff isoliert beschreibt, nicht ein fertiges Produkt, in dem dieser Rohstoff in einer bestimmten Konzentration und zusammen mit einem Dutzend anderer Inhaltsstoffe vorkommt. Ein Öl mit theoretisch hoher Komedogenität, das in einer Formel mit einer Konzentration von einem Prozent zusammen mit nicht komedogenen Emollientien eingesetzt wird, kann sich völlig anders verhalten als dasselbe Öl allein verwendet.

Eine fertige Rezeptur ist ein komplexes System, in dem andere Inhaltsstoffe das Porenverstopfungspotenzial eines einzelnen Rohstoffs neutralisieren, verstärken oder gar nicht beeinflussen können. Deshalb ist die Aussage „dieses Öl hat Komedogenität 4, also ist ein Produkt damit schlecht für unreine Haut” eine Vereinfachung, die den Rest der Formel ignoriert.

Konzentration und Kombination mit anderen Inhaltsstoffen als entscheidender Faktor

Die Konzentration eines Inhaltsstoffs in der Formel hat eine größere praktische Bedeutung als sein theoretischer Skalenwert. Eine Substanz mit hoher Komedogenitätsbewertung, die in Spurenmengen vorkommt, etwa als Duftstoff oder Stabilisator, wird selten eine reale Wirkung auf die Haut haben, die mit derselben Substanz als Hauptbasisöl des Produkts vergleichbar wäre.

Wichtig ist auch die Position des Inhaltsstoffs in der INCI-Liste — weiter hinten aufgeführte Inhaltsstoffe kommen üblicherweise in deutlich geringerer Konzentration vor als jene am Anfang. Zu prüfen, ob ein potenziell komedogener Inhaltsstoff in den ersten fünf INCI-Positionen oder weiter hinten in der Liste steht, liefert mehr Information als der reine Skalenwert.

Beispiele häufig überschätzter Inhaltsstoffe

Kokosöl wird oft als einer der komedogensten Rohstoffe beschrieben, was größtenteils auf die klassischen Studien an Kaninchenohren zurückgeht. In der Praxis ist die Reaktion auf Kokosöl höchst individuell — manche Menschen mit unreiner Haut vertragen es in geringen Konzentrationen gut, während andere selbst bei geringem Kontakt eine Verschlechterung spüren.

Ähnlich werden Kakaobutter und einige Wachse häufig hoch auf Komedogenitätslisten eingestuft, obwohl ihr Verhalten in der fertigen Formel stark davon abhängt, in welcher Konzentration und in Kombination mit welchen Emollientien sie eingesetzt wurden. Eine Verallgemeinerung allein aufgrund des Rohstoffnamens übergeht diese Variabilität.

Grenzen der Skala bei individueller Hautreaktion

Selbst die präziseste Komedogenitätsskala berücksichtigt nicht die individuellen Merkmale einer konkreten Haut — Dicke der Hornschicht, Aktivität der Talgdrüsen, Vorhandensein einer Entzündung oder begleitende dermatologische Erkrankungen. Zwei Personen, die dasselbe Produkt verwenden, können völlig unterschiedliche Effekte erleben, unabhängig davon, was die theoretische Klassifikation der Inhaltsstoffe besagt.

Deshalb kann die Skala höchstens eine allgemeine Vorsichtsrichtung anzeigen, ersetzt aber niemals die Beobachtung der eigenen Haut nach Einführung eines neuen Produkts. Eine Komedonenreaktion tritt meist erst nach mehreren Wochen regelmäßiger Anwendung auf, nicht sofort, was die eindeutige Verknüpfung von Ursache und Wirkung zusätzlich erschwert.

Bedeutung der Kontaktzeit mit der Haut — abspülbare vs. verbleibende Produkte

Die Komedogenitätsskala wird oft zitiert, ohne zwischen Produkttypen zu unterscheiden, obwohl die Kontaktzeit eines Inhaltsstoffs mit der Haut praktisch sehr relevant ist. Ein Shampoo oder Gesichtsreinigungsgel mit einem theoretisch komedogenen Öl bleibt nur kurz auf der Haut, bevor es abgespült wird, was seinen realen Einfluss auf die Porenverstopfung im Vergleich zu demselben Öl in einer über Nacht einwirkenden Creme deutlich verringert.

Deshalb ist die Sorge vor einem bestimmten Inhaltsstoff in abspülbaren Produkten — Conditionern, Mizellenwasser, Duschgel — meist weniger berechtigt als bei Leave-on-Produkten wie Serum, Creme oder Körperlotion, die über viele Stunden in direktem Kontakt mit der Haut bleiben.

Wie man ein neues Produkt praktisch testet, statt sich allein auf die Skala zu verlassen

Statt ein Produkt von vornherein wegen eines einzelnen Inhaltsstoffs von der Komedogenitätsliste auszuschließen, ist es wirksamer, es einzeln in die Routine einzuführen und einen konkreten Hautbereich, etwa die Kieferlinie oder eine Wange, drei bis vier Wochen lang zu beobachten — ein Zeitraum, der dem Erneuerungszyklus der Oberhaut entspricht, in dem sich eventuelle Komedonen zeigen können.

In dieser Zeit sollte man kein weiteres neues Produkt gleichzeitig einführen, damit sich eine etwaige Reaktion eindeutig dem getesteten Kosmetikum zuordnen lässt und nicht einer anderen Variablen. Auch die Form des Produkts spielt praktisch eine Rolle — ein reines Pflanzenöl, das in hoher Konzentration direkt auf die Haut aufgetragen wird, birgt ein anderes Risiko als dasselbe Öl, verdünnt in einer Cremeemulsion, wo es nur wenige Prozent der gesamten Rezeptur ausmacht.

Wie man die Skala sinnvoll nutzt, statt sie wie eine Verbotsliste zu behandeln

Der praktischste Ansatz besteht darin, die Komedogenitätsskala als groben Anhaltspunkt bei der Wahl neuer Produkte zu betrachten, nicht als starre Liste von Inhaltsstoffen, die unbedingt gemieden werden müssen. Wer zu Komedonen neigt, kann bei Produkten, in denen ein potenziell komedogener Inhaltsstoff weit vorne in der INCI-Liste steht, aufmerksamer sein, muss aber nicht automatisch ganze Produktkategorien ausschließen.

Eine wirksamere Strategie ist es, neue Produkte einzeln einzuführen und die Haut über mehrere Wochen zu beobachten, statt Inhaltsstoffe vorbeugend allein aufgrund ihrer Position auf populären Internetlisten auszuschließen, die oft keine gemeinsame, einheitliche methodische Quelle haben.

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Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

FAQ

Eine Klassifikation von 0 bis 5, die die theoretische Fähigkeit eines einzelnen Rohstoffs beschreibt, Poren zu verstopfen, hauptsächlich basierend auf Studien an Kaninchenohren seit den 1970er Jahren.

Nicht unbedingt. Die Skala beschreibt einen einzelnen Rohstoff isoliert, nicht die fertige Formel, in der Konzentration und die Begleitung anderer Inhaltsstoffe die Wirkung auf der Haut vollständig verändern können.

Die Reaktion ist höchst individuell. Klassische Studien deuten auf hohe Komedogenität in reiner Form hin, in der Praxis vertragen manche es in geringen Konzentrationen gut, andere spüren eine Verschlechterung.

Prüfen Sie seine Position in der INCI-Liste — weiter vorne gelistete Inhaltsstoffe kommen üblicherweise in höherer Konzentration vor als die am Ende genannten.

Besser ist es, die Skala als groben Anhaltspunkt statt als Verbotsliste zu sehen und die eigene Hautreaktion nach mehreren Wochen Anwendung eines konkreten Produkts zu beobachten.

Diese Listen haben oft keine gemeinsame, einheitliche methodische Quelle und werden zwischen Webseiten kopiert und verändert, was zu Abweichungen bei den angegebenen Werten führt.

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